Boulder-Paradies Downtown Switzerland

Ein Gastbeitrag von Thomas Hürzeler*

Möglichkeit für Deep Water Soloing in der Stadt Zürich, hier am Rathaus: Die Kletterrouten heissen Zwei Routen «Slippery when wet». Aber Achtung: Gemäss helvetischer Binnenschifffahrtsverordnung hat das Limmatschiff immer Vortritt.

Möglichkeiten für Deep Water Soloing gibt es in der Stadt Zürich einige, zum Beispiel hier am Rathaus. Die zwei Kletterrouten heissen «Slippery when Wet». Aber Achtung: Gemäss helvetischer Binnenschifffahrtsverordnung hat das Limmatschiff immer Vortritt. (Fotos: Thomas Hürzeler)

Die Sportförderung ist eine komplexe Sache. Einerseits werden Millionen für Randsportarten wie Fussball, Eishockey und Leichtathletik ausgegeben. Andererseits scheinen die Mittel für den Breitensport, etwa für Basejumper oder Alpinisten, völlig zu fehlen. Aber bei der Menge an Fussballstadien und Schwimmbädern, die landesweit gebaut werden, sollte es doch mit etwas gutem Willen möglich sein, auch Volkssportarten angemessen zu unterstützen.

So wäre, als Beispiel, den Sportkletterern in Zürich mit etwas Fantasie leicht zu helfen. Als Ergänzung der überfüllten und überteuerten Kletterhallen bieten sich Freiluftgelände an. Vom Mobimo Tower bis zum neuen Siloturm am Sihlquai stehen Wände in der Stadt herum, die mit einfachen Mitteln (einigen Klettergriffen, Haken und Umlenkrollen für die Seile) als Kletterrouten hergerichtet werden könnten. Es braucht keine Stararchitekten, keine Steuergelder, noch nicht einmal Baubewilligungen. Denn die Wände sind bereits da und warten darauf, endlich sinnvoll genutzt zu werden.

Nehmen wir als konkretes Beispiel das Grossmünster. In Zeiten, in denen laufend Kirchen wegen ausbleibenden Publikums in Diskotheken und Restaurants umgenutzt werden, kann doch ein erweitertes Freizeitangebot im Dienste der Volksgesundheit kein Problem sein. Für die Kirche wäre es eine zweifellos willkommene Gelegenheit, sich im modernen, zeitgemässen Look zu zeigen, quasi den Mief der vergangenen Jahrhunderte etwas durchzulüften.

Der eine Grossmünster-Turm könnte den Bouldern mit Routen unterschiedlicher Anforderungen dienen. Dank der durchgehenden Exponiertheit könnte gar eine Extremroute, «Näher mein Gott zu dir», im hohen Schwierigkeitsgrad eingerichtet werden. Der andere Turm wäre als familientauglicher Klettersteig auszurüsten. Auf den zwei Aussichtsterrassen – kurz vor dem Gipfelaufstieg – könnten Verpflegungskioske, ähnlich dem Teehüsli am Uetliberg, erstellt werden. Zudem sind die Terrassen für Notbiwaks bei Wetterumschlag perfekt geeignet.

Grossmünster: Am linken Turm die rote Familienroute «Papi, ich will auch mal». Daneben in grün «High heeled Spiderman» (Schwierigkeitsgrad 7b). Für den Klettersteig am rechten Turm «s'Bächli uf und s'Bächli ab» laufen Sponsor-Verhandlungen mit einem Outdoor-Detaillisten, der aber noch nicht genannt werden möchte.

Klettern am Grossmünster: Am linken Turm die rote Familienroute «Papi, ich will auch mal». Daneben in Grün «High Heeled Spiderman» (Schwierigkeitsgrad 7b). Für den Klettersteig am rechten Turm, «s’Bächli uf und s’Bächli ab», laufen Sponsorenverhandlungen mit einem Outdoordetaillisten, der aber noch nicht genannt werden möchte.

Mit einem geschickten Sponsoring wären diese Freiluftgelände sicher zum Nulltarif zu haben. Namhafte Outdoorhändler würden sich als Sponsoren geradezu aufdrängen und dürften dafür die von ihnen eingerichteten Routen frei benennen. So könnten Kletterrouten auf  «Transa-Tlantik», «Age of the Mammots» oder auch «Wolfshaut» getauft werden. Ein ähnliches Sponsoring ist ja aus dem Klettergarten ob der Galerie Amden bereits bekannt. Die touristische Sogwirkung darf nicht unterschätzt werden. Die weltbesten Alpinisten würden nach Zürich strömen, um «I did the great minster» in ihr Palmarès schreiben zu können.

Man darf gespannt sein, ob die Weltstadt Zürich die einmalige Gelegenheit ergreift oder sich lieber einen weiteren Eintrag in der Liste der verpassten Chancen sichert.

Was denken Sie?

Zunfthaus zum Rüden am Limmatquai: Die grüne «High Voltage» ist eine Extrem-Boulderroute für Könner. Mit besonderen Anforderungen. Denn wer sich an der Tram-Fahrleitung festhält, ist disqualifiziert.

Zunfthaus zum Rüden am Limmatquai: Die grüne «High Voltage» ist eine Extrem-Boulderroute mit besonderen Anforderungen. Wer sich an der Tramfahrleitung festhält, ist disqualifiziert.

