Ab in den Spargel!

Diese Woche von Winterthur via Neftenbach nach Flaach (ZH)

Das wichtigste Wort dieser Wanderung lautet: Spargel. Das zweitwichtigste lautet: reservieren! Ich rief zwei Wochen vor der Wanderung bei den Gislers auf dem Spargelhof in Flaach an und sicherte mir sechs Plätze. Ein Freund hatte mir das Hofbeizli empfohlen, der Spargel sei dort super. Gislers bauern 25 Fussminuten ausserhalb von Flaach.

Um den Hunger anzufachen, wanderten wir zuvor weit. Start war in Winterthur, es regnete noch, wir zogen durch das innere Lind, ein Viertel zum Gernhaben mit alten Villen und Klinkerbauten. Vor dem Bahnhof Grüze ein Steg über die Schienen, hernach begann der Aufstieg zum Goldenberg. Oben blickten wir von der gemauerten Plattform auf die Stadt und in die Ferne.

Tod auf der Jagd

Der Regen liess nach und stoppte. Im Wald des Zinzikerbergs passierten wir einen Gedenkstein. 1849 war an dieser Stelle der Winterthurer Amtmann Jacob Pfau «am Schlagflusse» gestorben. Ich schaute im Internet nach. Pfau hatte zuvor viel Kritik für seine eher chaotische Rechnungsführung einstecken müssen. Der Tod ereilte ihn auf der Jagd.

Nach Überwindung der A 1 bei Forrenberg waren wir vollends auf dem Land. Unterohringen, der Chrebsbach, Riet. Dort mochte Josephines Wanderschuh nicht mehr, die Sohle begann sich vorn zu lösen. Josephine musste Forfait geben, sie nahm das Postauto. Wir aber liefen weiter und nahmen in der Post zu Neftenbach einen Apéro.

Nach Nefti, wie das Dorf liebevoll genannt wird, eroberten wir uns via Steig ein weites Höhenplateau, hatten nun den Höhenzug des Irchel vor uns. Später, beim Weiler Desibach, dominierte der Raps alles. Wie auf einem Van-Gogh-Gemälde wogten die knallgelben Felder zum Horizont, dazwischen dunkelgrüne Waldflicken. Die Schönheit bereitete fast Atemnot.

Über den Weiler Eigental landeten wir in Flaach, Unterdorf. Gut fünfeinhalb Stunden hatten wir gebraucht, der Hunger loderte. Die nächsten 25 Minuten in Nordrichtung zum Hof der Gislers auf dem Boden waren eine Fortbewegungsart zwischen Gehen und Rennen; gut, war der Spargelhof sauber ausgeschildert. Endlich kamen wir an. Josephine war schon da. Ihr sohlenloser Schuh bestand unten bloss noch aus einer dünnen Zwischenmembran.

Fahrt durch den Raps

Und dann, dann, dann kam er auf den Tisch – der Spargel. Gut war er, sehr gut, die Gislers servieren ihn in Varianten und Kombinationen, ich hatte ihn simpel mit Butter. Wir assen aber nicht nur, sondern kauften auch: Wir deckten uns ein mit einer Portion für zu Hause, für den nächsten Tag.

Letzter Akt der Wanderung: Wir schlenderten zurück nach Flaach. Dort nahmen wir das Postauto. Die Fahrt durch den Raps nach Winterthur war noch einmal ein Höhepunkt.

Nun noch drei Nachbemerkungen. Erstens, siehe Abspann, kann man die Wanderung kürzen und erst in Neftenbach starten. Oder gar erst in Flaach, was aus der Sache einen Spaziergang macht. Zweitens, siehe ebenfalls Abspann, sei der Fairness halber angeführt, dass in Flaach derzeit und in den kommenden Wochen natürlich noch andere frischen Spargel anbieten. Die Spaltensteins auf dem Thurhof etwa oder der bewährte Sternen im Dorf selber.

Und drittens? Wie anfangs gesagt: reservieren! Unbedingt! Und möglichst früh!
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Route: Winterthur, HB – Winterthur, Grüze – Goldenberg – Zinzikerberg – Forrenberg – Unterohringen – Krebsbach – Riet – Näfbach – Neftenbach – Steig – Desibach – Chriegäcker – Eigental – Flaach, Unterdorf – Flaach, Boden (Spargelhof, Familie Gisler) – retour nach Flaach, Unterdorf (Bus).

Wanderzeit: 6 Stunden und 20 Minuten.

Höhendifferenz: 388 Meter auf-, 477 abwärts.

Kürzer: Wer in Neftenbach startet, braucht 3 Stunden weniger.

Noch kürzer: Wer in Flaach startet, braucht zum Spargelhof und retour 50 Minuten.

Wanderkarte: Am praktischsten ist die Wanderkarte 1:60’000 «Schaffhausen/Winterthur» von Kümmerly + Frey.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit dem Postauto nach Winterthur. Sehr schöne Route!

Charakter: Aus der Stadt aufs Land. Abschnitte auf Hartbelag. Viel Natur mit wogenden, knallgelben Rapsfeldern.

Höhepunkte: Schöne Villen und Klinkerbauten des 19. Jahrhunderts zwischen dem HB Winterthur und Winterthur-Grüze. Der Blick auf die Stadt vom Goldenberg. Der Spargel am Ende.

Kinder: Etwas weit.

Hund: Keine Probleme.

Spargel: Spargelhof der Familie Gisler, Boden, Flaach. Für das Hofbeizli frühzeitig reservieren, 052 318 22 32. Samstag und Sonntag durchgehend warme  Küche. Daneben gibt es in Flaach weitere Orte, die frischen Spargel servieren. Thurhof der Familie Spaltenstein, Hofbeizli, 052 301 30 44. Sternen in Flaach: Ruhetage Mo/Di (Mai bis Juni nur Mo). 052 318 13 13.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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4 Kommentare zu «Ab in den Spargel!»

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