Auf in den Viren-Kampf!

Den Viren davonlaufen: Richtiges Lauftraining mit funktionaler Kleidung stärkt die Abwehrkräfte. (iStock)

Sie sind klein, hinterhältig, trickreich und bringen derzeit gestandene Männer und zähe Frauen massenweise zur Strecke. Die Viren haben Hochkonjunktur. Und laut Bundesamt für Gesundheit sind sie noch lange nicht mit uns fertig – ihr Sturmlauf dauert offenbar noch ein ganzes Weilchen an. Was nun?

An eine Flucht ist nicht zu denken, denn die gemeinen Käferchen lauern überall! Ihnen aus dem Weg zu gehen, ist Sisyphusarbeit in reinster Form. Am Morgen im überfüllten Zug schleudern sie die Pendler von Abteil zu Abteil, im Grossraumbüro reicht sie der angeschlagene Kollege an sämtliche Sitzungsteilnehmer weiter, in der Kantine gibt es für sie in der Warteschlange keine Schranken und im Kino kennen die kaltblütigen Viechlein noch weniger Pardon als Hans Landa im Tarantino-Streifen «Inglourious Basterds». Totstellen, mich in den eigenen vier Wänden verschanzen, ausschliesslich über digitale Kanäle und Telefon kommunizieren und Homeoffice beantragen – das ist für mich als menschenliebender Bewegungssuchti keine gesunde Option.

Fiese Viecher auf der Lauer

In «Sport-Rüstung» gegen die Virenarmee. (iStock)

Es heisst also: Auf in den Viren-Kampf! Genau dieser Bewegungsdrang, der mich in einer Quarantäne verrückt werden liesse, entpuppt sich in diesem Krieg als wertvolle Waffe – sofern ich sie richtig nutze. Ein moderates Training – am besten an der frischen (nicht eisigen) Luft und mit der Sonne im Gesicht – stählt nämlich grundsätzlich meine Abwehrkräfte. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, denn auch hier warten die fiesen Viecher auf ihre Chance: «Unmittelbar nach dem Training besteht eine sogenannte Open-Window-Phase, in der man besonders für Infekte anfällig ist», warnt Sportarzt und Lauftrainer Rubén Oliver. Je nach Intensität der Belastung dauere dieser Zustand mehrere Stunden oder gar länger an. Er empfiehlt als «Sport-Rüstung» gegen die Virenarmee ausreichend warme, funktionelle Kleidung, die den Schweiss schnell abtransportiert und den Körper atmen lässt. Der Arzt legt dabei besonderen Wert auf die Kopfbedeckung – des Teufels für eitle Geister, verhindert sie aber bedeutenden Wärmeverlust. Und an dieser Stelle ein kleiner Tipp von Frau zu Frau: Viele Artikelhersteller vergessen, dass wir auch im Winter beim Sport unsere Haare zum Pferdeschwanz binden.

Unter den Mützen und Kapuzen sind die schweissigen Strähnen nicht nur unangenehm, sondern spielen auch den Viren in die Hände. Beim Kauf genau hinschauen lohnt sich aber trotzdem: Denn es gibt Mützen mit einem kleinen Loch, durch den wir den Zopf ziehen können. So oder so: «Nach dem Training sollte innert Minuten die verschwitzte Sportbekleidung durch trockene Kleider ersetzt werden», mahnt Oliver. Seinen Körper wappne der Bewegungsmensch aber auch durch eine ausgewogene, kohlenhydratreiche Ernährung mit ausreichend Proteinen. Der Arzt hat zudem gute Nachrichten für alle Murmeltier-Menschen: Genügend körperliche Erholung und Schlaf sind weitere wichtige Faktoren, um gesund durch den Winter zu kommen.

Appell an die Vernunft

Aber auch wenn sich die Viren & Co bereits breitmachen, muss der Bewegungsmensch noch lange nicht kapitulieren. Im Gegenteil, ein sanft angekurbeltes Immunsystem könnte das Blatt im letzten Moment wenden. Der laufende Arzt weiss: «Bei Erkältungssymptomen ohne Fieber und gutem Allgemeinbefinden ist ein angepasstes Training bis zu einer Stunde möglich.» Unabdingbar ist ein lockeres Aufwärmen von mindestens zehn Minuten. Er appelliert aber an die Vernunft: «Bei einer starken Zunahme der Symptome wie Husten oder Schleim das Training abbrechen!» Fieber bedeutet indes ein absolutes Sportverbot, wobei auch beim Wiedereinstieg Vorsicht geboten ist: «Wie auch zum Arbeitseinstieg sollte man nach einem Infekt mit Fieber den Körper mindestens einen fieberfreien Tag lang schonen und ihm so die nötige Erholung geben.»

Rubén Olivers Sportempfehlungen bei anderen gängigen Gebrechen:

Eine Magen-Darm-Grippe schwächt den Körper extrem durch den Verlust von Elektrolyten und der schlechten Aufnahme von Nährstoffen. Darum macht mit Magen-Darm-Grippe-Symptomen ein Training im Ausdauer-, aber auch im Kraftbereich keinen Sinn. Es soll erst bei vollständiger Erholung und komplettem Wohlbefinden wieder aufgenommen werden. Bei leichtem Durchfall gegen Ende der Erkrankung kann – allerdings nur unter genügender Flüssigkeits- und Salzeinnahme – ein lockeres Training ins Auge gefasst werden.

Bei Migräne oder Kopfschmerzen kommt es ganz auf die Art der Bewegung und des Trainings an. In der Regel verstärkt intensives Training den Kopfschmerz, während lockeres Lauftraining im Freien oder auch Yoga die Beschwerden lindern und beim Entspannen helfen kann.

Beliebte Blogbeiträge