Best of Outdoor: Kann man im SAC-Massenlager eigentlich Sex haben?

Liebe Leserinnen und Leser, in den Sommerferien erlauben wir uns einen Blick zurück und präsentieren Ihnen einige unserer Highlights. Viel Vergnügen! Die Redaktion.

Folgender Beitrag ist von Natascha Knecht, Erstpublikation: 29. Oktober 2014.

Immer wieder eine willkommene Anregung für Männerphantasien: Massenlager in einer SAC-Hütte (hier die Saoseo-Hütte im Puschlav). Foto: Keystone

Immer wieder eine willkommene Anregung für Männerfantasien: Massenlager in einer SAC-Hütte (hier die Saoseo-Hütte im Puschlav). Foto: Keystone

Kürzlich an einem Apéro bei Bekannten daheim: Es waren etwa zwanzig Leute da, die meisten hatte ich davor noch nie gesehen. Für diese Anzahl Gäste war die Stadtwohnung relativ eng, darum standen wir uns in der Küche, im Wohnzimmer und auf dem Balkon auf den Füssen rum. Und wie es so geht: Man kommt ins Gespräch. Man fragt sich gegenseitig oberflächliches Zeug. Was man arbeitet. Wo man wohnt. Was man von Veganern hält und was von Ecopop. In welchem Fitnesscenter man trainiert.

Einer der Ersten, mit denen ich an diesem Abend einen Small Talk führte, hiess Remo*. Er trainiert im Holmes. Ich sagte, ich trainiere in der Kletterhalle und gehe gerne bergsteigen. Später entschloss ich mich, dass ich künftig an solchen Anlässen meine Leidenschaft für die Hochalpen verheimlichen werde. Die Fragen, die mir nämlich gestellt werden, sind immer etwa die gleich dummen. Der Dialog geht etwa so:

Wirklich, du gehst bergsteigen?
Ja.

So richtig? Mit Seil und allem?
Ja.

Echt jetzt?
Ja.

Warst du schon auf dem Matterhorn?
Ja.

Ist das nicht gefährlich?
Es geht so.

Weshalb machst du das?
Das frage ich mich auch.

Remo und ich stehen in der Küche, sein Freund Ralf* kommt rein.

Hey Ralf, hast du gehört: Sie geht bergsteigen, so richtig mit Seil.

Jetzt ist Ralf dran mit seinen Fragen.

Echt? Warst du schon auf dem Matterhorn?
Ja.

Ist das nicht gefährlich?
Es geht so.

Das könnte ich nie. Ich habe fürchterliche Höhenangst. Mich graust es schon, wenn ich auf dem Balkon stehe.
Oje.

Kennst du Ueli Steck?
Ja.

Wie findest du ihn?
Cooler Typ.

Aber der hat nicht alle Tassen im Schrank, oder?
Findest du?

Ich habe mal ein Video gesehen, wie er durch die Eigernordwand rannte. So einer hat doch einen Flick weg.

Remo mischt sich wieder ins Gespräch ein.

Ich habe kürzlich im TV einen Dokumentarfilm über einen Kletterer gesehen. Jetzt weiss ich gerade nicht mehr, wie er geheissen hat, aber es war krass.
Ich schaue fast nie TV.

Du, darf ich dir eine peinliche Frage stellen?
Klar.

Wie macht man das eigentlich, wenn man mitten in einer Felswand auf die Toilette muss?
Man macht sich einfach in die Hose.

Wir lachen.

Zwei Stunden später treffe ich Remo auf dem Balkon wieder. Er hat in der Zwischenzeit mindestens zwei Bier getrunken, ist jetzt in Flirtstimmung, stellt sich eng neben mich und fragt wieder.

Wenn du schon auf dem Matterhorn warst, dann hast du sicher schon oft in SAC-Hütten übernachtet.
Schon sehr oft.

Kann man im Massenlager eigentlich Sex haben?
Sicher, was denn sonst?

Hast du auch schon?
Fast jedes Mal.

Echt?
Echt!

