Meine Bildungslücke, unser Wanderziel

Diese Woche eine Wanderung im Aargauer Jura.

  • Aarau-Rohr, wir ziehen los, den Jurariegel vor Augen.

  • Über die Aare geht es nach Biberstein.

  • In Biberstein umkurven wir das Schloss.

  • Blick zum Aarauer Stadtquartier Tälli.

  • Unterwegs zum Gatter.

  • Es ist vollbracht, nun haben wir das Schenkenbergertal zu Füssen.

  • Thalheim kommt näher, und bald...

  • ... kommt mit dem Schenkenbergerhof unser Zmittag-Restaurant.

  • Schönes Bänkli im Aufstieg zur Ruine Schenkenberg.

  • Die Ruine.

  • Hat was, so ein mittelalterliches Gemäuer.

  • Rückblick vom nächsten Hoger zur Ruine.

  • Gepolsterter Boden – das mögen Wanderer.

  • Oooo, schon wieder fertig! In Schinznach-Dorf.

Dieses Land bringt mich immer wieder zum Staunen, ich werde nicht fertig mit Entdecken. Als ein Freund im Gespräch das Schenkenbergertal erwähnte, wusste ich nicht, wo dieses liegt. Der Freund, ein Vielwanderer, mehr noch als ich, lachte mich aus. «Du kennst das Schenkenbergertal nicht?», sagte er. «Was bist denn du für ein Wanderer?»

Meine Schmach hatte fussgängerische Konsequenzen. Einige Wochen danach machte ich mich mit meinem Grüppli auf, die Bildungslücke zu schliessen.

Ein Pass namens Gatter

Wir fuhren nach Aarau und nahmen vor dem Bahnhof Bus Nr. 2 nach Rohr, das mittlerweile eingemeindet ist. An der Endstation, im Unterdorf von Rohr, stiegen wir aus. Im Norden hatten wir die erste Wanderetappe vor uns: den Jurariegel mit dem Homberg und der Gislifluh. Zwischen den beiden Erhebungen gibt es einen Pass namens Gatter. Unser erstes Ziel.

Wir zogen los, kamen durch den Wald an die Aare. Hierhin hätten wir von Aarau auch laufen können mit Gewinn, der Fluss bildet in diesem Abschnitt Auen. Bloss: Hatten wir schon gemacht. Auf der Strassenbrücke gingen wir ans andere Ufer nach Biberstein und umkurvten dessen Schloss zur Linken. Übers freie Feld erreichten wir den Wald, stiegen auf zum Gatter, das war streng.

Habt ihr die Sauerstoffmaske dabei?

Oben verzichteten ich und zwei weitere Leute auf das Hin-und-Retour zur Gislifluh, unser Grüppli spaltete sich kurz in zwei Fraktionen. «Habt ihr die Sauerstoffmaske dabei?», witzelte ich zu Ronja und Angelina, die den 772-Meter-Hoger attackieren wollten. Später schwärmten die Gipfelstürmerinnen allerdings derart von der Wildheit des Pfades und der Aussicht von oben, dass es mich reute, den 50-Minuten-Abstecher nicht mitgemacht zu haben.

Vom Gatter aus hatten wir das Schenkenbergertal zu Füssen, das zwischen zwei Jurazügen eingebettet liegt und sich über acht Kilometer zieht. Es in seiner Lieblichkeit bis anhin nicht gekannt zu haben: Das fand ich nun noch viel schändlicher. Thalheim, vorgemerkt für die Mittagseinkehr, ist markiert durch die Ruine auf dem Hügelsporn dahinter. Der Abstieg fiel pfleglich aus, bald waren wir unten.

Zmittag mit den Gisflifluh-Bezwingerinnen

Am Dorfplatz erblickten wir das Restaurant Schenkenbergerhof, ich hatte reserviert, da war also nicht das bange Gefühl: Hat es offen und haben wir Platz? Wir traten ein, setzten uns, bald kamen die Gislifluh-Bezwingerinnen, wir assen und tranken, alles bestens.

