Dani Arnold packt eiskalt seine Chance

  • Bloss nicht runterfallen: Dani Arnold im schwierigsten Abschnitt der Route. Fotos: Valentin Luthiger

  • Der Zustand des Eises war am 24. Dezember ideal für eine Begehung.

  • Das richtige Schuhwerk ist ein wichtiger Faktor.

  • Bereits der unterste Teil der Route ist herausfordernd.

  • Die Schlüsselstelle ist eine 35 Meter hohe Säule aus Eis.

  • Geschafft: Nach der Rekordbegehung kann Dani Arnold rechtzeitig zur Weihnachtsfeier aufbrechen.

Dem ist doch gar nichts heilig, könnte man meinen, dem Dani Arnold, nicht mal der Heiligabend. Wieso sonst sollte der Urner Spitzenbergsteiger am 24. Dezember alleine in die Eissäulen der Breitwangflue im Berner Oberland einsteigen und mit Beta Block Super (VII) eine der schwersten und längsten Eisklettereien im Alpenraum Free Solo, das heisst alleine und ohne technische Hilfsmittel wie Seil, klettern? Die Leistung ist kaum zu überschätzen, zumal er nur gerade 1:03h für die knapp 300 Meter benötigt hat. Doch von einer Speedbegehung will Arnold nichts wissen: «Das Gelände ist viel zu schwierig dafür. Mein einziges Ziel war, nicht runterzufallen.»

Nach mittleren Schwierigkeiten im ersten Teil folgt eine freistehende, 35 Meter hohe Säule, deren Ende hinter einem Vorhang aus hauchdünnem Eis verschwindet. Rund einen halben Meter trennen Säule und Vorhang. Es gilt, den dünnsten, unteren Teil dieses gefrorenen Wasserfalls wegzuschlagen und soweit an Höhe zu gewinnen, bis die Säule sicher verlassen werden kann. «Die Schlüsselstelle», erklärt Dani Arnold. Hier, wie generell beim Eisklettern, ist die Herausforderung weniger die Kletterschwierigkeit als das Einschätzen des Eises. «Eis ist ständigen Veränderungen unterworfen und nicht einfach eine tote Masse. Ich habe in meinem Leben zwischen 500 und 700 Tage in diesem Element verbracht. Diese waren meine Vorbereitung für die Begehung in diesem Stil.»

Genau diese Veränderungen im Eis legten schliesslich den Tag fest und nicht etwa eine Arnold’sche Weihnachtsphobie. Am Vortag kletterte er mit seinem Bruder in einer benachbarten Route an der Breitwangflue, und bereits beim Zustieg sticht ihm die geschlossene Eissäule von Beta Block Super ins Auge. Trotz unzähligen Klettertagen hier sieht er das zum ersten Mal. Wie lange die Bedingungen für eine Begehung stimmen, ist ungewiss. So verbringt er den Rest des Tages damit abzuwägen, ob er morgen trotz Weihnachten einsteigen soll. Am Ende entscheidet er sich zumindest für einen Versuch, ruft den Fotografen Valentin Luthiger an und erzählt seiner Frau vom Vorhaben. Heiligabend feierte Arnold glücklich mit seiner Familie.


Die Erstbegehung im Zeitraffer. Video: Valentin Luthiger

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3 Kommentare zu «Dani Arnold packt eiskalt seine Chance»

  • John Lavater sagt:

    „Confirmation Bias“ bei Risikosportarten!
    Wie wertvoll sind „500 bis 700 Tage im Eis“, um das Gefahrenpotenzial einer Situation einzuschätzen, die man zum ersten Mal sieht, wie die „geschlossene Eissäule von Beta Block Super“?
    Da der Risikosportler zum Betrachtungszeitpunkt schon viele brenzlige Situationen erfolgreich überlebt hat (auch solche, derer er sich gar nicht bewusst ist), tendiert er dazu, den Beitrag seiner unbestritten grossen Erfahrung und Fähigkeiten überzubewerten und zu ignorieren, dass er auch dank grossem Glück noch am Leben ist. Diese Verdrängung ist Voraussetzung für solche waghalsigen Unterfangen.
    Die Physik in den Bergen ist wahnsinnig komplex und auch dem Chaos unterworfen. Fortuna, D.A.!

  • Pascal Baur sagt:

    Ich würde eher sagen: die Leistung ist kaum zu unterschätzen, anstatt zu überschätzen. Und dennoch kann ich nicht verstehen, warum Risikosportarten immer wieder so medienwirksam sind. Damit spornt man den Atleten zu immer höheren Leistungen an und generiert Nachahmer. Denn der Mensch ist nie zufrieden und will immer mehr. Doch der Kluge weiss ja: der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Es ist noch kein Jahr her, als Ueli Steck abgestürzt ist, weil er zuviel wollte und schon bejubelt man den nächsten „Todeskandidaten“ in nationalistischer Verblendung. Ich wünsche Herrn Arnold viel Glück und die Einsicht, dass seine Familie ihn viel nötiger hat als der Berg. Sie braucht ihn auch weitaus mehr, als die Medien ihre Schlagzeilen und die Loser ihre patriotische Identität.

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