Ein See, so bekannt wie sein Lied

Diese Woche: eine Rundwanderung zum Lauenensee (BE)

  • Lauenen, Dorf. Die Haltestelle heisst «Moos».

  • Die reizende Kirche von Lauenen.

  • Wieso nicht im «Wildhorn» einen Kafi trinken?

  • Bis zur Rohrbrücke geht es noch die Strasse zum Lauenensee entlang.

  • Dank Fesselung an den Baum stürzt der Gaden nicht ab.

  • Nach einem nicht allzu harten Aufstieg senkt sich der Weg, unser Ziel ist nah.

  • Voilà, unser Star des Tages, der Lauenensee.

  • Das Restaurant liegt leicht erhöht ganz nah am See.

  • Kurzes steiles Stück in die Rossfallenschlucht. Am Pfad stehen Holzskulpturen.

  • Der Lauibach. Das Szenario schreit nach einem Fussbad.

  • Tristen prägen das Feuchtgebiet Rohr. Bald endet die Wanderung an der Rohrbrücke.

Während ich von Lauenen zum gleichnamigen See wanderte, ging mir das Lied aus den 1980er-Jahren nach, das ich mir zuvor per iPhone zugeführt hatte. Ja, klar, «Louenesee» von Span. Die Mundart-Rockband hat den See derart nachhaltig verewigt, dass man ihn auch «Spansee» nennen könnte.

Mit dem Bus war ich zuvor von Gstaad angereist, durch ein schmales Tal, das im Winter von Lawinen bedroht ist. Mit mir fuhr eine Vielzahl von Leuten, jung und fit und alpin ausgerüstet. Das Trio vor mir wollte, entnahm ich dem Gespräch, hinüber ins Wallis.

Zuerst in die Kirche, dann ins Wirtshaus

Mir war mein bescheiden bemessener Plan sehr recht, denn es war heiss. In Lauenen stieg ich aus und tat die zwei Dinge, die ich mir vorgenommen hatte. Ich stieg erstens zu dem auf einem kleinen Hügel platzierten Dorfkirchlein aus dem 16. Jahrhundert auf, das mit Schindeln gedeckt ist.

Und ich kehrte zweitens im Restaurant-Hotel Wildhorn ein, einem stilvollen Holzhaus. Es hatte unter der Führung des Schauspieler-Duos Isabelle von Siebenthal und Hans Schenker Schlagzeilen gemacht; die beiden vertrugen sich irgendwie nicht mit dem Dorf.

Mittlerweile ist das Wildhorn längst in anderen Händen, Friede herrschte auf der Terrasse, ich trank Kaffee und genoss die Ruhe des jungen Vormittags, das Rauschen des Baches. Dann zog ich richtig los. Ich folgte der Strasse taleinwärts, bog bei der Rohrbrücke rechts ab ins Gebiet Fang, ging hernach länger auf Asphalt, dazwischen auch auf Kies. Bis sich der Weg zu senken begann und ich den Lauenensee erblickte, der streng genommen aus zwei oder gar drei Gewässern in sumpfigem Gelände besteht.

Bräteln, das wärs

Die Kulisse des Lauenensees, das waren Gipfel, die dem Grün der Matten und Sumpfflächen ein imperiales Grau entgegensetzten. Anhand der Karte versuchte ich, die Berge zu benennen. Gar nicht so einfach – war das leicht rechts vor mir das Spitzhorn? Ich umrundete den See. An einer Stelle, auf einer baumbestandenen Kuppe, richteten sich Leute mit Kindern an der «Schweizer Familie»-Feuerstelle für einen Grilltag ein.

Ich hatte nichts Brätelbares dabei. Und so kehrte ich kurz darauf im Restaurant ein und gönnte mir einen schönen Teller mit Blick auf das Wasser.

Die Wanderung zurück geriet zur Überraschung. Auf der Ostseite des Sees hielt ich gegen Norden und bog auf der Höhe des Seebaches ab in die Rossfallenschlucht. Der Pfad, an dem geschnitzte Tiere standen, wurde abenteuerlich: schmal, steil, an einer Stelle mit einem Seil gesichert. Toll, nach der Lieblichkeit des Sees diese Dosis Karl May.

Zum Schluss noch einmal dieses Lied

Sanft geriet der Schluss am Lauibach talauswärts. An einer besonders schönen Stelle hielt ich, zog die Schuhe aus und tauchte die Füsse ins Wasser. Etwas weiter vorn gefielen mir später im Feuchtgebiet Rohr die Tristen mit dem geschnittenen Schilf. Doch, befand ich bei der Bushaltestelle Rohrbrücke: Die Wanderung hatte sich gelohnt.

Meine letzte Handlung an der Rohrbrücke: Ich nahm das iPhone, stöpselte mir die Ohren zu und gab mir noch einmal Span: «Immer wenn i wieder dra dänke / a das Gfüeuh dert am Ufer vom See / de merk i wie guet dass’s mer ta het / i gloube I gange no meh a Louenesee.»

PS: Will jemand eine anderthalbstündige Verlängerung? Dann empfehle ich dies: vom Lauenensee zum Boden des Unteren Feissenbergs auf- und wieder absteigen. Dort sieht man einen der schönsten Wasserfälle der Alpen: den Geltenschuss.

Route: Lauenen, Moos – Abstecher zur Dorfkirche und retour – Rohrbrücke – Fang – Hinderem See – Lauenensee, Fastumrundung im Gegenuhrzeigersinn – Abzweiger gleich nach dem Seebach in die Rossfallenschlucht – Rohr, Rohrbrücke.

Wanderzeit: 2½ Stunden.

Höhendifferenz: Je 210 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 263 T Wildstrubel, 1:50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Verlängerung: Vom See auf dem Bergweg Richtung Geltenhütte bis Unterer Feissenberg und retour. 1½ Stunden und je 250 Höhenmeter zusätzlich. Schöner Alpboden mit direktem Blick auf den Geltenschuss. Mehr von dem Wasserfall in dieser früheren «Zu Fuss»-Kolumne.

Retour: Bus ab Rohrbrücke (Haltestelle der Linie Lauenensee–Lauenen–Gstaad).

Charakter: Generell leicht, mit Stücken auf Hartbelag. Im Abstieg zur Rossfallenschlucht muss man minimal trittsicher sein, ausgesetzte Partien gibt es nicht.

Höhepunkte: In Lauenen die Dorfkirche und die Terrasse des Hotels Wildhorn. Der erste Anblick des Lauenensees. Das Fussbad am Lauibach.

Kinder: Klassische Familienwanderung, im Abstieg zur Rossfallenschlucht ist aber Vorsicht angebracht.

Hund: Hundetauglicher geht nicht.

Einkehr: Wildhorn in Lauenen. In der Hochsaison kein Ruhetag. – Alpenland bei der Rohrbrücke, Mi/Do Ruhetag. – Restaurant Lauenensee, in der warmen Jahreszeit durchgehend offen, ausser beim schlechtem Wetter.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

 

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