Das grosse Stöhnen

Dass hier Superman am Werk ist, sieht man. Mann will es aber nicht hören. Foto: Pixabay, Pexels

Das lockere Shirt umschmeichelt seine Muskeln. Lässt erahnen, was es versteckt – gerade genug, um richtig sexy zu sein. Geschmeidig, routiniert bewegt er sich durch die Reihen der Krafttrainingsmaschinen im Fitnesscenter. Selbstbewusst, festen Schrittes. Ein wahres Mannsbild. Er stemmt die Hantel. Sein Shirt legt sich enger um seinen angespannten Oberkörper. Eine Augenweide.

Dann: Ein Laut, ein einziger Laut und der filmreife Auftritt des Adonis ist dahin. Ein unüberhörbares Stöhnen, im Rhythmus mit jeder gehievten Hantel.

Genauso wiederholend geht der Muskelberg dem Rest der Trainierenden lautstark auf den Geist. Während ich mich beim ersten kehligen Laut noch nach ihm umdrehe – schliesslich könnte er in Not sein –, verdrehe ich spätestens beim dritten Grunzen nur noch enerviert die Augen. Spätestens als er sich nach dem letzten Kraftakt stöhnend aufrichtet und nach Anerkennung heischend in die Runde blickt, ist es um seine Sexyness endgültig geschehen. Solche Typen sind Nervensägen und machen jedes Fitnesscenter zu einer Folterkammer.

Als würde er ein Kind gebären

Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass ein Sportler – egal ob auf den finalen Metern eines Sprints, bei einem Hammerwurf oder bei der letzten Wiederholung im Gewichteheben – seiner Anstrengung hörbar Luft macht. Auch im Fitnesscenter. Schliesslich verlangt ein hartes Training einem Sportler schon mal die letzten Kraftreserven ab.

Mit meiner Toleranz ist aber spätestens dann Schluss, wenn das Gestöhne ein ganzes Training lang andauert. Denn ein Muskelberg, der beim ersten Anheben der Hantel bereits so klingt, als würde er ein Kind gebären, tut das nicht, weil er an seine Leistungsgrenze gestossen ist. Schliesslich würden in diesem Fall nie und nimmer nochmals zehn gegrunzte Wiederholungen folgen – sondern bestenfalls noch eine oder meinetwegen zwei!

Aufmerksamkeit, aber kein Respekt

Es geht beim grossen Stöhnen doch überhaupt nicht ums Mobilisieren der letzten Reserven, sondern nur um eines: Um ungeteilte Aufmerksamkeit. Das starke Geschlecht buhlt mit seinen animalischen Lauten, um die Bewunderung der anwesenden Frauen und den Respekt der anderen Männer. Und scheitert dabei kläglich.

Die ächzenden Muskelberge lösen damit lediglich verständnisloses Kopfschütteln aus – und nicht nur das: Zuweilen nehmen andere Trainierende gar von ihnen Abstand, aber keineswegs aus Achtung, sondern weil sie sich ob des Krachs belästigt fühlen oder peinlich berührt sind. Schade, denn aus jedem attraktiven Adonis wird durch das Gestöhne ein egozentrischer Primitivling. Also Männer, lasst euch sehen – nicht hören!

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19 Kommentare zu «Das grosse Stöhnen»

  • Kurt Seiler sagt:

    Wer geht denn noch in eine reinrassige Muckibude?
    …am schlimmsten Stöhnen immer noch die Tennis-Frauen.

    • Michael sagt:

      Das wollte ich doch schreiben ! Muckibuden kann man wechseln, wenn’s der Frau dort nicht gefällt. Aber dieses laute Gestöhne beim Profitennis, das glaube ich von Monica Selez eingeführt wurde, finde ich viel nervender. Zu allem Überfluss hört man auch schon Männergestöhne. Ob das hilft, wage ich zu bezweifeln – schliesslich hat s’Roger noch nie so gestöhnt…..

  • Hans Hasler sagt:

    Ich denke, diese Sportler werden nicht zu Pia’s Entzückung trainieren. Die Frage ob sie diesen Muskelprotz sexy findet dürfte, den Kraftsportler nicht interessieren.
    Und ich frage mich jetzt auch, ob Pia Wertheimer bewusst ist, dass viele Leute (mich z.B.) diesen Blog nur lesen, um sich über die absurden Jogger zu amüsieren. Ich meine – wer im Glashaus sitzt und so.. die Attraktivität eines hochroten Grinds, der am Mittag bei 35 Grad im Schatten der Limmat entlanghechelt ist mit Verlaub auch etwas eingeschränkt!

    • Niklas Meier sagt:

      Ich mag ja die Leggins (egal ob Mann oder Frau) unglaublich gerne. Es gibt kaum jemanden bei dem das nicht schrecklich ausschaut. Auch die Schweissbänder und hautengen Laufhemden sind suuuper.
      Nicht.
      Aber ich lasse die und wenn ich meine Runden trabe, dann können die sich gerne über meine zerlumpten alten Shirt und knielangen Hosen Turnhosen lustig machen oder wahlweise ärgern. Ich mache nicht Krafttraining, oder gehe joggen um dabei sexy auszuschauen.

  • Roland K. Moser sagt:

    Stöhnen bei solchen Anstrenungen ist eigentlich normal. Man könnte sich aber darauf konzentrieren, die Luft aus der Lunge zu lassen, ohne zu stöhnen.

