Achterbahn im Gebirge

Diese Woche eine Wanderung linksseitig hoch über dem Reusstal (UR)


Als wir eine knappe halbe Stunde nach dem Start auf der Alp Honegg etwas trinken, darf die Wanderung bereits als gelungen bezeichnet werden – wir sind beglückt. Hinter uns hockt wie ein übermächtiger Wächter der Gitschen. Vor uns stürzt das Gelände zur Reuss in die Tiefe. Dahinter eine Vielzahl von Bergen, der Rophaien zum Beispiel. Freundlicherweise hat man uns ein Tischset mit dem Bergpanorama gebracht.

Eine knappe Stunde zuvor sind wir fast 1000 Meter tiefer in Seedorf auf der Turmmatt dem Bus entstiegen, der uns von Altdorf hertrug. Drei Gebäude gilt es an dieser Stelle zu erwähnen. Erstens das Schloss derer von A Pro. Das Geschlecht wanderte einst aus der Leventina ein, verdingte sich dem französischen König und baute ein Schloss, das zum Teil noch gotische Züge trägt.

Gebäude zwei ist das Mineralienmuseum, das gerade zu hat; offen ist es Donnerstag, Samstag, Sonntag jeweils nachmittags. Gebäude drei wiederum ist unsere Bahn-Talstation. Das Kabinli kommt, wir steigen ein, fahren los, mit uns reisen zwei Säcke mit altem Brot, die ein Mann eingeladen hat. Der Urnersee wird immer kleiner und immer blauer.

Vorsicht, hochgiftig!

Oben die Bergstation ist ein Minigehütt auf Stelzen. Im nahen Wohnhaus zahlen wir. Die Alp Honegg, wo wir bald darauf einkehren, habe ich erwähnt. Immer den Gitschen samt seinen gerölligen Ausläufern und Fluhen zur Rechten, ziehen wir nach der Rast weiter, kommen in den Wald, passieren eine Hütte mit Bildstock. Der Weg wird schmal. Schon erblicken wir vor uns einen Bergkessel, den Gitschitaler Boden. Die Familie, die das Alphaus bewohnt, steht in den Wiesen und heut.

Vom Gitschitaler Boden geht es wieder aufwärts, wir passieren die Hütte bei der Distleren und kommen in einen feuchten, krautigen Hang, dieses Stück ist mühsam. Überall Blauer Eisenhut, eine extrem giftige Pflanze, die man nicht einmal anrühren soll. Oben auf dem Grat, der schlicht «Grat» heisst, wieder Sonne. Etwas unterhalb erscheint die Alp Grat. Wieder kehren wir ein, essen etwas Kleines. Ein kleiner blonder Nackedei flitzt vorbei. Sein Schwesterlein trägt ein Kleid und schleppt eine Puppe, die deutlich grösser ist als es. Sommerkinder auf der Alp.

Gefahr in den Chräienhöreli

Wir sehen nun direkt ins Reusstal hinab, haben den bolzengerade kanalisierten Unterlauf des Schächen zu Füssen. Was folgt, ist eine Art Achterbahn von Bergweg: Der Pfad durch die Chräienhöreli sinkt ab und steigt hernach in Form einer steilen Treppe direkt auf den einen der begrasten Felshoger. Gut, ist das Stück gesichert. An einer Stelle ein Jesusbild. Es erinnert daran, dass ein Biker hier in den Tod stürzte.

Rasch ist die Passage überwunden, die Teil des Zubringers zum Surenenpass ist. Unten auf der Terrasse des Berghauses Z’Graggen treffen wir Leute, die die Surenen von Engelberg her gerade hinter sich haben und schwärmen. Einige Zeit später gondeln wir mit dem Brüsti-Seilbähnli nach Attinghausen hinab. Unsere Unternehmung war eine der mittleren Anstrengung. Punkto Aussicht und Abwechslung kann sie sich mit doppelt so langen und harten Strecken messen.

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Anreise: Mit dem Bus von Altdorf zur Haltestelle «Seedorf, Schloss A Pro» und zur Turmmatt, so der Name der Talstation der Gitschenberg-Seilbahn.

Route: Gitschenberg – Honegg – Chohleren – Gitschitaler Boden – Distleren – Grat – Alp Grat – Chräienhöreli – Berghaus Z’Graggen – Bergstation Brüsti-Seilbahn (Talfahrt nach Attinghausen).

Wanderzeit: 3 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: 675 Meter auf-, 508 abwärts.

Wanderkarte: 245 T Stans, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Mittellange Bergwanderung, grossartig durch ihre Abwechslung, mal wandert man im Kessel unter dem Gitschen, mal hat man Sicht ins Reusstal und in die Weite. Gute Schuhe nötig, einige Abschnitte sind schmal und/oder ruppig. Im Abschnitt Chräienhöreli ist der Pfad ziemlich luftig, aber nicht eigentlich ausgesetzt (und sehr gut gesichert).

Höhepunkte: Die Bergfahrt mit der Seilbahn und der Tiefblick auf den Urnersee. Der Anblick der mächtigen Gitschenkette direkt über einem vom Gitschitalerboden aus. Die wilden Chräienhöreli und der Pfad, der an einer Stelle an die Treppe der Chinesischen Mauer erinnert.

Kinder: Machbar, wenn man sie an den heiklen Stellen beaufsichtigt.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Am Anfang auf dem Gitschenberg. Gleich danach auf der Honegg. Auf der Alp Grat. Berghaus Z’Graggen.

Interessant: Urner Mineralienmuseum, Seedorf.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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3 Kommentare zu «Achterbahn im Gebirge»

  • Ursula Brem sagt:

    Wunderschön!
    Für Gruppen nicht geeignet (Kapazität der Gitschenbahn: 4 Personen in einer Viertelstunde).
    Bei gutem Wetter und nach Anfrage bis November in Betrieb.
    Wanderung keinesfalls nach Regenfällen und bei Hochwasser unternehmen – der wilde Sulzbach muss auf hohen Felsklötzen übersprungen werden, wovon einer wasserüberflutet ist (evtl. Schuhe ausziehen).

  • Marius sagt:

    Wandern ist einfach eine tolle Aktivität. Vielen Dank für den interessanten Artikel mit den aufregenden Bildern. Da bekommt man ja sofort Lust aufs Wandern. Diese starke Passion zur Wanderung verdanke ich meinem Vater, der mich schon früh mit auf die Berge mitgenommen hat. Und zum jeden Hügel und Berg konnte mir mein Vater eine nette Geschichte erzählen.
    Mittlerweile ist mein lieber Papa nicht mehr in der Lage auf Gebirge zu wandern, das Alter… da meine Frau und ich berufstätig sind haben wir und dazu entschieden, eine Seniorenbetreuung für Ihn zu engagieren. So kann er in seiner Wohnung bleiben, wird aber die ganze Zeit begleitet und versorgt. So sind wir beide glücklich. Und Wochenends gehen wir zusammen spazieren. Grüezi!

  • Hans Bürgi sagt:

    Warum fehlt (wieder einmal) in der Bildergalerie die Streckenskizze?

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