Endspurt

Outdoor

Radiomoderator Marc Jäggi fühlt sich durch das regelmässige Training deutlich gesünder als vorher. Fotos: Urs Jaudas

Noch fünf Wochen bis zum Jüngsten Gericht am Ufer des Greifensees. Wie ein Mahnmal sticht der Showdown unserer Running Challenge aus meiner Agenda hervor: Samstag, 16. September. Jedes versäumte Training, jeder unvernünftige Grillabend ruft sich nun laut und unbarmherzig in Erinnerung. Kürzlich, tatsächlich so geschehen, hat sich der Greifenseelauf sogar in einen nächtlichen Traum geschlichen. Unter tosendem Applaus bin ich darin, nach schnellem Lauf und in bester Verfassung, in Uster über die Ziellinie gehechtet. Die Glückshormone fluteten meinen Körper, als ich hörte, dass mein Gegner, der Meteorologe Peter Wick, immer noch unterwegs sei. Yes! Ich elender Genussmensch habe den Mann, der seit 36 Jahren regelmässig Sport treibt, vernichtend geschlagen.

Zwei geträumte Bier später erfuhr ich von meinem Pacemaker Pia Wertheimer, dass ich irgendwie von der Strecke abgekommen sei und statt des geplanten Halbmarathons nur die 10-Kilometer-Strecke absolviert habe. Piipiipiip. Piipiipiip. Ich habe mich noch Stunden nach dem erlösenden Weckerton schlecht gefühlt. Eine üppige Portion Anspannung und Nervosität hat sich also offensichtlich bereits jetzt eingestellt. Wir sind definitiv im Vorbereitungsendspurt angekommen.

Missgeschick des Gegners

Ich versuche weiterhin, pro Woche drei Trainingseinheiten zu absolvieren. Zwei davon laufe ich zwischen 10 und 15 km bei einer Herzfrequenz von 140 bpm. Die dritte Einheit ist entweder länger, 16 bis 20 km, oder aber ich plane ein sogenanntes extensives Intervalltraining ein. Dieses ist gemäss dem hervorragenden Onlineportal Lauftipps.ch für Hobbyläufer besser geeignet als das intensive Intervalltraining.

Am 16. September gilt es Ernst für Marc Jäggi.

Die Pausen zwischen den Belastungen sind beim extensiven Intervalltraining relativ kurz, weshalb das Lauftempo im Vergleich zum intensiven Intervalltraining langsamer gewählt wird. Das Tempo während der Belastungen ist etwas schneller als das angestrebte Wettkampftempo. Auch wird bei dieser Form des Intervalltrainings unterhalb der anaeroben Schwelle trainiert. Ziel ist es, die aerobe Leistungsfähigkeit und Kapazität zu steigern. In den Pausen zwischen den Belastungen soll die Pulsfrequenz auf 120 bis 140 Schläge fallen, bevor eine erneute Belastung folgt.

Gegner Peter Wick übrigens hat sich nach einer leichten Oberschenkelzerrung beim Tennis nun auch noch den Knöchel gestaucht. Beim Gleitschirmfliegen. (Eigentlich auf dem Fussmarsch zu einem Tandemflug. Da dies aber weit weniger heldenhaft tönen würde, lassen wir dieses Detail weg.) Wick und sein Arzt sind aber zuversichtlich, dass der Wetterfrosch pünktlich zum Vorbereitungsendspurt wieder ordentlich hüpfen und den sportbiografiebedingten Leistungsvorsprung auf mich locker über die Ziellinie retten kann. Wir werden in meiner letzten Kolumne hier im Outdoor-Blog, kurz nach dem Halbmarathon am 16. September, genau wissen, wer wie und ob überhaupt heil in Uster angekommen ist und sich ZKB-Running-Challenge-Sieger nennen darf.

Ein besserer Genussmensch

Zum Schluss dieser zweitletzten Kolumne will ich jene Frage beantworten, die mir am meisten von Genussmenschen mit Hang zu Bewegungsmangel gestellt wurde: Hat sich durch das Lauftraining in deinem Leben etwas verändert? Ja. Definitiv.

  • Nach siebenmonatigem Lauftraining ist mein leichter Bluthochdruck auf ein akzeptables Niveau zurückgegangen.
  • Mein Schlaf ist definitiv besser und erholsamer.
  • Gelegentliche Kopfschmerzen sind ganz verschwunden.
  • Jede Grippe- und Erkältungswelle seit Februar ist spurlos an mir vorbeigegangen.
  • Ich habe den Wechsel der Jahreszeiten so intensiv wahrgenommen wie noch nie.
  • Ein paar Pfunde sind gepurzelt, obwohl ich die Ernährung (leider) nicht angepasst habe. (Clevere Esser verlieren schnell ein paar Kilos durchs Training.)
  • Während des Laufens kamen mir die besten Ideen.
  • Es hat sich ein Gefühl für den eigenen Körper eingestellt.

Mein Fazit kurz vor dem Ende der Running Challenge: Der Genussmensch ist Genussmensch geblieben. Es sind einfach pro Woche noch zwei bis drei Laufeinheiten dazugekommen. Ich bin quasi ein besserer Genussmensch geworden. Und will es bleiben. Wir lesen uns nach dem Greifenseelauf. Jetzt freue ich mich.

6 Kommentare zu «Endspurt»

  • Beni sagt:

    Frage an die Lauffreunde: ist das gut wie der linke Fuss abknickt? Ich denke nicht.

    • Thomas sagt:

      Der Boden ist uneben. Mach dir keine Sorgen :)

    • Peter Balzer sagt:

      @ Beni;

      Habe dasselbe gedacht, da wäre vermutlich ein anderer Schuh gefragt, ansonsten kommt es spätestens mittelfristig zu Gelenkproblemen, was auch im Knie stattfinden kann.

      So oder so, eine korrekte Laufstilanalyse und, je nachdem, eine Einlagesohle würden sicherlich nicht schaden, auch bei extensiven Trainingseinheiten und gemächlicherem Tempo

  • Michi sagt:

    Sie haben begriffen, worum es beim Sport geht und der innere Schweinehund ist besiegt. Geniessen Sie den Halbmarathon, das Resultat ist völlig irrelevant.

  • Roland K. Moser sagt:

    ich staune!
    Da trainiert doch tatsächlich einer Grundlagen-Ausdauer und hypert nicht einfach rum.
    Es ist das Grundlagen-Ausdauer-Training, welches die positiven Auswirkungen bewirkt.

  • Doris sagt:

    Eben höre ich die von Ihnen moderierte Morgensendung und freue mich nun beim Lesen des Blogs, dass Sie ein positives Fazit ziehen können nach Monaten des Trainings. Erkältungen im Winter gehören bei mir auch der Vergangenheit an, seitdem ich jeden Morgen bei jedem Wetter vor dem Frühstück meine Laufstunde absolviere. Toitoi also am 16. September.

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