Um jeden Preis ins Guinnessbuch


Natalie Eckert aus Stoke-on-Trent ist nächstes Wochenende am London Marathon auf Rekordjagd. Anders als Tausende der Teilnehmer will sie aber nicht möglichst schnell ins Ziel kommen. Sie will der erste Mensch sein, der die 42,195 Kilometer in hochhackigen Schuhen zurücklegt. Ihre «Laufschuhe» haben 12-Zentimeter-Absätze. Die 37-Jährige strebt damit einen Eintrag ins «Guinnessbuch der Rekorde» an.

Mehr als «15 Minuten Ruhm» wird die Engländerin damit nicht erreichen. Im Gegenteil: Man muss nicht Mediziner sein, um sich vorzustellen, was sie damit ihrem Körper antut. Jede Frau, die längere Zeit High Heels trägt oder darin eine halbe Nacht durchtanzt, weiss, welche Qualen die Füsse leiden. Und jeder Läufer, der die Marathondistanz geschafft hat, weiss, welchen Strapazen seine Gelenke und Muskeln ausgesetzt sind. Die Kombination von hochhackigen Schuhen und der Marathondistanz kann für die Fussgelenke, Knie und Hüften fatal sein. Auch wenn die Läuferin trittsicher ist, bei jedem Schritt wird die harte Landung auf dem Asphalt ihren Tribut fordern, gnadenlos und auf den vollen 42 Kilometern. Die gesundheitlichen Schäden, die Eckert mit grosser Wahrscheinlichkeit davonträgt, wird sie bedeutend länger als 15 Minuten zu spüren kriegen.

Die Engländerin hat wohl keine Ahnung, worauf sie sich einlässt. Wie auch: sie hat bisher noch keinen Marathon bestritten. Die Distanz ist in herkömmlichen Laufschuhen und für Routiniers oft unberechenbar. Am Tag X muss von der Verdauung bis hin zur mentalen Verfassung vieles stimmen, damit alles gut läuft – und das auch ohne erschwerende Umstände. Eckert selbst gibt an, in London auf ihren Absätzen die 5-Stundenmarke knacken zu wollen und stützt ihre Berechnung auf ihre Halbmarathonzeit von 2:17 Stunden. Wenn alles nach Plan läuft, ist die 5-Stundenmarke damit durchaus realistisch – in normalen Schuhen. Für mich steht fest: Die Frau hat auf jeden Fall eine Rekordauszeichnung verdient – jene des dümmsten Läufer-Rekords der Geschichte.

Natalie Eckert ist aber nicht die Einzige, die sich in London einen Platz im «Guinnessbuch der Rekorde» sichern will:

  • Marc Jenner, 39, aus Tunbridge Wells, hat es nicht leicht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er will die Marathondistanz mit einem 36 Kilogramm schweren Rucksack zurücklegen und dabei schneller sein als 5:58,58 Stunden. Sein Rücken lässt grüssen.
  • Jerry Knox, 45, aus Los Angeles, will die 42,195 Kilometer zwei Basketbälle dribbelnd zurücklegen. Er muss für einen Eintrag ins Guinnessbuch schneller laufen als 4:39,12 Stunden.
  • Justin Hennessey, 44, aus Gravesend, will der schnellste laufende Boxer sein. Er hat sich dazu entsprechend verkleidet und muss vor 3:35,34 Stunden im Ziel sein.
  • Andrew Smith, 36, aus London, hat sich ebenfalls kostümiert. Er tritt als Kaktus an. Seine Konkurrenten sind sämtliche anderen Pflanzen. Er muss für einen Rekordbuch-Eintrag unter 4:30 Stunden bleiben.
  • Ian Bates, 44, aus Crawley, ist wohl einer der Teilnehmer, die am meisten leiden werden. Er buckelt nämlich in London ein Dinosaurierkostüm. Er muss für einen Eintrag ins Rekordbuch die 5-Stunden-Marke knacken.
  • Debbie Leeland und Paula Marshall, beide 33, aus Yately und Billings Hurst, können nicht ohne einander. Sie treten an, um den Rekord der «Dreibeinigen» zu knacken. Dazu sind sie an einem ihrer Beine aneinander festgemacht. Sie müssen nach 4 Stunden und 30 Minuten im Ziel sein.
  • Adam Jones, 28, aus Sussex, will der schnellste Marathon-Kobold der Welt werden. Er hat sich das entsprechende Kostüm beschafft – inklusive Bart. Jones muss eine Zeit von 3:09,40 Stunden unterbieten.
  • Thomas Bolton aus Loughborough will die schnellste Marathon-Telefonzelle sein. Die sperrige Verkleidung dürfte ihn bei den Verpflegungsstationen nicht zum beliebtesten Mitläufer machen. Er muss den Rekord von 5:54,52 Stunden brechen.
  • Gemma Kirkham, 33, aus Bedford, will nicht nur die schnellste Mona Lisa sein. Sie will der schnellste Mensch sein, der als Bild verkleidet die Marathonstrecke zurücklegt. Sie muss dazu eine Zeit von 4:30 Stunden knacken.
  • Andy Church, 51, Heather Smith, 49, und Laura Jones, 40, aus Witney, treten in der Kategorie «Kostüm mit drei Personen» an. Sie müssen eine Zeit von 5:45 Stunden unterbieten.

So trainiert Natalie Eckert für den Marathon. Video: Ruptly TV/Youtube

5 Kommentare zu «Um jeden Preis ins Guinnessbuch»

  • Roger sagt:

    Na denn, alles Gute…ich weiss noch, wie sich meine Knöchel, Sohlen, Knie und Leisten nach einem Marathon in professionellen Laufschuhen angefühlt haben – will mir gar nicht ausmalen, wie es ihr gehen wird…

  • Gabriela sagt:

    Frau Wertheimer, das ist eine TARDIS, keine Telefonzelle (die wäre rot).

  • adi sagt:

    „…und stützt ihre Berechnung auf ihre Halbmarathonzeit von 2:17 Stunden.“ Mit oder ohne High Heels?!!! Im ersteren Fall: Chapeau! Auch wenn`s natürlich dämlich ist und mit Sport nichts zu tun hat.

  • Michaela sagt:

    7 Stunden auf High Heels laufen? Ich schaffe nicht mal eine Stunde ohne Schmerzen. Also wenn Nathalie Eckert es wirklich schafft, dann wäre sie mein nächstes Idol! Viel Glück!

  • Rolf Kägi sagt:

    Tja Pia, wir Marathonis wissen bestens, worauf sich die Gute da einlässt. Habe gestern in Zürich wieder einmal festgestellt, dass auch ein Marathon in guten Schuhen immer wieder ein Abenteuer ist. Für Natalie Eckert wird dies aber ein Himmelfahrtskommando werden. Nun, lieber sie als ich ;-) Bin gespannt auf das Ergebnis.

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