Echte E-Biker fahren Rennen

E-Motor zum Nachrüsten: Beim Gravel-Battle wird das Downhill-Bike zum Geschoss. Foto: Mike Herzog (AUTrenalin BU)

Gentlemen, start your engines: Beim Gravel Battle wird das motorisierte Downhill-Bike zum Geschoss. Foto: Mike Herzog (AUTrenalin BU)

«Strom haben» ist unter Mountainbike-Rennfahrern ein geflügeltes Wort und bedeutet, dass die Fitness gut ist und mit entsprechend viel Kraft in die Pedale getreten werden kann. Neuerdings bekommt die Aussage eine zusätzliche Bedeutung. Denn wer in Zukunft nach einem Rennen enttäuscht zu Protokoll gibt, dass er «heute echt keinen Strom gehabt» hat, verweist damit unter Umständen auf die Tatsache, dass die Akkus am E-Bike zum Rennende hin leer gesaugt waren. Da hilft also weder die zielgerichtete Ernährung noch das effiziente Training, sondern nur der fürs Material zuständige Rennmechaniker. Denn eines ist klar: Wenn der Akku eines 20-Kilo-E-Mountainbike die Leistung versagt, hilft auch die beste Fitness nicht weiter.

Die Industrie pusht ihr neues elektronisches Baby. Foto: Bosch

Die Industrie pusht ihr neues elektronisches Baby.

Nur ein Marketing-Gag?

Da drängt sich für viele Biker die Frage auf: Was zum Teufel haben E-Bikes im Rennsport zu suchen? Schon im Alltag spalten die motorbetriebenen Sportgeräte die Bikewelt wie kaum ein anderes Thema. Die weitverbreitete Meinung ist die, dass Motoren nichts mit Sport zu tun haben. Man soll sich – so die mehrheitsfähige Meinung – mit einem leichten Top-Bike durchaus kleine Vorteile herausholen, aber in erster Linie sollen die Fitness und die Fahrtechnik der Rennfahrer über Sieg und Niederlage entscheiden. Aber greift es nicht zu kurz, «Sport» auf das Fehlen von Motoren zu reduzieren? Keiner würde ernsthaft behaupten, dass die Piloten an Auto- und Motorradrennen keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen.

Die haben Strom: Teilnehmer der eMTB Masters im deutschen Münsingen. Foto: Bosch

Die haben Strom: Teilnehmer der eMTB Masters im deutschen Münsingen. Fotos: Bosch

Erste Rennserien für E-Biker

Fakt ist: Rennen mit E-Mountainbikes sind im Kommen. In Deutschland feierte gerade ein Pedelec-Wettkampf Premiere. Zusammen mit drei anderen Veranstaltungen bildet das Event im Traditionsrennort Münsingen die German eMTB Masters 2015 e-powered by Bosch. Wer unabhängig vom Ausgang auf dem Podest der grosse Gewinner ist, steht bereits im Namen der Rennserie. Die Industrie pusht ihr neues elektronisches Baby. Was liegt da näher als eine eigene Rennserie? Bei diesem Format treten Pedelecs gegeneinander an, bei denen die Motorunterstützung auf 25 km/h gedrosselt ist. Auf der 48-Kilometer-Strecke muss der E-Biker durchaus selbst Druck auf die Pedale geben. Ganz nach dem Motto «Der schnellste Motor gewinnt» geht es also nicht.

In eine deutlich andere Richtung geht das E-Bike-Rennformat EGO Gravel Battle, das die Veranstalter vollmundig als «Next Level Mountainbiking» bezeichnen. Beim Zuschauer stellt sich durchaus die Frage, ob es sich hier nicht vielmehr um Motocross light als um Mountainbiking handelt.

Auch hinter dieser Veranstaltung steckt ein Hersteller für Elektroantriebe. Wen wunderts? Was auf den Otto Normalbiker wie eine fremde Sportart wirkt, wird von den Medien der Gravity-Szene gefeiert. «Endlich mal coole E-Bike-Action!», schreibt das Mountainbikemagazin «Dirt». In Diskussionen und Bikeforen fällt das Urteil eher vernichtend aus. Die Angst: Die Dinger machen den Wald, unser Image und damit unseren Sport kaputt. «Aber nach Spass sieht das schon aus», geben einige User zu.

Mountainbike oder Motocross? Gravity-Rennen in der Kiesgrube. Foto: Mike Herzog (AUTrenalin BU)

Mountainbike oder Motocross? Gravity-Rennen in der Grube.

