Die Kloake riecht gar nicht

Diese Woche von Rheinfelden nach Augusta Raurica (AG/BL)

  • Nach dem kurzen Gang vom Bahnhof Rheinfelden: voilà, der Rhein.

  • Rückblick nach Rheinfelden.

  • Bald durchqueren wir eine Badi. Es herbstelet.

  • Blick ans deutsche Ufer nach einer Stunde.

  • Es geht gegen Kaiseraugst.

  • Die Kirche von Kaiseraugst. In der Halde unterhalb gibt es frühchristliche Relikte zu sehen.

  • Die Relikte aus der Nähe.

  • Stadtmauer von Augusta Raurica beim Bahnhof Kaiseraugst.

  • Augusta Raurica, das Museum.

  • Das Theater.

  • Mauern des Tempels auf dem Schönbühl.

  • Hier kämpften Gladiatoren um Leben und Tod: das Amphitheater.

  • Riecht nicht: in der Kloake.

  • Statue im italienischen Restaurant in Augst.

Eines schönen Morgens wache ich auf und denke freudig: Ich habe frei – wo soll ich hin? Beim Morgenkafi konsultiere ich meine Wunschliste. Augusta Raurica soll es sein, die Römerstadt. Dort war ich noch nie.

Das Areal, ergibt ein Blick auf die Karte, ist weitläufig. Trotzdem möchte ich zuvor schon ein bisschen wandern. Ich fahre nach Rheinfelden. Immer wieder gut, dort ans Wasser zu treten und das Inseli zu erblicken, auf dem einst eine mächtige Burg stand. Und natürlich gehe ich wie jedes Mal auf die Brücke und denke an Anna.

Annas Tod durch die bösen Hunnen

Die war eine Adelsdame in unruhigen Zeiten. Als die Hunnen anrückten, versenkten die Leute des Städtchens ihr Gold im Rhein. Das machte die Hunnen so wütend, dass sie Anna hinterherwarfen. Nach ihr ist das St.-Anna-Loch benannt, jener Ort just bei der Rheinbrücke, wo zwei tektonische Platten aufeinanderstossen. Wirbel zeugen vom Riss im Flussgrund.

Der Weg flussabwärts macht mir Freude, die meiste Zeit gehe ich auf Naturboden. Bereits polstern ihn herbstlich Blätter. Einmal gehe ich durch eine Badi, später komme ich an der riesigen Autobrücke nach Deutschland vorbei.

1300 Liter Wasser pro Kopf und Tag

Unterhalb der Dorfkirche von Kaiseraugst gibt es im Hang die Reste einer frühchristlichen Kirche und einer Bischofsresidenz zu besichtigen. Ein gemauerter Wasserkanal, Augusta Raurica zugehörig, mündet in den Rhein aus. Er belegt, dass die Römer Meister der Wasserführung waren. Von Lausen leiteten sie Wasser aus dem Flüsschen Ergolz über mehr als sechs Kilometer nach Augusta Raurica. Hochrechnung der Archäologen: Pro Kopf und Tag standen jedem der 20’000 Stadtbewohner 1300 Liter Wasser zur Verfügung.

Via den Bahnhof Kaiseraugst gehe ich in die Oberstadt von Augusta Raurica, die im heutigen Augst liegt und den Grossteil der Sehenswürdigkeiten bietet. Den Ausgangspunkt meiner Runde bildet das Museum im Stil eines Römerhauses; es würde mich nicht wundern, wenn Cicero aus der Tür träte.

Schwinger verzichten besser

Vom Museum aus steige ich auf zum Tempel auf dem Schönbühl und geniesse den Fernblick. Gegenüber lockt das Halbrund des Theaters. Hernach spaziere ich – Tafeln und Wegweiser erschliessen das Gelände – Richtung Süden bis zur Autobahn, drehe ab und steige in die Senke mit dem Amphitheater. In ihm traten die Gladiatoren zum Kampf an.

Danach suche ich die Kloake auf. Der Abwassertunnel von einst, eine lange Gerade, ist beleuchtet. Er könnte sauberer nicht sein, stinkt nicht im Geringsten. Eng ist er aber, einer mit Schwingerpostur hätte mit seinen breiten Schultern Mühe.

Spaghetti im Römerhof

Im nahen Restaurant Cedro Römerhof esse ich im Angesicht einer freizügigen Frauenstatue neuzeitlich: Spaghetti aglio olio. Und ich beschliesse, bald noch einmal nach Augusta Raurica zu kommen. Ich mache das oft so mit Museen und ähnlichen Stätten: Bei der ersten Visite rekognosziere ich. Und bei der zweiten führe ich mir alles gründlich zu.

Drei Stunden hat die Unternehmung gedauert. Ein Tipp für alle, die sich «unterwandert» fühlen, also länger gehen wollen: Eine ausgesprochen schöne Fortsetzung führt in zwei Stunden auf einem schmalen Naturweg am Rhein via Schweizerhalle zum Auhafen. Dort geht es ins Industriegelände, durch den Forst zum Ausflugsrestaurant Waldhaus und zur Endhaltestelle «Birsfelden, Hard» des Trams Nr. 3. Es trägt den müden Wanderer komfortabel nach Basel hinein.

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Route: Rheinfelden, Bahnhof – Rheinufer – Uferweg bis Kaiseraugst – Kaiseraugst, Bahnhof – Runde durch Augusta Raurica (mit Museum, Tempel auf dem Schönbühl, Theater – Amphitheater – Kloake) – Kaiseraugst, Bahnhof.

Wanderzeit: 3 Stunden

Höhendifferenz: 142 Meter auf-, 152 abwärts.

Wanderkarte: 214 T Liestal, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Augusta Raurica: Hier der Link. Plan des Geländes hier.

Charakter: Gemütliche Herbsttour, zuerst Natur am Fluss, dann Geschichte in Form einer Römerstadt.

Höhepunkte: Der Blick von der Rheinbrücke in Rheinfelden. Augusta Rauricas Amphitheater und die Kloake.

Kinder: Perfekt. Vorsicht am Fluss!

Hund: Auf dem Gelände von Augusta Raurica muss er an die Leine, ins Museum darf er nicht.

Einkehr: Cedro Römerhof in Augst. Mo Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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3 Kommentare zu «Die Kloake riecht gar nicht»

  • Wolfgang sagt:

    Dominik hat völlig Recht: ab Birsfelden Hard fährt der 3er und nicht nach Basel SBB. In der Regel, möchte ich fast sagen. Denn in diesem Sommer gab es wegen diverser Grossbaustellen in der Stadt Basel und Umgebung diverse Umstellungen am Tramfahrplan. Im September, als die Innerstadtachse gesperrt war, wurden diverse Tramlinien vorübergehend neu geführt. So verkehrte die Linie 2 von Binningen via Basel SBB tatsächlich nach Birsfelden Hard (statt wie normalerweise bis Basel Eglisee und Riehen Fondation Beyeler). Gut möglich, dass der Autor gerade in dieser Zeit seine Wanderung unternommen hat.

  • Hans-Jürg sagt:

    Danke, dass Sie auch an die Hundebesitzer denken. Viele Wandervorschläge vergessen das nämlich. Sie zum Glück nicht.
    Bitte mehr davon.

  • dominik sagt:

    In Birsfelden hält der 3er und der fährt nicht nach Basel SBB. Man muss an der Station „Aeschenplatz“ in den 8/10/11er umsteigen oder die paar 100 Meter durch einen Parkanlage zu Fuss gehen.

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