Anmerkung: *Die Namen Remo und Ralf sind fiktiv, aber nicht die Fragen. Ich schwöre, sie sind mir schon unzählige Male gestellt worden. Dass ein Massenlager bei Männern gewisse Fantasien hervorruft, kann ich entfernt nachvollziehen. Aber warum ist es so wichtig, ob man auf dem Matterhorn war? Das verstehe ich beim besten Willen nicht.

17 Kommentare zu «Best of Outdoor: Kann man im SAC-Massenlager eigentlich Sex haben?»

  • Hasler sagt:

    Frau Knecht kann vielleicht gut Bergsteigen. Das Konzept von Small-Talk hat sie aber definitiv nicht begriffen.

  • urs bilger sagt:

    wer ist ueli steck – huettenwart ?

  • Kurzversion:
    Es gibt keine dummen Fragen sondern nur dumme Antworten.
    Das sieht man schon, wenn man in den oben notierten Gesprächen die Länge der Fragen in Wörtern misst und mit der Länge der Antworten vergleicht.

    Langversion:
    Die Bergsteigerlaien gebe sich bescheiden und fangen nicht als erstes als Möchtegernprofi mit komplizierteni Fragen an. Wenn Frau Knecht vor solchen Einladungen sowieso schon weiss, welche Fragen ungefähr kommen, dann kann sie sich ja vorbereiten und überlegen, welche Erlebnisse ihr selber besonders viel bedeuten und dann die Gelegenheit nutzen und davon erzählen. Oder vielleicht hat sie ein politisches Anliegen wie mehr Helikopterlandeplätze oder auch weniger davon. Oder sie möchte Werbung machen schönere Wanderwege, damit Bergesteiger-Anfänger nicht die Bergrouten verstopfen. Alle möglichen spannenden Themen kann man an einfache Fragen anhängen, mit Witz und Charme spannende Gespräche anstossen.

  • Stefanie sagt:

    Das die Frage vom Matterhorn und Sex in der SAC-Hütte für Männer zusammengehören, hat doch mit der Phallusgestalt des Horu zu tun.

    • magerius sagt:

      Oha – Gut steht dieses Horu nicht neben der Jungfrau !

      • Geni sagt:

        Das Matterhorn ein Phallus? Auf so was wäre ich selbst in Testosteron gesteuerten Jugendzeiten nicht gekommenen
        Der eine besteigt den Mönch, der andere die Jungfrau!

  • Ruben sagt:

    Nur so zum Verständnis..unter Bergsteigern:
    1.Nicht jeder Bergsteiger/In schafft es die grundlegende Philosophie und die daraus resultierend Faszination in wenigen, begreiflichen Worten zu erklären.Dies würde schon einiges vorwegnehmen.
    2.Ueli Steck hat wirklich nicht alle Latten am Zaun und betreibt Bergsport statt Bergsteigen.
    3.Wer das Matterhorn besteigt hat wahrscheinlich auch schon am Knabenschiessen oder an einer anderen „Hundsverlochete“teilgenommen.
    4.Wer Sex in einer SAC-Hütte nur schon erwägt hat Beate U. Bereits hinter sich.

    • Geni sagt:

      Der Ueli hat eine andere Art einen Berg zu besteigen. Wenn es ihm so Freude macht, na und! Eine gewaltige Leistung ist es auf jeden Fall.
      Aber ich kann mir schon vorstellen, dass man sich ein wenig bedeppert fühlt, wenn man sich keuchend eine Wand empor arbeitet und dann rennt einer im Laufschritt an einem vorbei!

  • Martin sagt:

    Also mir ist noch nie eine Frau begegnet, die so „richtig“ Bergsteigen geht. Ich würde die selben doofen Fragen stellen. Wissen Sie eigentlich, was man sich als Angler alles so für doofe Fragen anhören muss? „Du gehst angeln?“ Ja. „Angelst Du Forellen?“ (Kommt jedes Mal! Als gäbe es nur Forellen!) Äh, nein. „Wie angelst Du denn? Mit Wurm?“ Ab und zu. (Man angelt nicht nur mit Würmern!) usw.. Wenn Sie also ein Problem mit solchen Fragen der Laien haben, dann verschweigen Sie einfach Ihre Bergsteigerleidenschaft. So einfach. PS: Sex im Massenlager der SAC Hütte? Äh, nein danke!

