Das ritterliche Plumpsklo

Diese Woche am Neuenburgersee von Yverdon nach Concise (VD)

  • Yverdon, die kanalisierte Thièle.

  • Schönes Ödland zwischen Yverdon und Grandson.

  • Das Haselzötteli ist frühlingsreif.

  • Grandson, die Pfarrkirche.

  • So muss ein Schloss aussehen. Oder?

  • In der Folterkammer.

  • Das Schlossmuseum zeigt viele alte Waffen.

  • Ritterchic. Das Pferd allerdings tut einem leid.

  • Der Goldhut Karls des Kühnen als Kopie.

  • Der Wehrgang bietet Einblicke.

  • Gleich noch einmal eine Impression vom Wehrgang.

  • Adieu, Schloss Grandson.

  • Am Ministrand von Corcelettes.

  • Bei der Einmündung des Arnon.

  • Wohnt hier ein Rennfahrer?

  • Concise, die Kirche Saint-Jean-Baptiste.

Eben waren wir noch in Yverdon: Autos, Parkflächen, Häuser, Asphalt. Und jetzt gehen wir in Einerkolonne auf einem schmalen Pfad durch feuchtes Ödland. Das von den Winterstürmen niedergewalzte Farnkraut und Riedgras ist halb ockergelb und halb rostrot. Die Birken und Weiden sind noch wie tot – wir fühlen uns wie auf Vogelexkursion in Dänemark.

Schön, dem Gewohnten zu entkommen, das allein macht das Wandern wertvoll. Unser Tagesziel ist offen, wir wollen nah am Neuenburgersee nach Grandson gehen, was eine gute Stunde dauert; danach schauen wir mal.

Am Nachmittag gibts Lagune

Der Auftakt jedenfalls ist gelungen. Yverdon, wie gesagt, wurden wir schnell los. Wir querten auf einer Brücke mit klapprigen Fussgängerplatten die kanalisierte Thièle, folgten ein Stück der ebenfalls gefassten Brine. Dann besagtes Ödland mit Misteln in den Baumwipfeln.

Sind wir eigentlich noch im Winter? Jein. Die Einschätzung, welche Jahreszeit regiert, wird sich im Laufe der Unternehmung verändern: Vormittags wandern wir bei feuchter, in die Knochen stechender Kälte und verhangenem Himmel. Am frühen Nachmittag aber wird die Sonne kommen und der bleierne See sich lagunenblau färben, werden wir die Jacken öffnen und wohlig seufzen.

Fette Bleistifttürme

Aber ich greife vor. Grandson gehört erwähnt. Gut drei Stunden bleiben wir, investieren die eine Stunde in einen Zmittag (Pizzeria Chez Tony), durchforschen eine halbe Stunde das mittelalterlich angelegte, von Patrizierhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts geprägte Altstädtchen.

Die andere Hälfte der drei Stunden investieren wir in eine Besichtigung des Schlosses. Französisch, genauer gesagt savoyisch kommt es daher mit Rundtürmen in den Ecken, die einen roten Dachaufbau tragen, der wiederum in einer grafitgrauen Spitze ausläuft. Wie fette Bleistifte wirken diese Türme.

Here comes the sun

Gut, endlich aus der Nähe zu erblicken, was wir bisher nur von der Bahn aus sahen, die zwischen Neuenburg und Yverdon das Schloss beinahe rammt. Und sicher ist die Schlossvisite familientauglich. Die verschiedenen Sammlungen bieten ein Sammelsurium von Dingen, darunter ein Plumpsklo aus der Ritterzeit; das historische Ensemble ist so verwirrlich wie unterhaltsam.

Während wir am See weiterziehen, kommt die Sonne. Am Ministrand von Corcelettes machen wir Pause, schauen über das Wasser. Wenig später, kurz vor dem Steg über den Arnon, weichen wir vom Wanderweg ab für einen Abstecher zur Mündung ebendieses Flüsschens in den See und retour.

Wohnt hier Steve?

Auf den Kiesbänken ist wieder gut rasten, hier könnte man ein Vorfrühlingsbrätlet veranstalten. Oder eine Flasche Wein, natürlich solchen aus der Waadt, öffnen und sich zuprosten. Oder sich auf die ausgebreitete Jacke legen und ein wenig in der Wärme dösen.

Wir bleiben nicht ganz so lange. Unser Weg führt einige Zeit später vorbei an einer Reihe flacher Bungalowhäuser, Klassiker der Moderne, nüchtern, unkitschig, bleibend attraktiv. Vor dem einen Haus steht ein Sportwagen aus den 60er- oder 70er-Jahren und erinnert an Steve McQueen, den früh verstorbenen Schauspieler und Liebhaber schneller Autos.

Bald darauf sind wir in Concise, einem Örtchen mit einer Kirche, die wohl im 11. Jahrhundert wurzelt. Wir erfreuen uns an der Schönheit von Saint-Jean-Baptiste und gehen im Hotel du Lac et Gare einen trinken – wieder haben wir ein Stück Schweiz entdeckt, bereichert werden wir heimreisen.

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Route: Yverdon, Bahn – Grandson, Bahn – Plage de Corcelettes – Concise (Bus oder Bahn).

Wanderzeit: 3 Stunden. Für die Besichtigung von Grandson samt Schlossvisite braucht man zusätzlich mindestens 2 Stunden.

Höhendifferenz: praktisch keine.

Wanderkarte: 251T La Sarraz und 241T Val de Travers 1:50’000

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Keine grossen Mühen, es geht meist ebenaus. Verwirrende Wasserläufe im ersten Teil, schöner Seeblick im zweiten. Dazwischen grosse Historie: Schloss Grandson.

Höhepunkte: Frühlingserwachen im Ödland zwischen Yverdon und Grandson. Das gewaltige Schloss Grandson von innen. Der Blick vom Steg der Plage de Corcelettes über den Neuenburgersee.

Kinder: Bei üblicher Vorsicht im Schloss und am See keine Probleme.

Hund: Gute Route für den Vierbeiner.

Einkehr: Lokale in Grandson und Concise. Chez Tony, Grandson: kein Ruhetag, So nur abends.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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