Tabuthema Unterwäsche: Welche taugt am Berg?

icebreaker-funktionswäsche.

Thermounterwäsche soll viele Kriterien erfüllen.

Zur Erinnerung aus einem 70er-Jahre Prospekt.

Ist und bleibt unsexy: 70er-Jahre -Werbung für lange Unterhosen.

Bleiben wir ehrlich: Gibt es etwas Unattraktiveres als einen Mann in langen Unterhosen? Egal! Manchmal bleibt Outdoorsportlern eben nichts anderes übrig, als ästhetische Barrieren zu überwinden. Gerade was die erste Schicht auf der Haut betrifft. Styling spielt da eine untergeordnete Rolle. Thermounterwäsche muss funktional sein und aus nachhaltiger, tierfreundlicher Produktion stammen. Unsere Ansprüche sind hoch, die Sortimente breit – und die Preise zum Teil unverschämt.

Hier einige Tipps, auf was man beim Kauf achtet:

– Um mich bei jedem Wetter und jeder Anstrengung wohl zu fühlen, kleide ich mich in Schichten: Aussen wind- und wasserdicht. Darunter je nach Bedarf warme Daune, Fleece oder Softshell. Und direkt auf der Haut atmungsaktive Thermounterwäsche, die bei Anstrengung kühlt, überschüssige Wärme nach aussen leitet, Feuchtigkeit zügig aufnimmt, schnell wieder trocknet und bei Inaktivität wärmt. Wie eine zweite Haut.

Baumwolle ist im Bergsport gänzlich ungeeignet. Im Notfall kann sie sogar lebensgefährlich sein, weil sie rasch nass ist, aber sehr langsam trocknet und den Körper abkühlt.

– Im Hochgebirge sind im Winter minus 20 Grad Lufttemperatur nichts Aussergewöhnliches. Trotzdem schwitze ich beim Aufstieg, wenn ich zum Beispiel eine Skitour unternehme. Oben auf dem Gipfel, wo oft noch der Wind eisig bläst, will ich keine nasse Unterwäsche, die am Körper klebt und Frostbeulen provoziert. Am Berg brauchts Kleidung, die wie auf Knopfdruck kühlt oder wärmt.

– Wir schwitzen beim Sport, damit der Körper nicht überhitzt. Schweiss kühlt die Haut. Aber nicht an jeder Stelle gleich stark. Während Rücken, Brust, Nacken und Achseln als «Problemzonen» gelten, bleiben etwa Ellbogen, Schultern oder Knie staubtrocken.

icebreaker-funktionsunterwäsche.

Unterwäsche wie eine zweite Haut – hier Merinowolle von Icebreaker.

Grundsätzlich gibt es zwei geeignete Arten von Thermounterwäsche:

1.    Hightech-Fasern mit Funktionssystem. Viele Hersteller statten Leibchen und Hosen mit verschiedenen Zonen aus, damit jede Körperpartie je nach Bedarf optimal profitiert. Wichtig: Die Zonen funktionieren nur effektiv, wenn sie da sitzen, wo sie sollen (Unterwäsche immer hauteng wählen).

2.    Merinowolle mit ihrem natürlichen Thermosystem. Die Fasern sind flauschig und warm, sie können nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen und trocknen fast so schnell wie synthetische Ware. Merinogarn ist viel feiner als gewöhnliche Schurwolle – und kratzt nicht.

Inzwischen gibt es Wäsche, die mit Kunstfasern und Merinowolle kombiniert ist.

mammut-funktionsunterwäsche.

Hightech-Unterwäsche: Für jede Körperzone die richtige Funktion. (Flyer: www.mammut.ch)

Vor- und Nachteile:

1. Hightech-Fasern sind leichter und trocknen schneller als Merinowolle. Nachteil: Synthetische Wäsche stinkt schnell sehr übel. Egal wie viel sie kostet. Irgendmal holt selbst die Waschmaschine den Geruch nicht mehr raus. Darum sind solche Funktionsshirts für mehrtägige Touren eher ungünstig, oder man packt für jeden Tag ein frisches Teil in den Rucksack.

2. Merinowolle trocknet etwas weniger rasch als Synthetik, ist jedoch auf der Haut angenehmer zu tragen. Und wesentlicher Vorteil: Sie bleibt geruchsneutral. Selbst nach mehreren Tagen schweisstreibender Bewegung.

Nachhaltigkeit:

Damit Hightech-Kleidung wie gewünscht funktioniert, wird sie mit verschiedenen Chemikalien behandelt. Der Energiebedarf für diesen Herstellungsprozess ist hoch. Hinzu kommt: Gewisse Kunstfasern sind nicht ökologisch abbaubar – und darum kritisch.

Merinowolle ist dagegen ein Produkt der Natur, sie wächst jährlich nach und kann vollständig abgebaut werden.

Tierschutz:

In gewissen Ländern – wie etwa Australien und in Asien – wird das Mulesing angewendet. Das ist eine grausame, tierquälerische Praktik, um bei Merinoschafen den Befall vor Fliegenmaden zu verhindern.

Viele Bergsportausrüster geben an, das Thema ernst zu nehmen. Sie hätten sich verpflichtet, ihre Merinowolle aus tierfreundlicher Produktion zu beziehen. Damit begründen sie auch den markanten Preisunterschied zu Billigprodukten der Discounter, die möglicherweise Merinowolle von Mulesing-misshandelten Schafen einsetzen.

Kosten:

Für gute Thermounterwäsche aus kontrolliert ökologischer, sozial gerechter und tierfreundlicher Produktion, muss man relativ tief ins Portemonnaie greifen. Mikrofasern sind tendenziell etwas günstiger als Merinowolle. Bis ca. 200 Franken für ein Leibchen.

Die Qual der Wahl

Jeder muss selber herausfinden, welche Variante er favorisiert. Das Empfinden ist sehr individuell. Und es spielt sicher eine Rolle, ob man am Berg schweisstreibend oder gemütlich unterwegs ist. Heissblüter schwören eher auf Hightechmaterial, «Gfrörlis» auf Merino. Ich selber besitze alle Varianten an Thermounterwäsche. An den Beinen bevorzuge ich Kunstfasern. Am Oberkörper geht für mich nichts über Merinowolle. Obschon Bergsportunterwäsche mein Budget belastet – Winter und Sommer – mache ich keine Kompromisse. Frieren ist nicht mein Ding.

Sind Sie eher der Typ Hightechfaser oder Merinowolle?

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