Girlsride – ohne Männer geht’s besser


Wenn Männer stressen

Männer sind die Samariter des Bikesports. Sie bieten der Frau alles, was es für eine perfekte Tour braucht: Tourenplanung, Navigation, die Reparatur auf dem Trail und die gut gemeinten Fahrtechnik-Tipps. Irrtum! Spätestens bei den Worten «Jetzt fahr doch einfach und lass die Bremshebel los», ist bei ihr der Spass vorbei. «Männer und Frauen gemeinsam auf Tour – das funktioniert oft nicht», sagt deshalb Maria Müller, verantwortlich für das Women’s Marketing beim Bikehersteller Specialized. «Denn: Wenn Männer dabei sind, trauen wir Frauen uns viel weniger, das Klima ist ganz anders», erklärt die passionierte Bikerin. Männer müssten immer zeigen, wer der Beste ist. In reinen Frauengruppen gehe es vor allem darum, die Schwächste zu unterstützen – miteinander statt gegeneinander.

Unter Frauen

Kurz darauf auf dem Specialized Women’s Ride: Zwölf Frauen reissen nach einer gelungenen Spitzkehre einer Kollegin schrill jubelnd die Arme in die Höhe, als hätten sie gerade von der Verlobung ihrer besten Freundin erfahren. «Mit Frauen ist es lustiger, das Klima ist echt ein anderes», sagt eine Teilnehmerin, die sonst eher mit Männern auf Tour geht. «Und wenn man sieht wie eine Frau eine schwere Stelle fährt, gibt einem das schon Sicherheit.» Die erste Erkenntnis: In reinen Frauengruppen ist die Stimmung definitiv anders. Das gilt für’s Kaffeekränzchen genauso wie für den Trailausflug. Die Atmosphäre führt zu Erfolgserlebnissen mit denen sich Frauen später auch in gemischten Gruppen sicherer fühlen.

Keine Angst vor der Angst

Die zweite Erkenntnis folgt gleich auf dem nächsten Flachstück: Im Dahinrollen plaudert Teilnehmerin Dyana mit Guide Anni über ihre Ängste beim Biken auf ausgesetzten Wegen. Es folgt ein kurzer Plausch und freundschaftliches Lachen bis das Vorderrad in den nächsten Spitzkehren-Abschnitt kippt. «Dieser Austausch ist super wichtig», erklären die Frauen unisono. Zugegeben: Über Ängste zu reden, ist nicht die grosse Stärke von Männern. Und Angst ist oft ein entscheidender Faktor, wenn es an knifflige Passagen geht. «Meine ersten Sprünge habe ich nur mit Frauen gemacht. Wenn Männer dabei sind, stresst mich das», sagt Dyana. Frauen müssen Probleme oft anders lösen, meint sie. Da fruchten die gutgemeinten Tipps von Mitfahrern nicht immer – auch wenn der klassisch männliche Spruch «Geschwindigkeit stabilisiert» viel Wahres hat.

Gefährlicher Ehrgeiz

Aber nicht immer steht ein starker Kerl einem schwächeren Mädel gegenüber. Eine Frau, die auf dem Trail schneller unterwegs ist – das packen die wenigsten Männer. «Wenn ich als Frau einem Mann in der Abfahrt am Hinterrad klebe, geht das oft nicht gut aus. Da habe ich schon haarsträubende Dinge erlebt», sagt Specialized-Botschafterin Julia Schade. «Gasgeben und die Dame abhängen», heisst dann die Devise im klischeehaften Männerkopf. Ist die Frau zu schnell endet der gemeinsame Run für den Mann oft schmerzhaft. «Nach dem dritten Sturz eines Vorherfahrenden habe ich echt keine Lust mehr gehabt und lieber selbst geschoben», erzählt Julia stirnrunzelnd. Ausnahme oder Alltag?

Bei all den Problemen und Schwierigkeiten: Nachdem sich Mann und Frau unter ihresgleichen ausgetobt haben, freuen sich beide auch wieder auf eine gemeinsame Ausfahrt. «Manchmal funktioniert das auch ganz prima», sagt Maria Müller. Also bleibt doch noch Hoffnung auf entspannte Bikerunden mit Männlein und Weiblein. Und die bikenden Herren haben die Möglichkeit, weiter an ihrem Samariter-Image zu feilen.

Geschlechtertrennung oder gemischte Gruppen – wie gehen Sie am liebsten auf Tour? Welche Probleme erleben Sie dabei? Konkurrenz bei Männern, Miteinander bei Frauen: Vorurteil oder Realität?

