Splitboard – eine geteilte Freude

Ein Beitrag von Jost Fetzer*

Tipps und Tricks im Umgang mit dem Splitboard. Video: Vimeo.

Der Trend kann nicht mehr übersehen werden, denn plötzlich sind sie auf allen Bergspitzen anzutreffen. Wie früher in den 80ern, als plötzlich jeder Hipster einen Monoski fuhr, oder in den 90ern, als ganze Horden von Big-Foot-Fahrern die Après-Ski-Bars bevölkerten und so schnell wieder verschwanden, wie sie aufgetaucht waren.

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Halb Board, halb Ski. Bild: Flick.com

Das wirklich heisse Gerät des aktuellen Jahrzehnts aber nennt sich Splitboard: ein längs teilbares Snowboard, das mit entsprechender Bindung und Fellen das Touren wie auf Ski erlauben soll. Bereits Ende des letzten Jahrtausends tauchten Berichte auf über das Board, das die unendliche Freiheit verspricht. Und ebenso lange hält sich das Gerücht, dass ein zersägtes Snowboard nicht doppelte Freude bedeutet, sondern doppeltes Leid. Unterdessen sollen die Splitboards und die Bindungssysteme jedoch so weit ausgereift sein, dass sich selbst ein Skeptiker die Frage stellen muss: Kann das Splitboard die Schneeschuhe ablösen?

Eine Meinung muss her und ein Splitboard! Letzteres kann bei der Zürcher Manufaktur Radical gemietet und ausgiebig getestet werden. Der erste Eindruck ist durchwegs positiv: Die Verarbeitung ist top, die beiden Bretthälften lassen sich passgenau und leicht zusammenfügen, und die montierte Spark-Bindung ist überraschend steif. Auch das Systemgewicht von knapp 6 kg inklusive Fellen ist akzeptabel für ein Brett von 166 cm Länge.

Am Pizol erwarten mich ideale Testbedingungen: Neuschnee, Wind, Wolken und keine Spur auf den Gipfel. Im Aufstieg bis zur Wildseeluggen gewöhne ich mich an die überdimensionierten Ski mit 132 mm unter der Bindung. Die erste Herausforderung ist die kurze Abfahrt mit offener Bindung und Fellen runter zum Wildsee. Ein Umrüsten des Boards für diese kurze Strecke lohnt sich nicht, doch die Fahrt wird kein Vergnügen. «1:0 für die Schneeschuhe», denke ich und ziehe meine Spur über den tief verschneiten See hoch zum Gletscher. Hier spielt das Splitboard seine Trümpfe aus: Kraftsparend gleiten die zwei Hälften über den unberührten Pulverschnee. Mit Schneeschuhen wäre das Spuren eine Qual.

Nebel zieht auf, es beginnt zu schneien, und der Gletscher wird steiler. Beim Traversieren finden die Ski selbst im Neuschnee nur schlecht Halt: Der Kantendruck ist schwach, zu breit sind die Ski und zu indirekt ist die Kraftübertragung von Softboot und -bindung. Am 30 Grad steilen Gipfelhang helfen zuerst noch die Harscheisen. Die Zacken der Schneeschuhe würden locker greifen, die breiten Harscheisen des Splitboards hingegen versagen ihren Dienst im abgeblasenen Hang. Das Vertrauen ins Splitboard schwindet, also kommt das Brett auf den Rücken, und die letzten Höhenmeter bis zum Skidepot müssen zu Fuss zurückgelegt werden.

Noch nicht ganz überzeugt stehe ich auf dem Pizol und baue das Board zusammen. Selbst mit Handschuhen dauert der Umbau nur ein paar Minuten. Nun muss mich die Abfahrt überzeugen, oder das Thema Splitboard ist ein für alle Mal erledigt. Und siehe da, im Tiefschnee spielt das Brett seine Stärken aus, fährt spielerisch und doch mit Biss und hat Auftrieb ohne Ende.

Versöhnt biege ich zum Schluss der Tour auf die Skipiste ein. Vermag das Splitboard auch auf hartem Schnee zu überzeugen? Der Schnitt längs durch das Brett lässt die Nose bei höheren Tempi flattern, und folglich ist der Kantengriff weniger präzis und aggressiv als bei einem vergleichbaren Brett. Ist das Splitboard ein klassisches Zweitboard? Wahrscheinlich ja, doch wer erst mal mit Snowboardtouren angefangen hat, der wird nicht mehr häufig auf die Piste zurückkehren – egal ob mit Splitboard oder mit Schneeschuhen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Splitboards, oder sind Sie ebenfalls überzeugter Schneeschuh-Snowboarder?

jost *Jost Fetzer ist Bildredaktor beim «Tages-Anzeiger» und passionierter Berggänger.

