Wie in Schottland

Diese Woche von Melchsee-Frutt zur Engstlenalp (OW/BE)

  • Blick aus der Melchsee-Gondel hinab zur Talstation Stöckalp.

  • Auf Melchsee-Frutt.

  • Linksseitig halten wir am Melchsee vorwärts.

  • Der Panoramalift – nicht verpassen, von oben ist die Sicht noch besser.

  • Voilà!

  • Kurz darauf erreichen wir die Fruttkapelle.

  • Wir könnten auch fahren.

  • Die Staumauer des Tannensees.

  • Im Zwielicht wird der Tannensee mystisch.

  • Weit vorn sehen wir den Engstlensee (in dieser Wanderung besuchen wir ihn nicht).

  • Tannalp: Restaurant und Kapelle.

  • Die zweite, kürzere Etappe ist eine Bergwanderung.

  • Die Schlüsselstelle bei der Spycherflue: Man gehe vorsichtig!

  • Rückblick auf die heikle Stelle.

  • Engstlengebiet voraus.

  • Hier gibt es zu essen, hier gibt es einen Bus hinab nach Meiringen: Engstlenalp.

Als ich auf Melchsee-Frutt wanderte, war das Wetter durchzogen. Schwer hingen die Wolken, die Sonne stach durch, alsbald schlossen sich die Wolken wieder, es war ein Hin und Her von Licht und Schatten. Die Gegend am Tannensee kam mir vor wie Schottland, dunkelgrün lagen die Matten, und aus den finsteren Wassern hätte jederzeit ein Ungeheuer das Haupt recken können. Auch eine keltische Maid mit Harfe hätte gepasst. Mystisch war die Stimmung.

Dabei handelt es sich bei Melchsee-Frutt um ein grosses Skigebiet; vor allem der Boden um den Melchsee ist ziemlich wild bebaut. Ich stellte das fest, als ich aus der Gondel stieg, die mich von der Stöckalp hochgetragen hatte; sie wiederum hatte ich per Bus ab Sarnen erreicht. Und wieder einmal dachte ich, dass ich zu dem noch neuen Luxushotel Frutt Lodge & Spa eine klare Meinung habe. Mir gefällt die geometrische Schuhschachtel. Sie bringt Ruhe in die Szenerie.

Toll, ein Panoramalift

Nördlich des Melchsees zog ich vorwärts, genoss die Berge rundum, erinnerte mich an eine Tour aufs nahe Balmeregghorn. Apropos: Wem meine Wanderung zur Tannalp und Engstlenalp zu kurz ist, der kann den Weg zur Tannalp verlängern, indem er nach dem Melchsee rechts abbiegt, auf das Balmeregghorn steigt und via Erzegg zur Tannalp absteigt, wonach er wieder auf meiner Route ist; er braucht anderthalb Stunden mehr.

Mir war die Kurzvariante lieber, es roch nach Regen. Noch am Melchsee begeisterte mich am Weg der Panoramalift. Er lupft einen 32 Meter in die Höhe, oben ist der Blick auf das Plateau und die Gipfel rundum noch schöner. Angesichts der nahen Fruttkapelle beschloss ich nun, mir diese anzuschauen und danach auf dem Fahrsträsschen zum Tannensee zu gehen, parallel zum Wanderweg nördlich im Hang.

Tschutschu

Die Kapelle, robust gemauert, steht auf einem Landvorsprung im Melchsee, ich liebte sie sehr. Nach längerem Verweilen ging ich hinüber zum Tannensee; der Fruttli-Zug überholte mich einmal, ein Nahverkehrsmittel im Tschutschu-Look, das Kinder ebenso froh macht wie müde Wanderer. Es verbindet beide Seen.

Der Tannensee wirkte, als läge er seit Urzeiten da, Stausee hin oder her. Noch bevor ich auf der Tannalp anlangte, sah ich weit hinten über der Engstlenalp, meinem Wanderziel, den Engstlensee – auch er ist schön. Auf der Tannalp trank ich im Restaurant Kaffee, die Bedienung war ungemein freundlich, viel Volk hatte es nicht. Gleich neben dem Restaurant stand schon wieder eine Kapelle, auch die besuchte ich.