17 Kommentare zu «Girlsride – ohne Männer geht’s besser»

  • Hans Hintermeier sagt:

    Man stelle sich vor, es gäbe einen Artikel mit dem Titel „OHNE FRAUEN GEHT ES BESSER“. Der Aufschrei/Shitstorm wäre gross. Ich glaube so ein Artikel würde erst gar nicht veröffentlicht werden, ist nicht politisch korrekt. Aber bei den Frauen ist es natürlich wieder etwas ganz anderes, es ist ja modern auf den Männern herumzuhacken, sie als asozial usw. darzustellen. Mit Männern kann man es heute ja noch machen. Ich habe vor allem Frauen getroffen, die mit jedem Mann einen Wettbewerb angefangen haben, weil sie unbedingt beweisen mussten, dass sie emanzipiert sind und auf jeden Fall alles besser können als Männer (oder sonst mind. gleich gut). Dies hören sie ja ständig durch die feministische Artikel/Bildung (Frauenpower!).

  • Seit nun 6 Jahren betreibe ich die Touren-Community bike on rocks. Ein Frauenanteil auf den monatlichen Touren von teilweise mehr als 50% ist ein Beweis dafür, dass es auch harmonisch zwischen Männlein und Weiblein auf gemeinsamen Touren zu und her gehen kann. In dieser Zeitspanne habe ich als Guide 70 Tagestouren, 4 Bikewochen und 6 Technikkurse geleitet – und ganz ehrlich gesagt noch nie den Eindruck gehabt, dass sich Frauen bei uns nicht wohl fühlen.

    Ich meine „ohne Männer geht’s besser“ ist ein Vorurteil, dass nicht in allen Gruppen zutrifft. Ich als Guide bin aber auch froh, dass unsere Community so ausgeglichen ist.

    Männer fahren nicht besser, Männer fahren mit weniger Angst – Frauen aber sehr oft eine souveränere Linie.

    • maia sagt:

      Vermutlich liegt Ihr Erfolg darin, dass Sie Touren für Frauen und Männer anbieten. Bei Girls (=weibl. Kinder) und Männer sähe es vermutlich auch anders aus. Sollte der Autor des Blogs mit Girls Frauen (weibl. Erwachsene) gemeint haben, so zeigt er mit dem Ausdruck, dass er offenbar Frauen nicht für voll nehmen kann. Auch dann wird es natürlich in gemischten Gruppen schwierig.

  • Ich meine 5 erfolgreiche Bikesaison von bike on rocks mit einem Frauenanteil von teilweise mehr als 50% beweisen, dass Männlein und Weiblein sehr wohl auf gemeinsamen Touren Spass haben können

  • Heddi sagt:

    In der Pädagogik ist es schon längst bekannt, dass gelegentlicher geschlechtergetrennter Unterricht in den MINT-Fächern sich positiv auf Selbstvertrauen und Leistung auswirkt, und zwar bei beiden Geschlechtern. Das ist nicht wertend, es braucht keinen Schuldigen, es muss kein Dauerzustand werden – man kann es tiefenpsychologisch analysieren, muss man aber nicht, denn es ist einfach so. Ich sehe nicht, warum sich das nicht auch auf den Sport übertragen liesse, und vor allem sehe ich nicht, warum sich einige (männliche) Kommentatoren dadurch offensichtlich persönlich angegriffen fühlen.

  • weiblicher gast sagt:

    Wo geht es in dem Artikel um Probleme, sei es beim biken oder der Integration in gemischten Gruppen?! Da sieht man gleich wieder die stereotype Denke =)

    Es wird doch lediglich das Phänomen geschildert, dass unter reinen Mädels-Radlgruppen eine andere Stimmung herrscht wie in einer reinen Männergruppe, oder wie in gemischten Gruppen. Normal! Kann ich so aus eigener, jahrelanger Erfahrung auch bestätigen. Und gerade wenn man als Mädel eine (für einen selbst schwere) Schlüsselstelle knacken will, kann einen so ein lustiger, ermutigender Hühnerhaufen durchaus besser motivieren wie die eher kritischen Blicke von den männlichen Mitbikern ;)
    Hier plädiert auch keiner für geschlechtergetrenntes biken, im Gegenteil. Aber es ist ne Erfahrung wert nen reinen Mädelsride mitzufahren! Also traut euch auf die Trails, Mädels!