  • Kaplan sagt:

    Scheinbar habt ihr nie eure sportliche Grenzen erreicht. Dabei meine ich nicht unbedingt Ausdauersport, sondern Sport, wo Kraft – maximal Kraft – nötig ist. Wenn du spürst, dass du nicht mehr weiter kannst, wenn du deine Grenzen zu sprengen versuchst, wenn dein ganzer Körper zittert und nur dein Wille deinen Körper über deine Leistungsgrenze zwingt, naja, dann „stöhnt“ man…

    Zuerst problieren, dann studieren.

    • Gabriela sagt:

      Zuerst lesen, dann antworten. Dann hättest du vielleicht mitbekommen, dass Stöhnen bei jeder Wiederholung nervt, nicht wenn der Trainierende (Adonis oder nicht) an seine Grenzen stösst – und wenn das das ganze Set über der Fall ist, sind die Gewichte falsch gewählt.

    • Christoph Bögli sagt:

      Diese Fälle wurden ja im Text explizit ausgenommen. Wenn man an die Grenzen geht, dann passiert das natürlich schon mal. Aber nicht einfach als Standardgeräusch bei jeder beliebigen Bewegung von der ersten Wiederholung an. Das ist ja dann bloss so plumpe Absicht wie bei den „scream queens“ im Tennis.

    • Marco Müller sagt:

      … dann schafft Dein Wille es sicher auch, dass Dein Körper das Röhren unterdrückt. Wer will, der kann.

      • Roxy sagt:

        Stöhnen ab der ersten Wiederholung? Eher ein Klischee aus einer Komödie. Ich trainiere schon seit Jahren im Gym, ohne je das gesehen zu haben. Was nervt, sind diejenigen die stinken, oder pausenlos quatschen und die Geräte blockieren.
        Bis hart ans Limit trainieren ist voll ok, das ist schliesslich der Sinn von Krafttraining! Einige Wellnessfitnesser begreifen das halt nicht. Keine Leidenschaft!

        • Sportpapi sagt:

          Wellnessfitnesser! Was für eine Wortkreation, die es aber gut trifft.
          Kann aber schon mal sein, dass man bei der ersten Wiederholung (vom Wort her eigentlich Unsinn…) am Limit läuft. Wenn man gar nicht so viele eingeplant hat.

    • Michael sagt:

      Viel mehr wundere ich mich über diese Menschen, die versuchen ihre eigenen Grenzen zu sprengen zu wollen. Ist sie einmal gesprengt – was immer das auch bedeuten mag – lauert doch schon gleich die nächste. Erst stemmt man 100 kg, dann 120 aber bei 1000 ist definitiv Schluss. Gibt die menschliche Statik garnicht her. Was soll das also bringen ?

  • jane marple sagt:

    Sie schreiben mir aus dem Herzen! Mir gehen diese «Pump-Bubis» sowas von auf den Geist.
    Ueberhaupt das affige Getue mancher Leuzte im Gym. Dazu gehören für mich auch die spärlich bekleideten Frauen!
    Warum wohl sind Tänzer oft bis an die Nasenspitzen «eingepackt»? Kein Profi würde – bevor die Muskeln wirklich warm sind, so halbnackt rumlaufen – zumal die meisten Gyms noch auf 20 oder 21 Grad runtergekühlt sind. Man beobachte mal die Athleten in Profi-Wettberben. Die tigern irgendwo eingepackt rum und ziehen sich nur wenige Sekunden vor dem Wettkampf oder Kür aus. Es dauert auch bei trainierten Menschen gute 20 – 30 Minuten, bis sie auf Betriebstemperatur sind.
    Weniger Gestöhn und weniger nackte Haute, wäre wünschenswert (und hygienischer)

  • Robert Baumann sagt:

    Und keiner wagt es, dem Stöhner zu sagen, dass sein Stöhnen stört. Das Selbe bei Trainierenden, die keinen Deo verwenden. Lieber die Faust im Sack machen…

    • flori antha sagt:

      Ich weiss nicht, in der Regel duftet der Schweiss sehr viel angenehmer als die üblicherweise verwendeten Deos….

    • Christoph Bögli sagt:

      Also wenn man ernsthaft trainiert dann hilft eh kein Deo mehr irgendwas. Oder sprayen Sie sich von Kopf bis Fuss ein? Zumal frischer Schweiss eh praktisch keinen Gerucht hat, wenn stinkt dann liegt das eher daran, dass die betreffende Person sich und/oder die Kleider seit dem letzten Training nicht gewaschen hat..

  • Christoph Bögli sagt:

    Zustimmung, eine der schlimmsten Verhaltenssünden beim Sport, egal ob im Fitnessstudio, auf dem Tennisplatz oder sonst wo. Das Klischee vom (Möchtegern-)Bodybuilder, der lautstark auf sich aufmerksam macht, ist dabei zwar nicht ganz verkehrt, aber halt sehr klischeehaft und leider nur die halbe Wahrheit. Denn nach meiner Erfahrung machen das quer durch alle möglichen Leuten, nicht nur „Muskelberge“, sondern auch Normalaussehende, oft sogar gerade die muskellosen „Bohnenstangen“. Gerade neulich einen hinter mir gehabt, der mit seinen Ärmchen die Mini-Hanteln durch die Luft geschwungen hat und dabei röhrte wie ein brünftiger Hirsch. Das einzige was man da noch trainieren kann, ist den Lachanfall zurück zu halten..

  • Leo Schmidli sagt:

    Ach du meine Güte! Wie haben offensichtlich keine Ahnung von schwerem Training mit schweren Gewichten!
    Wissen Sie, was mich stört? Die Leute, die scheinbar zum Quatschen ins Fitness gehen.

  • Nick sagt:

    Vollkommene Zustimmung. Das gleiche gilt übrigens auch für dauerstöhnende TennisspielerInnen.

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