Wie Schneewittchens Zwerge

Diese Woche zum und ins Bergwerk Käpfnach bei Horgen (ZH)

  • Zürich, Schifflände Bürkliplatz, es lebe der öffentliche Verkehr.

  • Auf dem Schiff.

  • Schifflände Horgen, Blick zur Sust (weiss, Mitte), der historischen Umladestation

  • Ade Schiff, wir hattens gut auf dir.

  • Horgen, Seestrasse 279; hier beginnen die Führungen.

  • Fliesse schneller, Zeit, wir wollen los.

  • Unsere Lok.

  • Wir sind aufgereiht, es geht los.

  • Einfahrt.

  • Als Tourist hat man sicher mehr Spass als einst der Bergmann.

  • Unser Führer.

  • Wand mit Kohle-Einlagerungen.

  • Der Stollenplan.

  • Überall gibt es noch Spuren des einstigen Abbaus.

  • Der Herr in der Mitte ist natürlich eine Puppe.

  • Wir fahren retour, es werde Licht.

  • Zum Schluss das Motto am Stolleneingang.

Hintereinander aufgereiht zuckeln wir auf den offenen Wägeli in den Berg. Eng ist der Tunnel, tief hängt die Decke; wir sind froh um unsere Helme in Gelb und Rot, die wir am Eingang gefasst haben. Die Besichtigung des stillgelegten Kohlebergwerks von Käpfnach bei Horgen ist ein Abenteuer.

Mit der Schifffahrt von Zürich nach Horgen hat der Ausflug begonnen. Immer wieder schön, bei der Schifflände Bürkliplatz loszureisen. Ein Kaffee stimmt uns ein auf den heroischen Ritt in den Berg.

Wo Willi wohnte

Da wir etwas früh dran sind, schauen wir uns in Horgen kurz noch um. Ich zeige den anderen das Haus Alte Landstrasse 10 bei der Kirche. In der Wand steckt eine Kanonenkugel. Hier wohnte der Schuhmacher Jakob Willi, Kommandant der «gerechtigkeitsbegehrenden Truppen» im Bockenkrieg 1804. Der Aufstand der Landbevölkerung wurde schnell niedergeschlagen, Willi mit 32 Jahren hingerichtet.

Später ziehen wir auf dem Wanderweg den See entlang Richtung Käpfnach. Zwei Punkte sind bemerkenswert: Erstens die Sust, der alte Umschlagplatz von 1558. Jahrhundertelang war dies ein wichtiger Ort im Handelsverkehr über den Gotthard; auf der Etappe Zürich–Horgen beförderten Schiffe die Ware, danach übernahmen Tragtiere.

Ein gewitzter Deutscher

Zweitens passieren wir bald darauf Horgens Autoquai mit der Fähre hinüber nach Meilen. Kurz vor Käpfnach verlassen wir dann den Wanderweg, gehen hinauf zur Seestrasse, halten ein wenig retour. Wir möchten zu Haus Nr. 279, dem Bergwerkseingang Rotwegstollen. Dort stehen schon einige Leute. Wir haben Samstag, dies ist der Tag für alle, die unangemeldet als Einzelne oder Familien in den Berg wollen; mein Grüppli ist ja auch irgendwie eine Familie.

Bald fahren wir per Bergwerkszügli in den Stollen und fühlen uns wie Schneewittchens Zwerge. Zuvorderst sitzt unserer Führer, ein Deutscher, humorvoll und kompetent, er begeistert auch die quecksilbrigen Kinder. Hier ein paar seiner Fakten: Das Kohleflöz von Käpfnach war schon im Mittelalter bekannt, weil die Kohle im nahen Aabach-Tobel zutage tritt. Im Ancien Régime begann man abzubauen, mit Unterbrüchen währte die Förderung bis 1910. Auch in den beiden Weltkriegen, als Braunkohle begehrt war, schürfte man.

Käpfnachs Kohle stank

Wir steigen aus und folgen dem Führer in einen Nebenstollen. Am Boden Geröll. Staubige Loren zeugen von der einstigen Arbeit; sie war brutal hart, die Bergleute zwängten sich in schmale Schlitze und pickelten in Liegendposition. Eine Puppe verkörpert stilecht den Berufsmann von einst.

Käpfnachs Kohle, übrigens, war nicht besonders gut – hoher Schwefelanteil, sie stank beim Verbrennen und heizte mässig. 1947 war endgültig Schluss mit dem Abbau; heutzutage kümmert sich ein Verein um die Anlagen, ihren Erhalt, die touristische Erschliessung.

Die Anschlussroute nach Hirzel

Als wir das Kohlebergwerk verlassen, das grösste seiner Art in der Schweiz, sind wir beeindruckt. Wir könnten nun das nahe Aabach-Tobel hinaufziehen und Hirzel anpeilen; wer eine wanderliche Fortsetzung sucht, ist mit der Zweieinviertel-Stunden-Route bestens bedient.

Unsereins bleibt der Gemächlichkeit des Tages treu, geht zurück nach Horgen, was wieder 30 Minuten dauert, und nimmt noch einmal das Schiff. Das Gesprächsthema während der Passage retour ist gesetzt: der Bergbau, seine Härten, seine Faszination.

Route: Auf dem Wanderweg von der Schifflände Horgen (oder dem Bahnhof gleich gegenüber) via Sust und Autoquai zum Horgner Ortsteil Käpfnach und zur Horgner Seestrasse 279. Dort beginnen und enden die Führungen.

Wanderzeit: 30 Minuten Schlenderei. Plus ebenso viel für die, die auf demselben Weg zurückgehen.

Verlängerung: Von Käpfnach durch das Tobel des Aabaches (spektakuläre Treppe ganz hinten) und via Arn, Harüti, Höchi hinauf nach Hirzel in zusätzlichen 130 Minuten. Lohnend nicht zuletzt wegen des Zürichsee-Blicks.

Wanderkarte: 225 T Zürich, 1:50’000.

GPX-Datei Horgen – Käpfnach: Hier downloaden.

GPX-Datei Verlängerung Käpfnach – Hirzel: Hier downloaden.

Bergwerk Käpfnach: Die Führungen ins Bergwerk beginnen und enden an der Seestrasse 279. Öffentliche Führungen von April bis Ende November jeweils am Samstagnachmittag von 13 bis 16 Uhr 30 für Einzelpersonen und Familien. Gruppen können zu anderen Zeiten eine Führung buchen, Telefon 044 725 39 35.

Charakter: Zuerst eine Schifffahrt von Zürich nach Horgen als Einstimmung. Dann der Spaziergang zum Stolleneingang. Und dann die Fahrt in den Berg. Perfekt für Familien.

Höhepunkte: Immer wieder: Schiff und See. Das Platznehmen auf den Wägeli des Bergwerkszügleins. Die Einfahrt in den Berg. Der Besuch beim Bergmann an der Arbeit im Seitenstollen (natürlich eine Puppe).

Kinder: Sind in der Regel begeistert.

Einkehr: Im Bergwerkshop beim Eingang kann man etwas trinken. Ansonsten viele Lokale in Horgen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

++

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.