Meine neuen Freunde

Das beste aus beiden Welten: Läuferin mit Hund am Headwaters Ultramarathon in Kalifornien. Foto: Sean Jeter (Flickr)

Das Beste aus beiden Welten: Läuferin mit Hund am Headwaters-Ultramarathon in Kalifornien. Foto: Sean Jeter (Flickr)

Es ist ein Grundsatz der Evolution, ein Sachzwang der Zivilisation – eine natürlich gewachsene Aversion. Das Verhältnis zwischen Joggern und Hunden, zwischen Kilometerfressern und Wadenbeissern. Sie können nicht miteinander, sie wollen nicht miteinander. Aber manchmal müssen sie miteinander. Denn die Schweiz ist zu klein, um sich permanent links liegen zu lassen.

Das muss weder schlimm noch gesundheitsgefährdend sein. Im Gegenteil: Gelassenheit und Toleranz können neue Horizonte eröffnen und den Freundeskreis vergrössern. Hunde eignen sich nämlich besser als Integrationsfaktor als sämtliche Sozialtherapien, Partnerschaftsvermittlungen und Speed-Dating-Veranstaltungen.

Gemeinsame Feindbilder

Allein die gesellschaftliche Ausgangslage ist optimal: Jogger und Hundebesitzer verbindet weit mehr als erwartet. Beide Spezies sind naturverbunden, bewegungsfreudig, lassen sich weder von einem Platzregen noch von Sturmböen von ihrem Tun abbringen – und sind rund um die Uhr unterwegs: sieben Tage pro Woche, von Januar bis Dezember – selbst in Schaltjahren. Und sie haben gemeinsame Feindbilder: rücksichtslose Mountainbiker, übermotivierte Waldarbeiter, schulmeisterliche Jagdaufseher.

So führt der frühmorgendliche Selbstversuch am Pfannenstiel in der Zürcher Agglomeration zu einem ermutigenden Resultat. Wer dem Hund (und seinem Herrchen) mit Freundlichkeit und Frohsinn entgegentritt, merkt schnell, dass sich auch hinter einer zähnefletschenden Fassade und einem strengen Blick ein weicher Kern verstecken kann.

Keine Regel ohne Ausnahme

Barny, ein neufundländisches Grosskaliber, das dem Siegermuni am Eidgenössischen verdächtig ähnelt, ist so zahm und brav wie ein Schosshündchen – wenn man seinen Besitzer höflich grüsst. Die französische Trottoirmischung Mélange hechelt nach einem freundlichen «Bonjour» an ihre Hut tragende Besitzerin glückselig vor sich hin. Und selbst die englische Bulldogge Rooney an der Leine des bärbeissigen Herrn Bär könnte man sich plötzlich als künftige Laufpartnerin vorstellen.

Eine Ausnahme stellt der Labrador Jazz dar – allerdings ohne eigenes Verschulden. Er ist im Besitz der Topmanagerin M. M. aus E. und geniesst Kraft seiner Herkunft den Promistatus. Und der führt auch bei Vierbeinern zu einer gewissen Öffentlichkeitsscheue und Kommunikationsreduktion.

Automatische Deeskalation

Sonst aber gilt: Egal, ob Rottweiler, Rauhaardackel, deutsche Dogge oder belgischer Schäfer – der freundliche Umgang mit Frauchen oder Herrchen führt automatisch zu einer Deeskalation im Umgang mit den tierischen Gefährten. So können auf dem Feldweg oder am Waldrand Vorurteile ab- und neue Freundschaften aufgebaut werden.

«Züri-Hünd sind Fründ.» Die in der Steinzeit der PR lancierte Informationskampagne hat nichts an Aktualität verloren – und wer es nicht wahrhaben will, wagt sich zum ultimativen Härtetest auf die Allmend Brunau im Süden der Zwinglistadt. Der grösste Hundeauslauf auf der nördlichen Hemisphäre markiert den besten Ort, um zu beweisen, dass es nichts Schöneres auf dieser Welt gibt als die perfekte Harmonie zwischen Mensch und Tier: bellend, hechelnd, sabbernd. Wuff!

Beliebte Blogbeiträge