Eine Freundin namens Murg

Diese Woche von Aadorf via Matzingen nach Frauenfeld (TG)

Einige Zeit ist vergangen, seit wir diese Wanderung machten. Doch als ich kürzlich die Liste der vielen Routen musterte, die ich in der Zeitung und im Blog präsentieren könnte, und mich zerquälte, welche die nächste sein würde – da dachte ich: diese! Weil sie so abwechslungsreich ist und wir so viel sahen.

Start ist in Aadorf. Die Lützelmurg, die kleine Murg also – «lützel» entspricht dem englischen «little» – geleitet uns stilvoll aus dem Ort. Bald sind wir in jenem Typ Landschaft, den man mit dem Kanton Thurgau verbindet: weite Felder und Wälder, Bauernland mit dem einen oder anderen Silo.

Wie aus dem Mittelalter

Aawangen überrascht uns, ein Dörflein mit Kirche und Burg, wie aus dem Mittelalter liegen geblieben. Dann sehr neuzeitlich die Autobahn, das Riederholz, Matzingen; wir erreichen somit die Murg, in der die Lützelmurg sich vor unseren Augen auflöst. Wir könnten in Matzingen etwas trinken, doch bereits lockt uns der Sonnenberg mit dem Schloss obenauf. Auch das ist Thurgau: Höhenzüge, mal lang, mal etwas weniger lang, manche davon mit einem Adelssitz.

Durchs flache Land gehen wir von Matzingen nach Stettfurt und machen uns an den Sonnenberg. Oben stellen wir fest, dass das Schloss Privatbesitz ist. Aber man kann doch ausserhalb an die Mauer treten und ins Land blicken. Unter uns ein Flickenteppich aus Äckern und Waldstücken in den Pastellfarben des Winters. Und dahinter der ewige Riegel des Säntis und daneben die Churfirsten wie die Zähne eines Nagetiers.

Bahas Hochsitz

Schloss Sonnenberg gehörte einst dem Kloster Einsiedeln, heute aber dem österreichischen Grossinvestor und Multimillionär Christian Baha. Seit längerem wird es umgebaut, die Denkmalpflege redet kräftig mit, diesen Sommer gab es eine Orientierung, an der man vernahm: Wenn fertig renoviert ist, soll es im Schloss auch wieder ein Restaurant geben.

Wir nehmen vom Schloss das Zufahrtssträsschen und gelangen so hinab zum Freudenberg; wären wir auf dem Wanderweg gegangen, hätten wir unten im Chöll ein kleines Stück südlich gehen müssen, um besagten Freudenberg zu erreichen. Dort finden wir die Landbeiz gleichen Namens vor, in der man gern einkehrt, gut bedient wird, bestens isst. Man kommt also auch ohne Schlossrestaurant zurecht.

Hausberg mit Turm

Satt und matt verlassen wir anderthalb Stunden später das Haus, nun geht es in die zweite Etappe, die allerdings kürzer ist als die erste. Wir begeben uns in den Wald um den Tuenbach, steigen wieder auf. Erneut zeigt sich ein empfehlenswertes Restaurant. Es heisst wie der Turm darüber: Stählibuck.

Der Stählibuck, das ist Frauenfelds Hausberg. Und er hat wie die meisten Hausberge einen Turm. Baujahr 1908, Stahl, 27 Meter hoch, 148 Stufen. Im Aufstieg schwitzen wir, und oben frieren wir im jahreszeitlichen Biswind. Aber der Rundblick ist berauschend: erneut die nahen Alpen, dazu der Seerücken und die endlose Wanne der Thur.

Der Rest wird uns leicht, ohnehin haben wir das Bauch-voll-Gefühl schon weggewandert. Noch einmal gibt es eine Portion Natur auf dem Weg das Mülitöbeli entlang hinab nach Frauenfeld. Dort finden wir die Murg wieder, die wir in Matzingen trafen. Sie ist uns am Ende der Wanderung eine gute Freundin geworden samt ihrer kleineren Schwester.
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Route: Aadorf, Bahnhof – ARA – Langwies – Aawangen – Laubegg – Matzingen – Stettfurt – Sonnenberg – Freudenberg – Chöll – Stählibuck – Vorderi Egg – Frauenfeld, Bahnhof.

Wanderzeit: 5 Stunden.

Höhendifferenz: 381 Meter auf-, 505 abwärts.

Wanderkarte: 216 T Frauenfeld, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Jederzeit kürzbar dank den Bushaltestellen in den Dörfern. Auch bei den Restaurants Freudenberg und Stählibuck gibt es Haltestellen.

Charakter: Weites Land, dazwischen ab und zu ein Minitobel. Sowie der Aufstieg zum Sonnenberg über Stettfurt.

Höhepunkte: Gleich zu Beginn der Weg an der Lützelberg. Der Blick weit ins Land vom Sonnenberg und etwas später vom Stählibuckturm.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: In den Dörfern. Freudenberg bei Stettfurt, Restaurant Freudenberg, Mo/Di Ruhetag. Stählibuck unterhalb des Turms am Wanderweg, durchgehend offen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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