Genusswandern in Gstaad-Zweisimmen

Diese Woche in der Region Gstaad-Zweisimmen (BE)

  • Bald hat sie ausgedient: Eine Rellerli-Gondelbahn-Kabine.

  • Die ersten Wandermeter bei der Rellerli-Bergstation.

  • Früher Blick zurück zu unserem Startort.

  • Deutsche Familie lernt Kuh kennen.

  • Ideales Wandern inmitten sanfter Hügel.

  • Etwas später...

  • ... und wieder etwas später.

  • Kollegin Ronja.

  • Blick zum Hundsrügg. Die einen waren oben, die anderen umgingen ihn.

  • Wiesen vor der Einkehr.

  • Wir sind im Hüsliberg-Beizli.

  • Dessen Käseschnitte ist famos.

  • Eine stilechte Speisekarte.

  • Hier kann man, neudeutsch gesagt, chillen.

  • Die Trottis bringen uns hinab nach Zweisimmen. Wer schlau ist, geht es langsam an.

Der Tag ist herrlich, die Sonne scheint, eine vielversprechende Route steht an. Trotzdem schmerzt mir die Seele, als wir von Schönried nah Gstaad mit der Gondelbahn hinauf zum Rellerli fahren. Denn das ist nur noch bis Saisonende Mitte Oktober möglich.

Die Konzession der Bahn läuft aus. Danach wird sie abgebaut, ein Neubau würde zu viel kosten. Ein Verein «Freunde des Rellerli» hat sich eingeschaltet, aber ob der es noch richten kann?

Bertarelli übernimmt

Und dann – was wird nach dem Ende der Bahn aus dem Berg? In der stillgelegten Rellerli-Bergstation will der Milliardär Ernesto Bertarelli, der viel Geld in die Sanierung der regionalen Bahnen eingeschossen hat, für sich eine private Lodge einrichten. Mit einem öffentlichen Kiosk immerhin.

Geniessen wir das Rellerli, solange es noch bequem erreichbar ist! Also in den nächsten Monaten.

Edwin erklärt die Landschaft

Oben ziehen wir gleich los. Weil unser Freundesgrüppli in Wanderfreund Edwin einen Kenner der Gegend dabei hat, erfahren wir schon auf dem ersten Kilometer das Wesentliche zur regionalen Geografie: Auf dem Höhenweg zum Sparenmoos werden wir zwei unterschiedliche Bergformationen erleben: Linkerhand, so erklärt es uns Edwin mit einiger Begeisterung, haben wir die «Saanenländer Dolomiten» mit der Gastlosen-Kette. Und rechterhand haben wir in gestaffelter Formation die Berner Alpen.

Dies ist eine Genusswanderung. Sanft geht es auf und ab. An einer Krete vor unserem Zwischenziel Bire hockt eine deutsche Familie. Die Kinder erkunden gerade das fremde Wesen Kuh, gleich mehrere Tiere, jung und alt, stellen sich dafür gutmütig zur Verfügung und lassen sich kraulen. Wir schauen zu. Die eine Kuh will freilich eine Windjacke mampfen; rechtzeitig wird ihr das schwer verdauliche Ding entrissen.

Bire und Luegle

Nach dem Alpgebäude der Bire kommt der Wanderverzweiger Luegle. Das Grüppli teilt sich mal kurz. Die Hochleistungsfraktion steigt auf den Hundsrügg, die andere zieht parallel zum Gratweg einigermassen auf der Höhenlinie weiter.

Bei der Schiltenegg ist Wiedervereinigung, die Hundsrügg-Eroberer strahlen vor stolzer Sportlichkeit. Und die Gemütlichen versuchen, beeindruckt zu wirken. Gemeinsam ziehen alle weiter, ignorieren den Abzweiger zum Bergrestaurant Neuenberg. Edwin hat im Hüsliberg-Beizli reserviert.

Als das Gürkli ins Tanzen kam

Wunderbar finden wir dort die Holzplanke am Haus, auf der Essklassiker notiert sind wie «Alpöhis Cheesbrätt» und «Öskus Sennekaffi»; doch, hier kann man es sich sehr gut gehen lassen.

Die Käseschnitte mit Speckstreifen und Spiegelei macht Eindruck, als sie serviert wird. Riesig ist sie und kommt derart heiss aus dem Ofen, dass der Käse wild brutzelt und das Dekorationsgürkli zum Tanzen bringt. Die kurze Passage nach der Einkehr zum Sparenmoos allerdings: o jemine, mein Bauch ist voll.

Es geht abwärts mit uns

Vom Sparenmoos gibt es vier Möglichkeiten, ins 700 Höhenmeter tiefer gelegene Zweisimmen zu gelangen. Erstens zu Fuss, Gehzeit 100 Minuten. Zweitens: An vielen Wochenenden fährt bis Saisonende der Sparenmoos-Bus. Drittens: Man kann das Taxi Schnidrig bestellen oder besser vorbestellen.

Und viertens gibt es die Variante Trottinett. Das ist unsere Variante. Wir haben reserviert, ein netter Typ überreicht uns die Helme und erklärt uns auch die Bremsen. Dann sausen wir los. Und es ist aus meiner Empfindung wie immer: Im Voraus finde ich Trottis extrem doof. Kindisch. Und sobald ich auf einem stehe, johle und grinse ich und finde es das Grösste und vergesse alles andere. Auch das baldige Rellerli-Aus.

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Route: Rellerligrat, Bergstation – Vorderi Schneit – Bire – Luegle – Schiltenegg – Hüsliberg-Beizli – Sparenmoos.

Wanderzeit: 3 Stunden. Eine halbe Stunde mehr mit dem Umweg via Hundsrügg.

Höhendifferenz: 261 Meter auf-, 455 abwärts. Mit dem Umweg via Hundsrügg sind es total 434 Meter auf- und 627 abwärts.

Wanderkarte: 263 T Wildstrubel, 1:50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Mittlere Anstrengung. Besonders aussichtsreich.

Höhepunkte: Die Fahrt zum Rellerli, die wohl nicht mehr lange möglich ist. Die Einkehr im Hüsliberg-Beizli. Die Trottifahrt am Ende.

Kinder: Trottifahren ist immer ein wenig gefährlich, auf der Strasse verkehren Autos. Vorsicht.

Hund: An sich gut. Aber mit ihm aufs Trotti geht nicht.

Einkehr: Rellerli und Sparenmoos (Beizli, Fr/Sa/So). Neuenberg (Nüjeberg): bis Anfang Sept. täglich. Hüsliberg-Beizli: bis 2. Sept. Fr/Sa/So.

Schriftliches: Flyer mit den Möglichkeiten, vom Sparenmoos nach Zweisimmen zu kommen. Darin sind auch die verschiedenen Einkehrmöglichkeiten mit Öffnungszeiten aufgeführt.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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