Geheimwaffe Laktatstufentest

Outdoor

Das Ziel Greifenseelauf vor Augen: Der Autor beim Training unweit des Flughafens Zürich. Foto: Urs Jaudas

Friendly Reminder: Wettergazelle Peter Wick und meine Wenigkeit repräsentieren die unterste Kaste der Breitensportler. Wir stehen für Genussmenschen, die zufälligerweise eingesehen haben, dass morgendliches Aufstehen allein nicht genügt, um würdig zu altern, und deshalb das Experiment «Running Challenge» lanciert haben. Ambitionierte Läuferinnen und Läufer mögen uns deshalb verzeihen, wenn wir auch bei höchst gewöhnlichen Leistungen in eine kindliche Euphorie verfallen und uns ausgelassen mit isotonischen Getränken zuprosten.

Eine Nachricht vom Konkurrenten. Er meint es ernst.

Einen solch magischen Moment hat kürzlich Peter Wick kreiert. Läuft der Langbeiner doch tatsächlich während einer Trainingseinheit 21,1 km! Halbmarathondistanz! Er hat dafür sensationelle (Genussmensch-Skala) 2 Stunden 12 Minuten und 25 Sekunden gebraucht. Das Ganze bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz von 155 Schlägen pro Minute. Beeindruckend. Bravo. Applaus. Und damit genug der Ehre für den Running-Challenge-Gegner aus Eglisau. Erstens bekommen wir immer wieder Mails von Radio-1-Hörerinnen und -Hörern, die uns mit noch viel besseren Zeiten und Leistungen beeindrucken, und zweitens kann ich mein Training dank einem Laktatstufentest nun dermassen exakt gestalten, dass dem Wetter-Peter das selbstsichere Lächeln eines Favoriten bald vergehen wird.

Der Sportarzt, der selber Sportler ist

Sportarzt Dr. med. Rubén Oliver von Medbase Winterthur hat mich bei meinem Laktatstufentest begleitet. Der Test dient zur Bestimmung der momentanen Ausdauerleistungsfähigkeit und Analyse der individuellen anaeroben Schwelle. Mit diesen Ergebnissen kann man im Anschluss die effektivsten und zeitökonomischsten Trainingseinheiten definieren und planen. Ich empfehle den Test. Auch für Genussmenschen. Er kostet rund 250 Franken.

Ausgerüstet mit Laufbekleidung und ausgefülltem Fragebogen bin ich zum vereinbarten Zeitpunkt bei Dr. Oliver eingetroffen. Ein Sportarzt, wie man ihn sich wünscht: aufgestellt, ruhig, interessiert und jederzeit souverän. Er nimmt sich Zeit, stellt und beantwortet Fragen und erklärt Sinn und Ablauf des Tests. Rubén Oliver ist selber ein erfolgreicher Läufer und kennt sich aus eigenen Erfahrungen in allen Laufdisziplinen hervorragend aus. Seine Expertise ist auch bei Spitzenathleten beliebt und gefragt. Nach seinen Ausführungen geht es gemeinsam in einen kleinen, kargen Raum mit Laufband, Pult und Rollkorpus. Ich werde mit einem Pulsgurt ausgerüstet, es folgt eine rund zehnminütige, lockere Aufwärmphase, dann beginnt der eigentliche Test.

Fix und fertig

Geschwindigkeitsstufe 1: Einigermassen langsam beginnt das Band unter meinen Füssen zu laufen. Für drei Minuten, danach folgt eine 30-sekündige Pause für die Blutabnahme am Mittelfinger (bei mir dank täglichem Einsatz im Strassenverkehr bestens durchblutet). Geschwindigkeitsstufe 2, Pause, Blutabnahme. Geschwindigkeitsstufe 3, Pause, Blutabnahme und so weiter. Kurz vor dem Ende einer jeden Stufe fragt mich Rubén Oliver nach meiner Befindlichkeit. Der Arzt notiert meine Aussagen. Diese werden nach Abschluss des Tests zusammen mit den Blutwerten vom Rechner verarbeitet und analysiert. Der Laktatstufentest ist fertig, wenn Sie es auch sind. Fix und fertig. Mehr geht wirklich nicht. Duschen. Anziehen und zur Schlussbesprechung im Arztbüro antraben (anschleppen).

Der Test hat vom Autor das Äusserste abverlangt.

Anhand der Laktatkurve kann Oliver jetzt die individuelle anaerobe Schwelle bestimmen und so feststellen, bis zu welcher Belastung die Trainingsintensität gehalten werden kann, ohne dass es zur Übersäuerung des Organismus kommt. Die Learnings für mich sind:

● Meine Schwelle liegt bei 163 Herzschlägen pro Minute.
● 60 bis 80 Prozent der Trainingszeit absolviere ich mit 125 bis 140 Herzschlägen pro Minute.
● Mein Training wird massiv langsamer und ich dadurch – hoffentlich – massiv schneller.

Hat nicht mein Coach Pia Wertheimer schon immer gesagt: «Langsamer! Der Puls ist zu hoch!»? Wie konnte ich das nur überhören? Sie hat was gut bei mir.

Alle Folgen der Running Challenge finden Sie hier. Über seine Running Challenge berichtet Marc Jäggi zudem immer mittwochs um 7.35 Uhr auf Radio 1 (93.6 oder DAB+).

4 Kommentare zu «Geheimwaffe Laktatstufentest»

  • Andi Neukomm sagt:

    Meine Geheimwaffe für Marc: 10 Kilo weniger.
    Ich bin noch NIE nach Puls gelaufen.
    Sondern nach Lust und Laune.
    Viel Vergnügen.

  • Schneckenpost sagt:

    Tut der Seele bestimmt gut, mit zusätzlichen sportlichen Informationen ausgemustert zu sein. Zweifle da doch sehr. Weiss aber auch, dass viele Leute Fakten brauchen um das Gute definitiv zu erleben.

  • Kahnau sagt:

    Alle Tests können Sie sich sparen. Langsamer (Pace 6+ vielleicht 10 – egal), öfter (3x die Woche), und nicht unter einer Stunde. Später (je nach Fitness 6-12 Monate später) dann 1 x langsam, dann 1 x schnell und immer so, dass der nächste Lauf nicht als Qual wahrgenommen wird, denn Eigenmotivation ist Alles. Ziel setzen : Stadtlauf z.B. Ein wenig bergauf und bergab bringt viel. Einzigste Investition : Richtig guter Schuh kostet Fr. 200,– (+) und ist nach 6 Monaten auszuwechseln. Lassen Sie alle Pulsuhren etc zu Hause . Los gehts, wenn es Sie packt, dann erreichen Sie alles. Jungfraumarathon oder Berlin ? Unvergesslich.

    • Stephan Hunziker sagt:

      Interessant! Ich laufe seit ein paar Jahre mehr oder weniger bewusst nach diesem Motto: Das Absolvieren des nächsten Volkslaufs mit Genuss ist die Zielsetzung; ich wohne in einer hügeligen Gegend mit „eingebautem“ Intervallprogramm, die langsamen, flachen Teile muss ich bewusst suchen und daher auch bewusst langsam ablaufen; Schuhe habe ich drei verschiedene Paare, zur Abwechslung; und seit ich vor zwei Jahren vor einem Volkslauf die Pulsuhr zuhause vergessen hatte, laufe ich ohne Uhr. Ich habe mich daran gewöhnt, besser auf meinen Körper zu hören.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.