In der Sportwelt gibts keine Periode?

Seltsames Tabu: Der weibliche Zyklus wird beim Training ignoriert – obwohl er sich darauf auswirkt. (Foto: iStock)

Es gibt zig digitale Plattformen, die mehr oder weniger individualisiert für Herrn und Frau Sportler Trainingspläne erstellen – egal ob für den ersten Wettkampf, einen schnelleren Halbmarathon oder einen Ironman. Die seriösen Anbieter thematisieren dabei auch, dass bei der Trainingsplanung eines Hobbyathleten auch die Belastungen ausserhalb seiner Sportwelt eine Rolle spielen, etwa ob es in der Beziehung harzt, ob der Chef gerade das Unmögliche von ihm verlangt oder der Nachwuchs für durchwachte Nächte sorgt. Kaum thematisiert wird aber der Zyklus der Frauen, obschon dieser ebenfalls eine Rolle spielt. Das merken unzählige Sportlerinnen, egal auf welchem Niveau sie sich bewegen. Beschwerden, ein variierendes Körpergefühl oder Stimmungsschwankungen, die diese Tage mitbringen – darüber spricht frau kaum, gegenüber Männern schon gar nicht.

Wie gross das Tabu Menstruation in Zusammenhang mit dem sportlichen Training aber tatsächlich ist, ergab eine Umfrage der Sportplattform Strava in Zusammenarbeit mit britischen Wissenschaftlern. 14’000 Athletinnen aus allen Ecken der Welt nahmen daran teil. 70 Prozent von ihnen gaben an, dass der weibliche Zyklus in Zusammenhang mit Sport oder Training nie thematisiert wurde – nicht in der Schule, von keinem Gynäkologen und keinem Coach. Nicht einmal eine von fünf Frauen, die von einem Trainer betreut werden, hat je mit ihm darüber gesprochen. Und das, obschon neun von zehn der befragten Sportlerinnen angaben, dass ihr Zyklus ihr Training beeinflusse.

Sport reduziert Menstruationsbeschwerden

Die Mediziner unterteilen den weiblichen Zyklus vereinfacht dargestellt in drei Phasen: In der ersten – gleich nach der Periode – steigt der Östrogenspiegel an, das sorgt vielfach für positive Stimmung, und die Frauen fühlen sich fit und strapazierbar. In der Phase zwei – nach dem Eisprung – herrscht das Hormon Progesteron vor, und der Körper bereitet sich auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Einige Frauen verspüren dann Einbussen in der Leistungsfähigkeit. Es folgt die Menstruation und damit Phase 3, auch sie kann sich leistungsmindernd auswirken und die Regenerationsfähigkeit des Körpers drosseln. Das zeigt die Umfrage von Strava: 69 Prozent der Frauen gaben an, dass Menstruationsbeschwerden wie Krämpfe, Brustschmerzen, Abgeschlagenheit oder Stimmungsschwankungen ihren Alltag beeinflussen und sie zwingen, ihre Sportroutine anzupassen. Logisch, dass sich das auf die Lust der Athletinnen niederschlägt, sich sportlich zu betätigen und an ihre Grenzen zu gehen. Ich selbst fühle mich am ersten Tag meiner Tage abgeschlagen und antriebslos – dann auch noch in die Laufschuhe zu steigen, ist oft zu viel verlangt.

Wie die Umfrage von Strava aber zeigt, täte ich gut daran, es trotzdem zu tun. Denn – und hier kommt die gute Nachricht für alle Menstruationsgeplagten – es lohnt sich, auch während der Periode aktiv zu sein: 78 Prozent der Befragten gaben nämlich an, dass sportliche Betätigung die Symptome reduziere. Die britischen Wissenschaftler empfehlen deshalb ein moderates Training gegen Menstruationsbeschwerden. Das heisst Sport mit beschleunigter Atmung, bei dem die Sportlerin aber noch in der Lage ist, zu sprechen. Dann setzt der Körper Endorphine frei, die gegen die (Ver-)Spannungen wirken und die Stimmung heben.

22 Kommentare zu «In der Sportwelt gibts keine Periode?»

  • Rosa Sordo sagt:

    Und was ist mit Mensbeschwerden am Arbeitsplatz ? Schon mal davon gehört ?

  • Markus Spycher sagt:

    Ich kann nicht glauben, dass der weibliche Zyklus bei Sportmedizinern und anderen männlichen Betreuern im Sport kein Thema ist. Spätestens wenn die betreuten Frauen olympiareif sind, wird von den Funktionären (nicht nur bei Chinesen und Russen) der Kalender konsultiert. Haben an den olympischen Wettkampftagen die beteiligten Frauen keine Periode oder überhaupt nie eine? Ich frage ja nur.

  • maia sagt:

    Wurde auch nachgefragt, warum die Frauen nicht darüber sprechen? Längst nicht alle Frauen haben Mens-Beschwerden und längst nicht die meisten Frauen (mindestens in meinem Umfeld) lassen sich durch die Beschwerden von Sport abhalten. Warum sollten sie?

  • Frau Feder sagt:

    Ein Blick in die Kommentarspalte zeigt: 4 Männer und ihre Meinungen.
    Da wäre Hans, der eine Frage stellt. Ja, warum müssen sich denn Sportmediziner mit dem Zyklus beschäftigen? Vielleicht, weil sie sportlich tätige Menschen unterstützen wollen? Nur so eine Vermutung!

