«Ich tankä mi grad a dir uif»

Diese Woche die Winterwanderung Wirzweli–Gummenalp (NW).


Dallenwil, ich steige aus und stelle fest, dass alle andern im pumpenvollen Zug wohl nach Engelberg wollen. Nur zwei Leute stehen mit mir auf dem Perron. Schneeschuhler.

Wir queren die Schienen, und ich sehe eine Tafel mit einer Telefonnummer: 041 628 23 94. Ein Gratis-Shuttle-Bus zur Wirzweli-Bahn. Während ich noch überlege, ob ich laufen oder fahren soll, hat der eine Schneeschuhler bereits das Handy gezückt. Ich schliesse mich an.

Fünf Minuten später kurvt der Bus heran, wir steigen ein, es geht ein gutes Stück den Hang hinauf zur Talstation, zu Fuss wären das 20 Minuten. Die Frau-am-Steuer parkiert, wechselt ins Bahngebäude und verwandelt sich in die Frau-am-Billettschalter. Alles hübsch familiär hier. Mit dem GA ist die Bergfahrt gratis.

Sie klappern los

Wir gondeln zum Wirzweli hinauf, gut 1220 Meter über Meer, einer Nidwaldner Ferienterrasse unter dem Stanserhorn, deren Namen ich nicht erklären kann. Die Schneeschuhler montieren ihre Kunststoffbretter und klappern los. Ich nehme vorerst einen Kaffee im Restaurant der Bergstation, schaue hinab auf Dallenwil und den Wiesenberg gegenüber, der seine eigene Miniseilbahn hat. Von ihm kommt jener Jodlerclub, der mit seiner Version von «Ewigi Liäbi» («Ich tankä mi grad a dir uif») in die Hitparade kam.

Das Prospektlein der Seilbahn in der Hand, auf dem der Winterwanderweg zur Gummenalp eingezeichnet ist, starte ich. Vorerst muss ich zur Talstation der Gummenbahn. Hernach quere ich auf dem vereisten Strässchen ein kleines Bachtobel. Dann der braune Wegweiser, der vom Strässchen links in den Hang Richtung Langboden zeigt.

Eine gewalzte Piste führt mich via Huismatt aufwärts, bald passiere ich das Alprestaurant Langbodenstubli. Es besitzt eine eigene Mini-Seilbahn zur Eggalp, die derzeit aber ausser Betrieb ist. Kein Problem, denn ich will ja auf die Gummenalp. Die Gehpiste, die streckenweise mit der Schlittelpiste zusammenfällt, zieht bald in der Falllinie bergwärts, praktisch unter der defekten Eggalp-Bahn. Ich keuche und schwitze.

Schliesslich dreht mein Weg links ab Richtung Gummenalp. Herrlich, die Berge der Umgebung: Buochserhorn und Stanserhorn und Pilatus und Gräfimattstand; es ist ein Sehvergnügen. Ganz weit im Norden dampft es. Derweil ich überlege, ob die Fahne des AKW von Gösgen poetisch sein kann und darf, erreiche ich die Ronenhütte. Von ihr könnte ich – auch ein offizieller Winterwanderweg – zur Eggalp und retour laufen.

Mutter füttert Pommes frites

Ich verzichte auf den Abstecher. Hat nicht auch ein Wanderkolumnist bisweilen das Recht auf eine kurze Unternehmung? Am Vortag war ich im Jura unterwegs und habe müde Beine vom strengen Abstieg. Und so kommt es mir recht, dass ich nach herrlich bequemem Finish praktisch geradeaus die Gummenalp erreiche, 1579 Meter über Meer.

Das Restaurant ist offen, es hat wenig Leute, eine vierköpfige Familie sitzt da, die Mutter füttert dem Buben Pommes frites, der Vater schaut in die Luft. Ich auch; es ist schön, sich zu entspannen und gar nichts zu denken. Das Einzige, was mir hartnäckig durchs Hirn flirrt: Hunger! Bald habe ich meine Schweinsbratwurst mit Rösti vor mir. Es gibt Tage, die sind einfach gut zu einem, denke ich, als ich später mit der Gondel wieder hinab zum Wirzweli schwebe.

++

Route: Wirzweli, Seilbahn – Restaurant Waldegg – Seilbahn Gummenalp, Talstation – Abzweiger Langboden – Huismatt – Langboden – Dürrenboden – Ronenhütte – Gummenalp (Seilbahn, Bergstation). Offizieller, unterhaltener und gewalzter Winterwanderweg gemäss Prospekt.

Wanderzeit: 2 Stunden.

Höhendifferenz: 390 Meter auf-, 40 abwärts.

Wanderkarte: 245 T Stans, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Per Gondel von der Gummenalp nach Wirzweli (die Gondel fährt auf Verlangen).

Länger: Bei der Ronenhütte Abstecher zur Eggalp und retour. Zusätzlich 3/4 Stunden. Die Seilbahn Langboden – Eggalp (die man für diesen Abstecher nicht braucht) ist derzeit defekt.

Charakter: Angenehmes Winterwandern zuerst durchs Dorf Wirzweli, dann auf gewalzten Pisten. Der Mittelteil ist ziemlich coupiert. Zeitweise geht man auf dem Schlittelweg, Vorsicht! Über vereiste Stellen helfen Stöcke und Schuhkrallen. Äusserst aussichtsreiche Route mittlerer Anstrengung.

Höhepunkte: Die Gondelfahrt Dallenwil – Wirzweli mit Blick auf den Wiesenberg. Pilatus und Stanserhorn von der Ronenhütte aus. Ankunft und Einkehr im Bergrestaurant auf der Gummenalp.

Kinder: Keine Probleme. Vorsicht vor den Schlittlern.

Hund: Keine Probleme. Vorsicht vor den Schlittlern.

Einkehr: Wirzweli. Langbodenstubli, im Winter durchgehend geöffnet. Gummenalp, im Winter durchgehend geöffnet.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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