Nun wollten wir die Ruine über Thalheim ergründen, die Reste der Burg Schenkenberg. Das Wort «Adlerhorst» für derartige Adelssitze auf exponiertem Fels ist ein wenig verbraucht, doch in diesem Fall zwingend – was für ein Spähsitz, was für eine Dominanz von Dorf und Tal! Wir kraxelten durch die alten Mauern, Familien mit Kindern bitte ich um Vorsicht. Die Burg beherbergte einst Ritter und später bernische Landvögte, um im 18. Jahrhundert zu veröden; heute steht sie unter Schutz.

Die nächste Kette kommt bestimmt

Im Norden erblickten wir die nächste Jurakette. An ihrem Hang legten wir eine Kurve ins Gelände, Älmhard, Killholz, Buechmatt, Chalm zogen vorbei, am Schluss gingen wir ostwärts. Steil und genau darum genussvoll fanden wir das letzte Stück durch den Wald hinab nach Schinznach-Dorf am Eingang des … jawohl, des Schenkenbergertals.

Was meinen vielgewanderten Freund angeht, so habe ich mich etwas vorbereitet. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, werde ich im Gespräch den Kurzenberg erwähnen. Ich hoffe, er sagt dann: «Kurzenberg, was ist das denn?» Worauf ich sagen werde: «Wie, du kennst den Kurzenberg nicht? Was bist denn du für ein Wanderer?»

Okay, für die, die ihn nicht kennen. Der Kurzenberg ist eine Gegend im Appenzeller Vorderland. Meine Mutter ist dort geboren.

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Route: Aarau Rohr, Unterdorf – Biberstein – Gatter – Thalheim – Ruine Schenkenberg – Buechmatt – Schinznach-Dorf (Bus nach Brugg).

Wanderzeit: 4 ¼ Stunden.

Höhendifferenz: Je circa 630 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 224 T Olten und 214 T Liestal, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Jura vom Feinsten mit ein paar coupierten Passagen. Die meiste Zeit lieblich.

Höhepunkte: Der Blick auf Schloss Biberstein von der Aarebrücke. Der Adlerblick von der Ruine Schenkenberg. Und natürlich … der Zmittag in Thalheim.

Kinder: Vorsicht in der Ruine!

Hund: Wieder einmal wird er Sie lieben, wenn Sie ihn mitnehmen.

Einkehr unterwegs: Schenkenbergerhof.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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5 Kommentare zu «Meine Bildungslücke, unser Wanderziel»

  • hyld of helmsby sagt:

    Wer’s nicht so mit dem Abwärtslaufen hat (und etwas weniger lang wandern möchte): statt nach Schiznach hinunter (in Schinznach Bad könnte man übrigens ins Thermalbad, um die müden Muskeln zu entspannen) kann man sich auch in die andere Richtung nach der Staffelegg wenden und von dort bequem mit dem Poschti nach Aarau fahren. Aber trotzdem vorher auf die Ruine Schenkenberg!

  • Roger sagt:

    .. und wie wär’s mit einem 1/2h – Abstecher vom Gatter auf die Gisliflue? Ein wunderschöner Aussichtspunkt mit freier Sicht von den Glarner Alpen übers Mittelland zu Eiger/Mönch und Jungfrau und auf der anderen Seite bis zum Feldberg!

  • Urs sagt:

    Schöner Artikel. Das erwähnte Aarauer Quartier heisst Telli.

  • Henriette sagt:

    Schöner Bericht, eine Wanderung. die ich mir auch zutraue. Unser Nachbarkanton Aargau ist mir viel zu wenig bekannt, da habe ich viel nachzuholen. Die Wirtschaft Schenkenbergerhof sollte ihre Homepage nicht sich selbst überlassen und gelegentlich aktualisieren.

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