    Next up: Roland, der es sich nicht nehmen lassen mag, seine eigene Empfehlung zum besten zu geben. Ist Roland Sportmediziner? Oder – wilde Vermutung – einfach ein Mann, der auf sein Bauchgefühl hört und dies gerne mitteilt?

    Nun meine Favoriten, Matthias und Rolf. Matthias trifft den Jackpot mit der Formulierung „Minderheitenprobleme“. Denn, ja klar, Frauen machen ja nur über 50% der Bevölkerung aus.

    Und Rolf: Rolf, Rolf, Rolf. Der vermutet schon wieder ein Männer-Bashing.

    Applaus für alle, würd ich mal sagen!

    • Roland K. Moser sagt:

      Dass Frau Feder ein frustrierten Sozi-Besen ist, ergibt sich aus ihrem Kommentar.

      Was könnte der Grund sein, dass ich an diesen Tage eben Ruhetage empfehle?

      • Sabine sagt:

        Sagen Sie es uns doch, Herr Moser! Bisher haben Sie einfach nur eine komplett unbegründete Empfehlung abgegeben, die den Erfahrungen der KomentatorINNEN hier sowie 78% der befragten Sportlerinnen auf Strava widerspricht. Aber es ist natürlich viel bequemer, mit Beleidigungen um sich zu werfen, als sein Statement zu begründen…

    • Gabi Schenkel sagt:

      Die möglichen Gründe? Hier eine Auswahl, in unspezifischer Reihenfolge:
      A) sie sind Sportmediziner und haben andere Erfahrung in der Praxis als die 78%, denen es besser geht mit Sport.
      B) sie möchten auf keinen Fall, dass Frauen dank Sport wieder leistungsfähiger sind (und sich im Extremfall nicht krankschreiben lassen), weil sie entweder finanziell davon profitieren oder es sonst ersichtlich wird, dass sie doch nicht ganz so stark sind, wie sie eventuell vorgeben.
      C) wenn eine Frau mit Mensbeschwerden sich selbst helfen kann mit Sport, ist der Männerschnupfen in Gefahr.

      Ich fand Frau Feder‘s Analyse herrlich.
      Danke!

    • Frau Teer sagt:

      Grossartiger Kommentar Frau Feder.

  • Luzia Meier sagt:

    Dass mir Sport hilft, wenn ich aufgrund der Menstruation Bauchschmerzen habe konnte ich auch schon beobachten. Spannend fände ich es aber zu erfahren, ob denn das Training an diesen Tagen wirkungsvoller oder nicht ist? Ich stelle mir vor, dass man z.B. eher nicht zu viel Rumpfkraft trainineren sollte, da doch die
    Muskeln im Unterleib in diesen Tagen vermutlich sowieso schon stärker beansprucht werden und die Bänder auch eher gelockert sind.

  • Sophia Niederegger sagt:

    Echt toller Artikel! Ein wichtiges Thema, welches auch ich irgendwie ignoriert habe. Sie haben grad ein kleines Lämpchen in meinem Kopf angemacht ;) .
    Danke für den Artikel.
    Rock On!!

  • Rolf Gunz sagt:

    Lasset mich raten.. daran haben irgendwie aber bestimmt die Männer schuld.

  • Matthias Wicky sagt:

    Das Frauen im Sport weniger leistungsfähig sind, ist altbekannt. Darum schaut ja so gut wie niemand Randsportarten wie Frauenfussball – das Tempo ist einfach viel tiefer. Es wäre eine Ressourcenverschwendung, sich um Minderheitenprobleme wie Menstruation zu kümmern. Viel vielversprechender ist es, den richtigen Sport zu erforschen und die Männer noch schneller, kräftiger und geschickter werden zu lassen.

    • Sara G. sagt:

      Herr Wicky Sie sind wohl selbst eine Ressourcenverschwendung. Dank den Frauen und Männern existieren Sie überhaupt. Es braucht beide Geschlechter auf dieser Kugel. Und falls Sie Frauenfussball nicht interessiert, dann schauen Sie nicht zu.
      Haben Sie schon etwas von Gleichberechtigung gehört?

      • Matthias Wicky sagt:

        @Sara G.
        Ja da haben Sie recht, es braucht Frauen zum Gebären. Es hat auch nie jemand etwas anderes behauptet. Aber für sportliche Spitzenleistungen braucht es Frauen nicht. Darum sollten sich Frauen auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.
        .
        Ihr Gleichberechtigungsargument geht fehl. Denn im Sport geht es mitnichten darum, dass alle gleich schnell/stark/geschickt sind, sondern um Spitzenleistungen des Meisters, der Meistermannschaft. Darum, die Spreu vom Weizen zu trennen und den Besten zu küren.

    • Sofie sagt:

      Bei so einem einfältigen Kommentar bleibt frau die Spucke weg…

    • Anna Moos sagt:

      Ach, 50% der Erdbevölkerung ist eine Minderheit? Aber Ihr unqualifizierter Kommentar ist schon eine mögliche Erklärung, warum die Frage des Artikels überhaupt gestellt werden muss.

  • Roland K. Moser sagt:

    +…es lohnt sich, auch während der Periode aktiv zu sein: 78 Prozent der Befragten gaben nämlich an, dass sportliche Betätigung die Symptome reduziere…“
    Gerade deswegen würde ich es nicht tun.
    Ich empfehle während dieser Zeit Trainings-Ruhetage einzubauen.

  • Hans Kurz sagt:

    Mens kein Thema? Warum müssen sich den Sportmediziner mit dem Zyklus beschäftigen?

Kommentar

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