Das Hans-Waldmann-Denkmal beim Fraumünster: Die pinkfarbene «John Forestman» ist eine ideale Aufwärmroute mit grossartigem Panoramablick. Sehr beliebt bei Touristen.

Das Hans-Waldmann-Denkmal beim Fraumünster: Die pinkfarbene «John Forestman» ist eine ideale Aufwärmroute mit grossartigem Panoramablick. Sehr beliebt bei Touristen.

13 Kommentare zu «Boulder-Paradies Downtown Switzerland»

  • Kurt Schmid sagt:

    Schöne Aussichten wären das! Ob man das nun als Unsinn oder Vision sehen mag war für mich nicht der springende Punkt. Das Wichtigste an diesem Beitrag ist, dass auf die fehlenden oder überfüllten/überteuerten Angebote für Sportkletterer in Zürich hingewiesen wurde. Wäre toll wenn sich auch nur annähernd etwas in diese Richtung bewegen würde. Wir sind ein Alpenland und sollten den Klettersport stark fördern – man schaue sich als Beispiel mal das Deutsche Boulderingkader und deren internationalen Erfolge an!

  • Ed Knupfer sagt:

    Zum Göissen ! Endlich einmal eine kreative Idee zur Förderung des Zürcher Fremdenverkehrs ! Ein willkommenes Kontrastprogramm zur traditionellen, mittlerweile etwas abgelutschten, etwas stieren Sechseläuten-Fête, mit der nur bescheidenen Adrenalinschub verleihenden Bööggenverbrennung als Höhepunkt. Stattdessen echtes Hochgebirgs-Feeling in den wilden Flühen des Grossmünsters ! Ich schlage vor, die geplante „Via ferrata“ am Grossmünster-Westturm mit einer Tyrolienne hinüber zum Ostturm noch etwas attraktiver zu gestalten. Als ultimative Challenge für die Ferratisten wäre ausserdem die Einrichtung eines „Flying Fox“ XXL-Size ins Auge zu fassen: einer Mega-Seilrutsche vom Turm hinunter zum Münsterhof ennet der Limmat ! Mit 130 km/h in rasanter Fahrt über den Fluss ! Cool ! Zürich wird hip

  • Aschi sagt:

    Für die Stadt Bern gibt es seit Jahren einen Kletterführer von „Flöbi“ für diverse Routen an Gebäuden, Brücken, Stützmauern usw. Die Behörden dulden allerdings Klettereien kaum. Bei sichtbaren Routen muss gerechnet werden, dass die Polizei mit Schäferhunden, Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen die Kletterer vorgeht, sie verhaftet und mindestens 1 Woche einsperrt. Die Polizei ist schon lange im Trainingslager mit Demonstranten, welche pro Event rasch für 300’000 CHF Schäden verursachen. Dort ist Ihnen jedoch meines Wissens bisher keine Verhaftung gelungen. Also Kletterer gross dürfte das Risiko nicht sein, wenn ihr zu mindestens beim Bouldern als Legi-Karte für eine unbestrafte Aktivität, den Aufsehern der roten Stadtbehörden, mindestens einige Farb- Spraydosen im Rucksack vorweist.

  • Bruno sagt:

    Nun, was soll man da denken? Es braucht schon viel Sinn für Humor um diesem Blog etwas Positives abzugewinnen (aber gelegentlich darf man auch einen schwachen Beitrag verfassen).
    Kann aber auch sein, dass ich ein völlig humorloser Zeitgenosse bin…

  • Theobald Fankhauser sagt:

    Eine Tour fehlt mir besonders: Die Tour von der ASL in die BCL. Eine detaillierte Weg Beschreibung erhalten Sie bei der Geschäftsstelle des FCZ.

  • Paul Levi sagt:

    Sowas nennt man Buildering ist nicht neues. In Bern gibt es sogar ein Kletterführer. Leider ist das meistens höchst illegal.

  • Hansjörg Temperli sagt:

    Da hat wohl wer ein wenig viel Assassin’s Creed gespielt – oder ist nervös auf den Film.
    Aber trotzdem super Idee, mir gefällts. Ausser bei High Voltage das Disqualifikationskriterium. Das ist dann doch etwas hart. Geht ohne, aber mit ist schöner. Jawohl!

    Wobei die Idee mit dem Silo, die dürfte echt ins Auge gefasst werden!

  • Alpin sagt:

    Köstlich! Mit viel Liebe zum Detail. Freue mich auf den entsprechenden Plaisir Band „Zürich extrem 2016“.

  • Emil Eumel sagt:

    Jawohl, endlich sagt mal einer das Offensichtliche. :-D Selten so gelacht. Schön wären auch ein paar Extremrouten am Paradeplatz mit Absturzgarantie, die z.B. „See Ass“ oder „Oops!“ heissen könnten. Im Schanzengraben könnte gar eine neue Spielform erfunden werden: Deep Water Bouldering.

  • Wolfgang sagt:

    Einen dümmeren Vorschlag kann man nicht machen

  • Jürg Hersche sagt:

    „John Forestman“ lässt sich im oberen Teil auch perfekt selber absichern: So ein schönes ‚Sandührli‘.

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