Tod eines Managers

Und dann hielt ich hinüber in den Kanton Bern. Der Pfad zur Engstlenalp führt durch die Spycherflue. Dort verunglückte vor Jahren ein Manager auf dem Bike tödlich, der mit einer Gruppe unterwegs gewesen war; der Vorfall machte Schlagzeilen. Rechterhand stürzte das Gelände über eine Felsnase tief Richtung Gental ab, ich ging vorsichtig, war froh um die Kette am heikelsten Ort.

Danach wurde alles wieder lieblich, auf der Engstlenalp weideten die Kühe, souverän stand das alte Hotel vor der Bergkulisse. Ich kehrte ein, nahm einen Kaffee und musste mir keine Sorgen machen, den Bus nach Meiringen zu verpassen. Am Nebentisch nämlich sass der Chauffeur und trank ebenfalls Kaffee – bis es Zeit wurde für die Talfahrt. Die fand im Nieselregen statt.

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Route: Melchsee-Frutt, Bergstation der Gondel ab Stöckalp (Bus ab Bahnhof Sarnen) – Panoramalift – Fruttkapelle – Distelboden – Tannensee, Südseite – Tannalp – Pfad durch die Spycherflue – Engstlenalp, Hotel und Bus.

Wanderzeit: 2 Stunden.

Höhendifferenz: 151 Meter auf-, 241 abwärts.

Wanderkarte: 255 T Sustenpass, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Längere Variante: Melchsee-Frutt, Bergstation Gondel – Panoramalift – Fruttkapelle – Balmeregghorn – Erzegg – Tannalp und weiter wie bei der Hauptvariante via Spycherflue zur Engstlenalp.  3½ Stunden, 459 Meter aufwärts, 552 abwärts. Hier die GPX-Datei.

Retour: Bus von der Engstlenalp nach Meiringen.

Ausflugstipp: Bei der Haltestelle «Aareschlucht, Ost» aus dem Bus von der Engstlenalp her aussteigen und die Aareschlucht begehen (touristische Einrichtung mit Eintritt, sichere Wege und Stege, ein Vergnügen für die ganze Familie). Hernach weiter nach Meiringen. Ganze Unternehmung: 2 Stunden.

Charakter: Die Hauptvariante ist bis zur Tannalp ein Spaziergang. Danach eine Bergwanderung, die Trittsicherheit verlangt; für Leute mit intensivem Schwindelgefühl ungeeignet. Die längere Variante ist schon im ersten Teil eine Bergwanderung und wesentlich anstrengender.

Höhepunkte: Der Panoramalift am Melchsee. Der wunderschöne Tannensee. Die wilde Passage durch die Spycherflue. Der Anblick des imposanten Hotels auf der Engstlenalp.

Kinder: Vorsicht im Gebiet Spycherflue!

Hund: Gute Länge, schwimmen kann er auch.

Einkehr: Unter anderem Tannalp und Engstlenalp. Tannalp, Sommersaison bis 22. Oktober. Engstlenalp, Bus vor dem Haus, Saison bis Ende Oktober.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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3 Kommentare zu «Wie in Schottland»

  • chaeppi sagt:

    Die Wanderung ist höchstens an Wochentagen, bei Schlechtwetter oder für Anfänger zu empfehlen. Ansonsten: Überlaufen, übertourisiertes Disneyland (Melchsee), ziemlich banale Landschaft. Noch schlimmer ist’s nur noch auf der Engelberger Seite. Die Engstlenalp soll ein Kraftort sein, das muss aber lange her sein.

    Wenn schon in dieser Gegend, dann Seefeldsee, Aelggi-Alp.

    • Werner Holliger sagt:

      Leider muss ich Ihnen zum grössten Teil Recht geben – über die Landschaft kann man geteilter Meinung sein, aber als ich den Lift zum ersten Mal sah fragte ich mich schon, ob die Bewilligungsbehörde total betrunken war, als sie die Erlaubnis für dieses Ding erteilte…

  • Heinz Blaser sagt:

    Von Ihnen als Hardcore-Wanderer hätte ich aber – wenn schon in der Gegend – die 4-Seen-Wanderung erwartet, die via Jochpass nach Engelberg führt. Mit wenig mehr Aufwand – der Jochpass ist nicht allzu streng, und danach gäbe es ja die Seilbahnen Richtung Engelberg – hätte es noch ein paar herrliche Aussichten zum Geniessen gegeben.
    Und der ÖV ab Engelberg ist auch etwas ausgereifter als ab Engstlenalp

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