Im Zweifelsfall zur Wirtschaft

Diese Woche auf der Madrisa bei Klosters (GR).

  • Blick aus der Gondel bergwärts zur Gondel talwärts.

  • Erfreulich: Die gute Beschriftung am Start bei der Madrisa-Bergstation.

  • Das Licht ist noch verhalten.

  • Wir unterqueren einen Sessellift.

  • Tief unten: Klosters.

  • Schönes Bänkli (I).

  • Der Himmel über dem Prättigau.

  • Schönes Bänkli (II).

  • Jetzt gehen wir Richtung Norden.

  • Hinten das Zügenhüttli.

  • Am Ziel. Weil es früh ist, ist die Terrasse noch leer.

  • Auf der Madrisa mag man Vögel.

Es gibt – ich rede vom Wetter – programmiertes Wanderglück. Und es gibt nicht programmiertes Wanderglück. Bisweilen tut das Wetter am frühen Morgen zickig. Wird es dann doch gut, ist dies noch viel grossartiger, als wenn daran von Anfang an kein Zweifel bestand.

Womit wir bei jenem Wintertag wären, als ich von Zürich Richtung Prättigau reiste. Im Unterland war es finster. Während der Zug das Tal der Landquart hinauffuhr, fragte ich mich: Würde ich die Sonne sehen?

Als Optimist investierte ich in Klosters Dorf ohne Zögern in das Gondelticket hinauf zur Madrisa. So heisst ein Freizeitplateau auf rund 1900 Metern mit Restaurants, einem Kinderspielplatz und einigen Skianlagen. Grosser Andrang gabs an der Talstation nicht, denn die Wolken schienen stabil. Sie bildeten über der Gegend ein Dach der Düsternis.

Oben stieg ich aus, versuchte mich zu orientieren, freute mich über die sofort sichtbaren Wanderschilder Richtung Mässplatten und Richtung Zügenhüttli. Ebendieses Hüttli, bekannt als Raststätte der Skifahrer und Winterwanderer, hatte ich mir zu Hause als Ziel gesetzt. Warum nicht die Mässplatten? Weil ich im Zweifelsfall dorthin halte, wo es eine Wirtschaft gibt.

Die Wetterleute haben recht

Ich zog los, es ging am Hang wacker aufwärts, ich fand mich vorerst in einer weiten Linksschleife wieder, violette Stangen wiesen die Richtung. Über den Häusern sass wattiert und weich wie Tuch der Schnee. Im Gelände waren kaum Konturen auszumachen, alles war einförmig grauweiss.

Doch nun begann das Licht zu spielen, und ich dachte wieder einmal, dass ich mit den Prognosen meiner Hausmeteorologen von sma.ch hoch zufrieden bin; meist treffen ihre Aussagen zu Wetterwechseln auf die Stunde genau zu. So war es auch diesmal. Die Wolken begannen sich aufzulockern. Fetzen blauen Himmels erschienen und begannen sich speditiv auszubreiten. Die Sonne trat hervor als die allerbeste Gute-Laune-Macherin.

Zum Weg selbst ist nicht viel zu sagen, was ich als Kompliment meine. Wenn man winterwandert, schätzt man den Service: eine gepistete Spur und eine gute Beschilderung samt der damit verbundenen Sicherheit vor Lawinen. Wo ich Skipisten zu queren hatte, tat ich das mit der gebotenen Vorsicht; einmal verlief der Weg kurz am Rand einer solchen Piste.

Glück auf der Terrasse

Ansonsten: Wandern im vegetativen Zustand, ich überlegte nicht, ich ging, ich dachte nicht, ich atmete. Spuren auf dem Weg gab es keine, ich war der erste Wanderer des noch frischen Tages, kam mir ein wenig wie Adam vor. Dem biblischen Bild Konkurrenz machte ein Schlager aus meiner Jugend, den ich nicht loswerde: «Deine Spuren im Sand» von Howard Carpendale.

Ab und zu passierte ich ein Bänkli, spektakulär platziert mit Blick auf die Berge gegenüber und Richtung Wolfgangpass, den Übergang von Klosters hinauf in die Landschaft Davos. Unterhalb der Felsnase Bärnet drehte sich der Weg allmählich in Richtung Norden. Auf dem letzten Stück hatte ich zackige Fluhen vor Augen, die laut meiner Karte die Grenze zu Österreich bilden.

Dann zeigte sich die hölzerne Terrasse des Zügenhüttlis; auf dem Zaun war ein reizendes Vogelhäuschen installiert. Ich liess mich nieder, trank einen Kafi, trank noch einen Kafi, nahm etwas Süsses dazu und formulierte den Gedanken, der dieser Kolumne zugrundeliegt als Gefühl des Tages: Nicht programmiertes Glück, wenn es denn eintritt, ist das allerschönste Glück.

++

Route: Madrisa, Bergstation – Zügenhüttli – retour

Wanderzeit: 1 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: Je 200 Meter auf-, und abwärts.

Wegbericht: Ob der Weg gepistet und offen ist, erfährt man hier.

Verlängerung auf der Madrisa: Von der Madrisa-Bergstation aus kann man eine zweite Wanderung auf gepistetem Weg machen, die zur Mässplatten und retour. Sie ist etwa gleich lang wie die Zügenhüttli-Wanderung.

Route im Tal: Von Klosters Platz in vier Stunden via Monbiel nach Garfiun (reizendes Gasthaus) und retour. Eine Talwanderung mit wenig Höhendifferenz im Gebiet der jungen Landquart, der Weg ist ein offizieller Winterwanderweg und beschildert.

Wanderkarte: 248 T Prättigau, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Leichte Höhenwanderung auf perfekt gespistetem Weg. Kurz und sehr lohnend.

Höhepunkte: Die Hochgondelei von Klosters aus. Die Rast auf einem der grandios platzierten Bänkli. Die Einkehr im Zügenhüttli.

Kinder: Perfekt, weil nicht zu lang.

Hund: Wuff, wunderbar.

Einkehr: Auf der Madrisa. Zügenhüttli.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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