Oben ankommen ist wie heimkommen

Diese Woche von Niederbipp via Hofbergli auf den Weissenstein (BE/SO)

Den Weissenstein ersteigen wir, mein Grüpplein und ich, jedes Jahr gern aufs Neue. Zahllos sind die Routen durch seine Flanken, die eine dem Mittelland zugeneigt, die andere dem Jura. Der Weissenstein wird lebenslänglich nie langweilig.

Diesmal starten wir in Niederbipp. Hinüber nach Oberbipp übertun wir uns nicht, die Strecke ist perfekt zum Einlaufen, ein wenig Sicht auf das breite Tal der Aare bekommen wir auch schon. In Oberbipp leisten wir uns einen kurzen Abstecher von der Wandertraverse am oberen Dorfrand hinab zur Kirche. Auf dem Kirchhof gibt es ein vor wenigen Jahren in der Nähe ausgegrabenes, an diesen Ort überführtes Dolmengrab zu besichtigen. Eine aus grossen Steinen geschaffene, höhlenartige Grabstätte der Vorgeschichte.

Feuer in der Bettlerküche

Nun beginnt die eigentliche Strapaze, wobei sich coupierte Abschnitte mit eher flachen abwechseln. Wir passieren im Steilhang die Ruine Bipp, kommen nach Rumisberg, erreichen hernach Farnern. Wer die Wanderung abkürzen will, gelangt mit dem Bus in dieses Dorf und braucht bis zum Weissenstein statt fünfeinhalb nur dreieinviertel Stunden; dies nebenbei bemerkt.

Im Restaurant Jura trinken wir etwas. Hernach attackieren wir die bewaldete Kalkkrete vor uns. Oben sind wir begeistert, nachdem uns der Name «Bettlerküche» die letzten zwei Stunden bereits fasziniert und ins Spekulieren gebracht hat. Die Bettlerküche stellt sich als charismatischer Waldplatz zwischen hohen Felsen heraus und mag einst dem fahrenden Volk als Lagerplatz gedient haben; die Obrigkeit mochte wohl auch nicht jeden Tag so hoch hinauf ausrücken und die Leute verscheuchen.

An unserem Tag brennt in einer Mulde tatsächlich ein Lagerfeuer. Die Bettlerküche lebt. Junge Kletterer haben das Feuer entfacht, der Tag ist kühl, sie wärmen sich zwischen den Klettergängen auf.

An der Krete ziehen wir vorwärts, bis zum Einschnitt beim Hochchrüz haben wir zur Linken eine abrupte Kante, doch zwingt uns der Weg nicht ganz nah an sie heran; in die Tiefe schauen ist freiwillig. Bald darauf sind wir beim Hinteren Hofbergli, treten ein, freuen uns; was für ein heimeliges Lokal. Und der Hackbraten in der einfachen Wirtschaft ist grandios.

Kinderkreischen in den Bäumen

Nach dem Zmittag müssen wir wieder steigen, wir nehmen sogar freiwillig den kleinen Hügelspitz beim Niederwiler Stierenberg mit. Die Sicht ist umfassend, reicht bis zu den Alpen. Einkehren könnten wir auch wieder, sind bloss immer noch satt. Bis zum Balmberg ist uns nun eine eher lockere Passage gegönnt. Dort kommen wir am Seilpark vorbei. Kinderkreischen zwischen den Bäumen; wer eine Familie hat, kann die Attraktion gleich ins Wanderprogramm einbauen. Und übrigens gibt es auch vom Balmberg Busse talwärts.

Wir selber wollen höher hinaus, auf den Weissenstein eben. Freilich verzichten wir auf die strengste Variante via Röti, wie vorgelagert der höchste Punkt des Solothurner Hausberges heisst. Rechterhand umgehen wir die Röti und erreichen unser Schlussziel, das Kurhaus mit der Gondel-Bergstation, auf einem breiten Forststrässchen, einer ebenmässigen Rampe.

Oben ankommen ist dann wie heimkommen. Endlich wieder auf dem Weissenstein! So soll es auch die nächsten Jahre weitergehen mit uns und diesem schönen Berg.

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Route: Niederbipp, Bahnhof – Chapf – Oberbipp, kleiner Umweg zum Dolmengrab auf dem Kirchhof – Ruine Bipp – Rumisberg – Farnern – Wüestrüti – Bettlerküche – Hochchrüz – Hinteres Hofbergli, Restaurant – kleiner Umweg zum Niederwiler Stierenberg (Restaurant) – Oberbalmberg – Kurhaus Weissenstein, Bahn.

Wanderzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 1118 Meter auf-, 305 abwärts.

Kürzer: Man kann auch erst in Oberbipp starten, dann braucht man eine Stunde weniger. Substanzieller verkürzt sich die Route, wenn man erst in Farnern (Busstation) startet; minus 2 1/4 Stunden, 440 Höhenmeter weniger im Aufstieg und 93 weniger im Abstieg.

Wanderkarte: 223 T Delémont, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Gondelbahn vom Weissenstein zur Bahnstation Oberdorf (direkter Zug nach Solothurn SBB).

Charakter: Anstrengend, flache Passagen und coupierte Abschnitte im Wechsel. Aussichtsreich. Besonders schön an einsameren Tagen.

Höhepunkte: Das prähistorische Dolmengrab auf dem Kirchhof Oberbipp. Der markante Platz Bettlerküche. Die Einkehr im Hofbergli. Der Rundblick von der Kurhaus-Terrasse auf dem Weissenstein.

Kinder: Gut machbar. Eventuell kombinierbar mit dem Besuch des Seilparks auf dem Balmberg.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Hofbergli (hinteres Hofbergli), Mo/Di Ruhetag. Niederwiler Stierenberg, Fr Ruhetag. Daneben gibt es weitere Wirtschaften in den Dörfern (Farnern: Restaurant Jura, Mi Ruhetag). Und natürlich auf dem Weissenstein.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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2 Kommentare zu «Oben ankommen ist wie heimkommen»

  • Thomas Widmer sagt:

    Jawohl, Annemarie – Generikum. Wirkt ebenso gut! Herzlich, T

  • a.saladin-waldburger sagt:

    Genauso wie Dir Thomas, ergeht es auch mir mit dem Weissenstein.
    Für mich ist er auch ein bisschen Ersatz für den Kronberg, zu dem es mich ebenfalls immer wieder zieht. Allerdings ist die Reise von meinem jetzigen Wohnort für eine Spontanwanderung dortselbst zu lang und da ist dann eben der Weissenstein das perfekte „Generikum“. Herzlich Annemarie

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