«Ordentlich Strom» sorgt für Rennsiege und Bikespass. Das war früher so, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Ob der Strom aus den Beinen oder aus dem Akku kommt – das wird der Bikeszene noch einige Diskussionen bescheren.

Format der Zukunft oder Schwachsinn: Wie stehen Sie zu E-Bike-Rennen? In welche Richtung wird sich Ihrer Meinung die Entwicklung der E-Mountainbikes bewegen?

11 Kommentare zu «Echte E-Biker fahren Rennen»

  • Fjordland sagt:

    Nun, wenn man sich das fahrerische Niveau der urbanen e-Biker anschaut, deren Überforderung bei Kurventechnik, Bremspunkt und Handling des >20kg Kolosses feststellt, kann man nur unterstützen, dass sie sich auf Spielwiesen austoben. So werden zumindest die Velofahrer in der Stadt weniger gefährdet. Ansonsten ist doch e-MTB etwas wie Wandern mit der Seilbahn, also eher für Warmduscher, Vorwärtsparkierer oder eben … e-MTBler.

  • Stephan sagt:

    Das nennt sich Motocross, gibt’s schon sehr lange und ist so weniger laut und stinkig. Nur, so wie ich weis, darf man in der Schweiz mit dem Motocross Töff nicht überall im Wald rum heizen. Ein Kollege geht für das regelmässig nach Tschechien oder Polen.
    Ich finde für „E-bikes“, mir gefällt das lange bestehende Wort Moped besser, sollten allgemein auf der Strasse und offroad die gleichen Regeln und Gesetzte gelten wie für andere ähnlich Leistungsfähige Motorfahrzeuge.
    Dann wären auch endlich die unnützen Diskussionen vorbei.

    • Teofilo Folengo sagt:

      Das sehe ich genauso. Mein Arbeitsweg umfasst den Uetliberg morgens und nochmals abends: ich fahre täglich 32km (und 1100m Höhenunterschied) mit meinem ATP-getriebenen Bike (ATP=Adenosintriphosphat, Energieträger der Muskelkraft). Die immer häufigeren E-Mopeds im Wald fahren häufig unkontrolliert, und machen mir mittlerweile mehr Angst, als die Autos in der Stadt.

  • Teofilo Folengo sagt:

    Echte Ebiker fahren nicht in den Wald.

    • Otto Liebschitz sagt:

      Warum nicht ? Vor zwanzig Jahren dachte man auch, Velos gehörten nicht in den Wald.

      • Otto Ruhesucher sagt:

        Velos gehören auch heute noch nicht in den Wald. Der Wald sollte eine Erholungszone bleiben für Wild und Spaziergänger.

  • Dan Horber sagt:

    Obwohl ich sportlicher eBike-Fahrer bin, erschliesst sich mir der Sinn von eBike-Rennen definitiv nicht.
    Nur um zu beweisen, wer am besten mit dem knappen Gut Akku-Leistung umgeht, braucht es doch keine neue Disziplin. Ganz abgesehen davon, dass hier wohl die Technik wichtiger als der Fahrer ist – ausser es fahren alle mit demselben Material. Nur dann braucht ’s auch kein eBike…

  • Ott sagt:

    Leben und leben lassen, aber nach meiner Meinung sind echte E-Biker alt und etwas eingerostet, kommen ihrem Partner nicht hinterher oder sind etwas übergewichtig (alles gute Gründe für ein E-Bike, meiner Meinung nach). Aber Spitzensport? Ehrlich? Wird wohl ein Sport ohne viele Fans…

    • Werner Meier sagt:

      E-Bike passt perfekt zu unserer verweichlichten Kultur mit maximalem nur-Fun-will-haben-Faktor. Die omnipresente Werbung und neue lukrative Einnahmequellen der Fahrradindustrie dürften den Trend noch verstärken.

      Echte Biker fahren ohne Strom und genisessen jeden grösseren Anstieg mit der verdienten rasanten Abfahrt und dem guten Gefühl den inneren Schweinehund ein bisschen geprügelt zu haben. Genau das macht wirklich stark.

  • Joe Amberg sagt:

    E-Bike Rennen im Gelände ist etabliertes Motocross mit viel umweltfreundlicherem Motor. Wäre schon längst überfällig.
    Und dass es keinen Motorsport geben könne ist einfach nur noch Schwachsinn…

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