Respekt vor dem Schneehasen?

Ein Beitrag von Malin Auras*

(Bild: «Respektieren deine Grenzen»)

Hochbetrieb: Immer mehr Wintersportler bewegen sich im freien Gelände. (Bild: «Respektieren deine Grenzen»)

Schneeverhältnisse, Lawinensituation, Wetterbedingungen, Routenwahl, Ausrüstung, Startzeit, Verpflegung – wer eine Ski-, Schneeschuh- oder Winterwander-Tour plant, beschäftigt sich im Vorfeld mit ganz vielen Themen. Aber Hand aufs Herz – wann haben Sie das letzte Mal an die Wildtiere gedacht? Die wenigsten Schneesportler sind sensibilisiert dafür, dass Wildtiere im Winter besonders sensibel auf Störung reagieren. Gestresste oder fliehende Tiere verbrauchen nämlich viel Energie – zu einer Zeit, in der die Nahrung knapp und der Energieverbrauch bereits durch die Kälte erhöht ist. Die Folgen sind ein geringerer Fortpflanzungserfolg, Krankheit oder im Extremfall der Erschöpfungstod.

Ein Schneehase im Tierpark in Goldau. (Keystone)

Im Winter besonders sensibel: Schneehase im Tierpark Goldau. (Keystone)

Dank breiter Ski, moderner Schneeschuhe und der Verfügbarkeit von Routeninformationen ist es heute mehr Menschen möglich, sich im freien Gelände zu bewegen. «Die Intensität der Störung durch Freizeitaktivitäten ist für die Wildtiere grösser geworden – auch durch eine stärkere Nutzung der Tageszeiten, wie etwa Vollmondtouren», sagt Yves Schwyzer, Mitarbeiter der Kampagne «Respektiere deine Grenzen», die das Bundesamt für Sport (Baspo) und der Schweizer Alpen-Club (SAC) gemeinsam in allen Kantonen lanciert haben.

«Ich finde es wichtig, dass sich die Menschen in der Natur erholen und Naturerfahrungen möglich sind», erklärt Schwyzer, «deshalb vermittelt ‹Respektiere deine Grenzen› vier Verhaltensregeln, die dazu beitragen, Konflikte zwischen Freizeitnutzung und Wildtieren zu entschärfen.» Und das sind die wichtigsten Regeln

  1. Beachte Wildruhezonen und Wildschutzgebiete: Sie bieten Wildtieren Rückzugsräume.
  2. Bleibe im Wald auf den bezeichneten Routen und Wegen: So können sich die Wildtiere an den Menschen gewöhnen.
  3. Meide Waldränder und schneefreie Flächen: Sie sind die Lieblingsplätze der Wildtiere.
  4. Führe Hunde an der Leine, insbesondere im Wald: Wildtiere flüchten vor frei laufenden Hunden.

Regel 1 zu befolgen, ist ziemlich einfach – ein Klick auf die Karte von «Respektiere deine Grenzen», und man weiss Bescheid. Bei Regel 2 muss ich zugegebenermassen leer schlucken. Durch den Wald zu powdern, gilt auch abseits von Schutzzonen als Frevel. Sofort denke ich an wunderbare Tree-Runs, auf die ich lieber nicht verzichten möchte! Und da bin ich offenbar nicht alleine: «Regel 2 funktioniert bei Freeridern nicht», sagt Philippe Wäger, Bereichsleiter Umwelt beim SAC, «wichtig ist jedoch, nicht quer durch den Wald oder entlang der Waldgrenze zu fahren – was aber eher Schneeschuhläufer betrifft. Skifahrer sollten ihren Bewegungsraum mit dem Trichterprinzip einschränken.»

Das bedeutet: In den offenen Hängen oberhalb der Baumgrenze leben im Winter nur wenige Wildtiere. Hier kann man sich relativ frei bewegen. Je näher man in bewaldetes Gebiet vordringt, desto mehr sollte man seinen Aktionsraum begrenzen und beispielsweise häufig befahrene Routen wählen. «Freerider müssen anders auf die Thematik angesprochen werden», erklärt Wäger, «deshalb ist die Kampagne mit www.respect-wildlife.ch neue Wege gegangen.»

Regel 3 ist – meiner Meinung nach – kein Problem, man muss es nur wissen. Aber Regel 4? Ich habe jedenfalls noch nie einen Wintersportler mit angeleintem Hund gesehen. Andererseits: Wäre es ein Problem, den Hund im Winter zu Hause zu lassen? Sicher ist: Wer im Winter in den Bergen unterwegs ist, sollte auch die Natur in seine Planung einbeziehen. Mit ein bisschen Achtsamkeit kann man ohne grossen Verzicht schon viel erreichen.

Berücksichtigen Sie in der Tourenplanung die Bedürfnisse der Wildtiere? Haben Sie die Initiative «Respektiere deine Grenzen» schon gekannt und setzen Sie die Regeln auch konsequent um? Womit tun Sie sich persönlich besonders schwer?

 

malin*Malin Auras ist freie Journalistin und schreibt hauptsächlich für das deutsche Skimagazin PlanetSnow. Eigentlich stammt sie aus einem Kleinstädtchen in der Eifel, lebt aber schon seit 15 Jahren in München bzw. in Starnberg – und geniesst noch immer die Nähe zu den Bergen. In ihrer Freizeit trifft man sie beim Joggen im Wald, auf dem Fahrrad oder auf zwei breiten Brettern im Schnee. Im Outdoor-Blog schreibt sie über Wintersportthemen.

2 Kommentare zu «Respekt vor dem Schneehasen?»

  • Tina Egger sagt:

    Es ist simpel. Weniger Einwohner = mehr Biodiversität. Nur passt das nicht ins links-grüne Konzept und darum gilt Denkverbot.

  • Cyrill sagt:

    Neben Hangneigung gehört auch das Overlay der Wildruhezonen zum Pflichtprogramm wenn zur Tourenplanung die Karten studiert werden. Online kostenlos verfügbar, Ausreden ziehen hier keine. Freiheit geht immer auch mit Verantwortung einher. Unverständlich dass dies noch nicht bei allen im Kopf drin ist…

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