  • fufi sagt:

    Von wegen dem Matterhorn:

    Kennen die denn noch einen anderen Berg, wo MannOderFrauUndUmgkekehrt raufklettern kann?
    Das Breithorn, zum Beispiel, oder das Schwarzhorn?
    Oder gar das Schnebelhorn?

    Ich meine: WENN die denn schon irgendeinen anderen Berg kennen würden,
    dann doch sicher so einen mit einem Bähnli nach oben!

  • magerius sagt:

    Für meinen Begriff und meine damalige Bedürfnisse waren die SAC -Schweizerischer Alpen Club – noch Hütten zum schlafen und Ausgangspunkt für anstrengende Touren. Heute mögen diese weiterhin SAC genannt sein, aber mehr genutzt als SAC -Sex And Coitus – Hütten, halt eben eine andere Disziplin!

  • Peter Weierstrass sagt:

    Bergsteigen, das ist sowas von dem jeder ein bisschen eine Ahnung hat. Und viele Leute staunen darüber, dass die klettertechnische Schwierigkeit auf vielen Normalrouten vieler Berge ziemlich gering ist.

    Kletter-, Steigeisen- und Seiltechnik für den Mount Everest? Jo, dafür reicht ein Wochenende Vorbereitung.

    Dass das aber nur ein Aspekt des Bergsteigens ist, muss man ihnen aber erklären.

    Genauso wie bei:
    – Lokführern: Man muss ja nur einen Knopf drücken, und das Ding fährt. Wozu monatelange Ausbildung?
    – Piloten: Ist doch eh alles automatisch. Warum so einen altmodischen Kram wie Wetterkunde?
    – Biologen: „Ich habe da so einen Käfer gesehen. Ich erkläre dir, wie er ausgesehen hat. Könntest du ihn bestimmen?“ – „Nein, ich arbeite seit 20 Jahren nur mit Zellkulturen.“
    – Bauarbeiter: Du musst ja nur Beton mischen und Ziegelsteine aufeinander setzen. Wozu musst du wissen, welche Baumaterialien wie schnell trocknen und wieviel Feuchtigkeit durchlassen?

    Das Festhalten an Vorurteilen gibt jedem Menschen ein hohes Mass an Sicherheit. Man ist dann davor geschützt, seine Unwissenheit zu offenbaren.

  • Aschi sagt:

    Es ist gemütlicher sich mit (s)einer Frau in einer abgelegenen SAC-Hütte zu verkriechen, als sich am Hore vor Steinschlag und fallenden Körpern zu verstecken. Täglich beweisen im Sommer etwa 100 Möchtegernbergsteiger am Hore, dass sie „Chempen“, Exkremente und Kameras krachen lassen können. Dank Führerhilfe oder Glück wird oft der Berg bestiegen, an dem sie mangels Können nichts zu suchen hätten…sofern Risikoabwägungen da überhaupt angestellt würden. Wer ein alter und damit guter Bergsteiger werden will, verzichtet auf Routen wo er zahlreiche Seilschaften antreffen wird.

  • Urs sagt:

    Am frühen Morgen schon köstlichst amüsiert, Frau Knecht, vielen Dank.
    Das mit dem Matterhorn ist – denke ich – wirklich so eine Männersache: Vom Matterhorn hat schon jeder gehört. Man weiss, es ist ein Kletterberg. Ein richtiger Kletterer/eine richtige Kletterin ist man erst, wenn man auf diesem Berg (oder – alternativ – auf dem Mt Everest) war. Ist dies nicht der Fall, so kann man die Kletterei als nicht ernstzunehmendes Hobby einordnen.
    Ich hätte mich als „totaler Insider“ geoutet, indem ich natürlich nach der Eigernordwand gefragt hätte ;-)

  • Jaro sagt:

    Was für eine Frage? Es ist doch glasklar., Hoch Ybrig wäre zu doof, Mount Everest nicht gerade intelligent. Und mehr wissen die meisten Partiesbesucher nicht.

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