Zauberstühle unter dem Hintern

Outdoor

Auf die Möglichkeit, die Sattelhöhe per Knopfdruck zu verstellen, will heute kaum ein Mountainbiker mehr verzichten. Foto: iStock

Ohne Zweifel ist die Variostütze eine der sinnvollsten MTB-Innovationen der vergangenen Jahre. Man mag sich das Gefummel am Schnellspanner oder schlimmer noch an der Inbusschelle gar nicht mehr vorstellen. «Sattel rauf, Sattel runter, seitliches Einrichten» – diese nervigen Pausen gehören zum Glück der Vergangenheit an. Heutzutage ist die Stütze immer in der richtigen Position, bergauf, bergab oder auf welligen Trails. Ein kurzer Druck mit dem Daumen genügt. Denn an den allermeisten hochwertigen Mountainbikes ist ein so genannter «Dropper Post» heute serienmässig verbaut.

Aber an vielen günstigeren Velos, an Marathonbikes und am Grossteil der Hardtails gilt die absenkbare Stütze immer noch als Exot. Dabei bieten Variostützen auch in diesem Einsatzbereich Vorteile. Denn gerade bei Racebikes mit wenig Federweg und einer auf Effizienz getrimmten Geometrie nimmt die abgesenkte Stütze vielen anspruchsvollen Abfahrten den Schrecken. Die Position auf dem Bike ist zentraler und der Fahrer kann viel besser auf dem Bike agieren, wenn der Sattel nicht zwischen den Beinen nervt. Auch bei aktuellen Hardtails mit aggressiver Trailgeometrie sind Variostützen, falls nicht schon ab Werk verbaut, das Tuningteil schlechthin.

Mechanisch, hydraulisch, elektronisch

Welche Stütze zum eigenen Bike passt, hängt von einigen technischen Faktoren ab. Aufpassen muss man beim Kauf, wenn die Variostütze bei maximaler Auszugslänge eine höhere Sitzposition zulässt, als man sie eigentlich benötigt – da man sonst höher thront als gewollt. Die ersten Modelle liessen sich um lächerliche 50 bis 75 mm verstellen. Aktuelle Variostützen liften den Sattel aber um gewaltige 150 bis 200 mm auf und ab.

Wählen kann man nicht nur die Höhe, sondern auch die Funktionsweise – mechanisch, hydraulisch oder elektronisch. Für welche Art der Ansteuerung man sich entscheidet, ist am Ende eine Geschmacks- und Kostenfrage. Den neuesten Stand der Technik bilden dabei kabellose Variostützen wie zum Beispiel die Rock Shox Reverb AXS oder die Magura Vyron eLECT. Der riesige Vorteil: Das teils nervige und aufwendige Verlegen der Leitung entfällt. Nicht zuletzt hängt die Entscheidung, welche Variostütze man sich zulegt, aber natürlich auch vom Preis ab. Der Highend-Zauberstuhl unterm Hintern, die per Funkübertragung gesteuerte Rock Shox Reverb AXS kostet immerhin 800 Schweizer Franken. Einstiegsmodelle wie die Pro Koryak starten bei rund 250 Franken.

Die RockShox Reverb AXS. Foto: PD

Der Schweizer Hersteller BMC geht beim Einbau der Variostütze noch einen Schritt weiter. Und zwar mit einer Innovation namens «Trailsync». Über einen Hebel lassen sich zwei Aktionen steuern: Beim Absenken der Teleskopsattelstütze öffnet sich über einen im Rahmen verlegten Bowdenzug parallel der Dämpfer am Hinterbau. Die BMC-eigene Stütze verfügt über drei Höhenpositionen. Für diese Innovation gab es 2018 den ISPO Gold Award.

Starr oder variabel: Nutzen Sie ein Bike mit Variostütze? Oder braucht es das alles nicht zum Biken? Diskutieren Sie mit!

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