  • Dyana sagt:

    Gendertussi:-)Super Aussage! Ich fühl mich einfach mal angesprochen. Komm doch mal mit mir radeln…! Dann weißt du, dass es mal so ganz und gar nicht passt! Es geht doch ums Generelle und nicht um die Situationen, die es natürlich auch gibt, in denen es mega gut ist einen Mann mit Geschwindigkeit und oft mehr Arsch in der Hose (leider oft auch knackiger, aber das liegt an der Verteilung von Fett und Muskulatur) als Frau selbst, vor sich zu haben, der einen einfach mitzieht! Und biken zu gehen, um sein Selbstwertgefühl aufzupolieren, wäre echt schade! Es geht viel mehr um Spaß! Also so aus Frauensicht:-) Trotzdem hast du auch ein bisschen Recht, den gerade Komplimente von Männern find ich ziemlich cool. Jungs, manchen von euch fehlt einfach die Geduld und das Heititeiti-Gen, um uns so lange zu motivieren und dabeizubleiben, dass wir mit einem Lächeln im Gesicht springen, ohne uns zu sagen, „Ne, tzt warten die schon wieder so lange auf mich..!“ Kennt ihr doch vom Shoppen mit uns oder vom Schminken oder von tausend anderen Sachen;-). Das ist von Frau zu Frau manchmal echt einfacher. Aber keine Angst, ich hab euch gern dabei, einfach nur so, weil ich gern mal mit Jungs abhänge, euch gern zuschaue, weil ich Jungs ziemlich mag, so aus Frauensicht:-) Außerdem ist es, nicht nur für den Notfall, echt cool euch dabei zu haben, denn Reifen flicken kann ich irgendwie nicht so gut. Ehrlich gesagt habe ich mich nie drum gekümmert es zu lernen, weil ihr immer sofort zur Stelle seid. So geht das zwischen Mann und Frau. Dafür kümmern ich mich ausgiebig darum das mein Rad glänzt, die Klamotten schön sind und am besten auch noch ideal zum Rad passen und ich darin immer noch weiblich und chic aussehe;-) Davon habt ihr dann auch was. Schließlich umgebt ihr euch doch im Normalfall sehr gerne mit Frauen, die wissen, wie es geht, eine Frau zu sein! Nebenbei schreibe ich übrigens einen Fashionblog;-) Ach, und weil ich nur zum Spaß radeln gehe, hab ich generell nie das Gefühl versagt zu haben, wenn ich mich mal etwas nicht traue:-) #jungsichstehaufeuch#boysforever#blabla#emanzipationist60er#letsgetlost#specialized#yourrideyourrules#schißedernagellacksplittert#werbinich#boysboysboys#tragtcoolereklamotten#reifenwechselnleichtgemacht#yoursocool#girlsgottoeat#callitcool#

  • Martina Kathriner sagt:

    Sehr interessant finde ich, dass bislang nur Kommentare von Männern abgegeben wurden. Damit das nicht so bleibt, möchte ich meine Sicht als leidenschaftliche Bikerin einbringen. Ich fahre sehr gern und viel mit dem MTB und auch mit dem Rennrad. In gemischten Gruppen zu fahren finde ich ebenso nett wie gemeinsam mit meinem Partner unterwegs zu sein. Was mir an mir selbst auffällt ist, dass ich in einer Gruppe generell etwas risikofreudiger fahre und von den anderen Mitfahrern doch immer wieder lernen kann- und- es macht einfach noch mehr Spass. Vor allem sind in einer Gruppe meist unterschiedliche Leistungslevels vorhanden und so findet man immer jemanden, der in etwa gleich stark fährt wie man selbst. Ich bin nun aber jemand der stets versucht sein Niveau in konditioneller aber vor allem auch in technischer Hinsicht zu verbessern und gebe mich nicht gern zufrieden. Mein Partner ist für mich in dieser Hinsicht ein großer Ansporn, weil er definitiv immer noch besser fährt als ich. Ich glaube man sollte nicht generalisieren und alle Frauen bzw. Männer in einen Topf werfen. Es gibt eben unterschiedliche Ansätze und Bedürfnisse. Ich kenne sehr mutige Frauen und ebenso gibt es Männer die ängstlich agieren beim Bergabfahren. Wichtig ist, dass man bereit ist dazuzulernen, egal ob Mann oder Frau. Was ich allerdings bestätigen kann ist, dass es ab einem gewissen Level schwieriger wird Frauen zu finden, die mitmachen und bereit sind sich auch der Herausforderung und der eigenen Angst (die haben Männer und Frauen wohl gleichermaßen) zu stellen. Das könnte natürlich auch an der Altersgruppe liegen der ich angehöre. Ob es stressig ist oder nicht mit jemand zu fahren hängt meiner Ansicht nach im Wesentlichen vom Unterschied des Fahrkönnens sowie von der Toleranz ab mit diesem umzugehen und weniger vom Geschlecht. Den größten Stress macht man sich meist selbst- nämlich dann, wenn man sich unter Druck setzt und schlecht fühlt, weil man eine schwierige Stelle mal nicht fährt und der Andere schon. Meist sehen die stärkeren Teilnemer einer Gruppe das viel entspannter als der Betroffene selbst. Mein Partner und ich haben hier gute Strategien entwickelt, damit es für beide passt. Es gibt aber auch Tage da möchte ich mal alleine oder eben mit einer Freundin fahren. Es sind ganz unterschiedliche Erlebnisse für mich, die keiner Wertung bedürfen.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Aber die Bike-Marathons werden dieses Jahr schon noch gemischt sein, hoffe ich. Oder sind die deswegen auch schon ein Problem? Warum liegt eigentlich der Männeranteil in sämtlichen Extrem- und Risikosportarten (wie z. B. am Red Bull Rampage alljährlich zu sehen ist) weltweit bei über 90 Prozent?

