Hündeler + Jogger = Problem

Paula Radcliffe nach dem Gewinn des New York City Marathon 2008.

Paula Radcliffe nach dem Gewinn des New York City Marathon 2008.

Den Letzten beissen die Hunde – von wegen! Jetzt hats die Schnellste erwischt: Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe wurde von einem Hund in die Wade gebissen. «Ein älterer Gentlemen», sagt sie, «konnte sein Tier nicht unter Kontrolle bringen.»

Ereignet hat sich die Attacke kürzlich während ihres Trainings in Monte Carlo. Als der Hund auf die 37-Jährige losging, verlangsamte sie ihr Tempo und blieb stehen. Genützt hats nichts. Nach dem Biss verkrampfte ihre Muskulatur, das Bein schwoll an. Paula Radcliffe musste ins Spital gebracht werden. Dank Spritzen und Medikamenten konnte die zähe Engländerin nach drei Tagen wieder trainieren.

Gewisse Hundehalter benehmen sich noch bissiger als ihre Lieblinge

Monsterbello will nur spielen.

Monsterbello will nur spielen.

Obschon dieser schmerzhafte Vorfall für die Weltmeisterin 2005 zum Glück zu keiner langfristigen Sportinvalidität führte: Wir Outdoor-Jogger fühlen mit ihr. Wir kennen das Hundeproblem auch. Immer wieder laufen wir in tierisch brenzlige Situationen, müssen uns ankläffen und anknurren lassen. Ich selber wurde schon mehr als ein Mal im Wald von einem nicht angeleinten, kampfbereiten Monster-Bello «zum Spielen» aufgefordert.

Jogger und Hunde reizen sich. Hier im Outdoorblog diskutierten wir schon ausführlich darüber. Seither stelle ich allerdings fest: Gewisse Hundehalter benehmen sich noch bissiger als ihre Lieblinge. Manche haben es sich offenbar zum Sport gemacht, mir jede Woche etwas mitzuteilen. Zum Beispiel: «Man müsste Frau Knecht einschläfern.» – «Man sollte Frau Knecht in ein Rudel Hunde stellen, das eine Woche nichts zu fressen bekommen hat.» – «Bitte joggen Sie weiter, immer in die gleiche Richtung und das so lange, bis Sie ausser Sichtweite sind. Für immer. Verbindlichen Dank!»

Grosses Missverständnis

Egal, über welches Thema ich blogge, ein Hündeler kommentiert bestimmt. Schreibe ich über Lawinengefahren bei Skitouren, meint einer, ich sei «eine Hundehasserin». Thematisiere ich das Läufervirus in den 70ern, sagt einer: «Wie wir ja wissen, sind Hund und Tod für Frau Knecht etwa gleichbedeutend.» Berichte ich über den halsbrecherischen Freeride-Wettkampf am extrem steilen Corvatsch-Nordhang, erklärt einer bereits um 08.16 Uhr: «Ist mir eigentlich total Wurst, was diese Kerlchen im Schnee machen. Aber für Sie, Frau Knecht, wäre es sicher der ideale Sport, weil man da mit grösster Wahrscheinlichkeit nie von krass blutrünstigen Hunden belästigt wird.»

Liebe Hündeler, ein grosses Missverständnis liegt vor. Mir käme zwar nie ein Hund ins Haus und ich würde niemals einen Hund streicheln oder hinter den Ohren kraulen (Schnappgefahr, Bakterienherd): Aber deswegen bin ich doch noch lange keine Hundehasserin! Bitte differenzieren: Es gibt nicht nur Liebe oder Hass, schwarz oder weiss, Tag oder Nacht, sondern noch viele Facetten dazwischen. Aber es stimmt: Wild bellende Hunde, die an der Leine so fest reissen, dass sie sich fast strangulieren, weil sie mir die Wade zerfetzen wollen, machen mir Angst.

Ein Recht auf Angst vor Hundebissen

Hier lernt ein Hund den Umgang mit rennenden Menschen (gestellte Szene).

Hier lernt ein angeleinter Hund den Umgang mit rennenden Menschen (gestellte Szene). (Bild: Keystone/ Schweizer Kynologische Gesellschaft)

Manche Leute leiden unter Höhenangst und gehen deshalb nicht klettern. Käme einer auf die Idee, sie als Höhenhasser zu bezeichnen? Ich habe zum Beispiel auch Panik vor Ärzten, eine Konsultation wäre nach einem Hundebiss unumgänglich. Bin ich deswegen eine Ärztehasserin?

Sicher bin ich nicht die Einzige und finde, es gibt ein Recht auf Angst vor Hundebissen. Ein völlig berechtigtes Recht, wie das Unglück von Paula Radcliffe wieder mal deutlich macht. Mit 2:15:25 Stunden lief sie den besten Marathon aller Zeiten, sie ist topfit – und wurde trotzdem von einem Hund eingeholt. Als mittelschnelle Hobby-Joggerin rechne ich mir im Notfall jedenfalls keine Chance mehr aus.

PS: Kürzlich habe ich gelesen, dass 40 Prozent der Schweizer Hunde verfetten, weil sie von ihren Frauchen und Herrchen liebevoll überfüttert werden, und darum an Gelenk-, Herz- oder Kreislaufproblemen, Diabetes, Lahmheit oder Leberverfettung leiden. Dazu möchte ich nur eines sagen: Wer Hunde liebt, der hält sich keine – nicht wahr?

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Läuferärgernis Hund und Hündeler
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