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8 Kommentare zu «Splitboard – eine geteilte Freude»

  • Richard Chrenko sagt:

    So neu ist der Splitboard dann auch schon nicht. Im Frühjahr 2001 war ich mit einem schweizer Bergführer in den kanadischen Rocky Mountains unterwegs – ich mit Tourenski und er mit Splitboard. Leider musste ihm der Heli wegen eines Bruchs der Klappbindung schon am zweiten Tag einen neuen Board rauffliegen! Hoffentlich hat man in den letzten Jahren etwas dazugelernt…

  • Hallo!

    Ich muss Joe Weiss Recht geben. Auf das richtige Material kommt es an! Da die Anschaffung einer kompletten Ausrüstung aber teuer ist, bieten wir allen Interessenten die Möglichkeit, dieses an unserem Festival (dieses Wochenende in Kandersteg) ausführlich zu testen. So können verschiedene Modelle verglichen und mit anderen Spitboardern getestet werden. Wer einmal ein passendes Splitboard gefunden hat, kehrt nicht freiwillig zu Schneeschuhen zurück!

    Frohes Touren wünsche ich euch allen!

  • hallo mitenand

    einige kollegen von mir machen alle touren mit dem splitboard mit.
    und das geht prima. ich sehe keine nachteile.

    ich wünsche allen gute touren.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Gino Ramsch sagt:

    Das Problem ist doch das meistens die Abfahrten nicht am Stück steil sind. Es gibt immer wieder flache abschnitte. Da kann man sich mit den Skis einigermassen stossen und weiterkommen. Mit Splitboard oder Schneeschuhe ist man immer am A* leider. Klar kann man Touren speziell für Snowboard planen aber da entfällt ein grossen Teil!
    Ich habe nach 2 Jahren aufgegeben und auf Skis umgestellt, mein Herz weinte aber es musste sein. Habe nach einem langen Aufstieg zu oft fluchen müssen in den flachen abschnitten!

    • Da kann ich nur empfehlen mal einen Blick in den SKI & SNOWBOARD TOUREN ATLAS zu werfen…da gibt es vorwiegend Knallerabfahrten ohne Flachstellen, oder sonst sind diese entsprechend markiert.

      Wir haben alles mit dem Splitboard gemacht…und wenn es sein muss fahren wir damit ab wie mit Skis – es ist alles eine Frage der Übung.

  • Dan sagt:

    Ich fahre seit zwei Jahren ein Splitboard von Jones und würde nie mehr auf Schneeschuhe zurück. Die Aufstiegszeit verkürzt sich und Probleme mit fehlendem Kantendruck lassen sich durch ein Band um den Highback beheben. Auch die gewellten Kanten verbessern die Griffigkeit. Beim Fahren auf der Piste merke ich keinen grossen Unterschied zu einem klassischen Brett, ich kann damit carven und auch hohe Tempi sind kein Problem.

  • Joe Weiss sagt:

    Lieber Jost Fetzer, da muss ich – als passionierter Splitboardgänger, seit Jahren, und seit noch viel längeren Jahren Schneeschuhgänger mit Snowboard auf dem Buckeltrager (und regelmässig auch Skitourengänger) an einigen Stellen vehement wiedersprechen. Bei RICHTIGER Lauftechnik ist das Gehen und Traversieren, auch bei arg abgeblasenen Stellen, kein Problem. Die Harscheisen (ich weiss nicht, was für ein Modell Bindung/Eisen Sie testeten) greifen hervorragend und auch die Bindung ist eine (im Vergleich zu vor 15 Jahren) ausgeklügelte, stabile und angenehme Sache. Hervorragend auch, dass man einfach «vom Board steigen kann», im Aufstieg und mit der Bindung am Fuss auch z.B. bei einer Alphütte auf die Terasse sitzen kann um den Imbiss zu geniessen.
    Die Schneeschuhe in Ehren, doch DIE geraten bei Neuschneeverhältnissen sehr rasch an ihr Ende. Zudem stellt das Board am Rücken (das habe ich selber schon ca. 5, 6 mal erlebt) eine Gefahr dar, an die man im Hochgebirge kaum denkt, solange es windstill ist: Die Angriffsfläche des Boardes ist ENORM… Schon zwei mal wurde ich fast von einem an sich harmlosen Grat runtergeblasen, da plötzlich der Föhnsturm einsetzte.
    Und: Als Snowboarder der ersten Stunden, in der CH, muss ich den heutigen Splitboards ein «absolut mit den Nichtsplitboards vergleichbares Fahrverhalten» attestieren, zumindest «neben der Piste». Und um das geht es ja, beim Touren…

    Nicht falsch verstehen: Wenn «irgendein Splitboard-Modell, mit irgend einer Bindung» einmal getestet wird… kann ja eigentlich kein objektives Urteil gefällt werden. Daher: Ein Splitboard ist – gerade zusammen mit Skitourenfahrern unterwegs – eine ECHTE und gute Alternative.

  • Martin sagt:

    Ich waere schon froh ohne Schmerzen Ski fahren zu koennen. Alle Skischuhe die ich bisher anprobiert habe drucken enorm gegen das Schienbein. Es gibt diese Firma Mass-Skischuhe die wollen fuer ein paar massgeschneiderte Schuhe CHF 600-1500!!

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