  • Jane Bissig sagt:

    Die reflexartigen, negativen Kommentare sind ziemlich selbstentlarvend. 1. Der Text ist von einem Mann geschrieben. (Ob er sein „Frau-Sein“ schn entdeckthat oder nicht, weiss ich allerdings nicht.) 2. Wird den Männern keine Schuld an überhaupt nichts gegeben. Es heisst einfach, dass manches unter Frauen leichter geht als in gemischten Gruppen. 3. Ist es nicht an Männern, zu beurteilen, ob es den Frauen in ihrem Bekanntenkreis nie so geht, wie im Text beschrieben, sondern an ebenjenen Frauen.

    • Danke für das erste weibliche Statement hier Jane. Kann dir nur voll zustimmen!!!
      Mir geht es in Männerrunden bzw. gemischten Runden immer wieder mal so, wie oben beschrieben, und ich hatte trotzdem tolle Bikeurlaube und Ausfahrten mit Freunden (gemischt). Manchmal geht einem das oben beschriebene Getue einfach auf die Nerven – denn ja, bisher ist es noch in jeder gemischten Partie zu der einen oder anderen oben beschriebenen Situation gekommen, zumindest in meinem Umfeld. Und deswegen genieße ich gelegentliche „girls only“ Ausfahrten und speziell auch Techniktrainings. Nicht immer, aber immer wieder gern!

  • Markus Oppliger sagt:

    man kann Probleme mit Hilfe von Klisches auch suchen, wo es keine gibt. Schlussfolgernd aus dem Artikel muss man sagen, es liegt an den Frauen selber. Wenn Frauen sich nicht trauen, wenn Männer dabei sind, dann besucht doch erst einen Kurs, wo ihr euer Selbstwertgefühl aufpolieren könnt! Den Männer die Schuld am eigenen Versagen in die Schuhe zu schieben, ist schon etwas billig und an den Haaren herbei gezogen.

  • Öu.
    Bla bla bla einer Gender-Tussi, welche das Frausein noch nicht entdeckt hat.

  • Christoph Bögli sagt:

    Ziemlich klischeegetränkt, die Perspektive im Artikel. Natürlich mag es das in spezifischen Fällen geben, aber so zu generalisieren wie das Jürg Buschor tut (die verbissenen Männer, die ängstlichen Frauen) wirkt doch eher vorgestrig. Zumindest entspricht das nicht wirklich meinen Erfahrungen. In meinem Bekanntenkreis lassen sich – ausser bei den physischen Vorteilen, die Männer tendenziell haben – kaum Unterschiede ausmachen, bei Mut, Verbissenheit, Wettkampfdenken, „Hardcore-sein“, etc. sehe ich keine geschlechtsspezifischen Muster. Entsprechend sah ich auch nie, dass Frauen Probleme gehabt hätten, sich in gemischte Gruppen zu integrieren. Was sogar in Sportarten wie Eishockey klappt, sollte bei sowas wie Downhill/Mountainbiking nun wirklich kein Problem sein. Ausser man ist halt auf beiden Seiten in Geschlechterstereotypen gefangen..

    • Sabine Meier sagt:

      Einverstanden! Ich gehöre zwar definitiv zu den Frauen, die auf dem Bike schnell Angst haben, hatte aber nie Probleme mit meinen männlichen Begleiter, sie hatten immer genug Verständnis für meine Schwierigkeiten und Ängste. Ihre Tipps sind manchmal hilfreich, manchmal nicht – wie bei Frauen auch. Und sie müssen halt einfach von Zeit zu Zeit mal warten, bis ich auch unten bin :-) Ich sehe da kein Problem.

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