Zürich-nah und doch so einsam

Diese Woche von Dübendorf nach Illnau und Nänikon (ZH)

Das Samstagswetter wird mies sein, und daher setze ich am Donnerstag beim Planen noch vor der Route das Mittagsziel fest. Einen Gemütswärmer und Magenstreichler brauchen wir. Das Rössli in Illnau fällt mir ein, von dem ich viel Gutes gehört habe. Da gehn wir hin!

Samstag morgen, Wanderstart am Bahnhof Dübendorf. Wir halten zur nahen Glatt, schwenken nach links, es ist neblig, der Weg am Fluss ist zum Teil vereist.

Schnell sind wir aus dem Ort, bleiben nun aber lange am Wasser, bis zum Abzweiger nach Hermikon. Adieu Glatt. Über die Bahnlinie, und schon sind wir im Gfenn. Ein leeres Storchennest weckt unsere Neugier, nisten in ihm Störche? Eine Frau mit Hund verneint. Ganz in der Nähe gebe es aber zwei bewohnte Nester

Gfenn heisst Sumpf

Dann eine historische Mauerfassade mit stufig gezacktem Dachrand. Die Lazariterkirche steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert, war Teil eines Klosters. Die Laienbrüder des Lazarus-Ordens pflegten Leprakranke.

Das Wort Gfenn bedeutet Moor oder Sumpf. Tatsächlich langen wir beim Chrutzelried an. Das Ried und seine Tümpelchen sind die Hinterlassenschaft einstiger Gletscher und ihrer Moränenhügel. Das Chrutzelried enstand dort, wo Wasser von einem solchen Hügel ins Flache floss und eine Rinne bildete.

Schon lange starten und landen auf dem Militärflugplatz Dübendorf keine Armeejets mehr. Schade, denn wir tangieren sein östliches Ende und würden es lieben, wenn jetzt ein zackiges Kampfflugzeug so circa zehn Meter über uns in den Himmel stechen würde – Top Gun in Dübi.

Etwas aufwärts auf den Gfennerberg, etwas abwärts nach Kindhausen, etwas aufwärts zum Hochrain. Und wieder etwas abwärts zu den reizenden Moorseelein im Örmis und wieder etwas aufwärts zum Gstück in Ober-Illnau. Und wieder etwas abwärts nach Illnau.

Die nächsten zwei Stunden im Rössli sind Gaumenglück. Wir essen Wildschwein im Kartoffelmantel, Schnecken mit Kräutersauce, Kalbsburger, Entenbrust mit Zimtquinoa. Und wir trinken reichlich Wein. Ronja nimmt zum Schluss einen Grappa aus einem Hochstielglas, dessen Kelch gut 40 Zentimeter über dem Tisch thront.

Am Schluss des Essens verkündet Roland, dass er jetzt nach Hause geht, ins Bett. Wir anderen montieren unsere Jacken und ziehen weiter. Im Wildert freuen wir uns über einen recht stattlichen, bläulich überfrorenen Kleinsee. Dies ist das dritte Moorgebiet der Tour. Nahe an Zürich, direkt an der Agglo, ist das Gebiet doch erstaunlich einsam.

Massaker bei der S-Bahn

Via die Egg, wo man bei gutem Wetter garantiert grossen Alpenblick hat, kommen wir in den letzten Wald des Tages namens Näniker Hard. Kurz vor Nänikon dann führt uns der Wanderweg zu einem Denkmal. Die Steinpyramide mit Bronzetafel von 1842 erinnert an ein Massaker von 1444.

Damals, im Alten Zürichkrieg, einer vertrackt komplizierten Auseinandersetzung Zürichs mit den alten Orten der Eidgenossenschaft um das Erbe des Grafen von Toggenburg, kam es zur Belagerung der Festung Greifensee. Als sie, die zu Zürich hielt, gefallen war, befahl der Schwyzer Heerführer Ital von Reding der Ältere, dass alle Verteidiger zu töten seien. So geschah es. Auf der Wiese bei Nänikon, die seither Blutmatte heisst und drei Gehminuten vom heutigen S-Bahnhof Nänikon-Greifensee entfernt liegt.

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Route: Dübendorf, Bahnhof – Glatt – Uferweg bis Abzweiger Hermikon – Gfenn – Chrutzelried – Cherwis/Militärflugplatz Dübendorf – Gfennerberg – Kindhausen – Fröschen – Hochrain – Örmis – Ober-Illnau, Gstück – Illnau, Bahnhof – Illnau, Rössli – Illnau, Bahnhof – Wildert – Grindel – Weid – Egg – Gutenswil – Näniker Hard – Nänikon, Blutmatte – Bahnhof Nänikon-Greifensee.

Wanderzeit: 5 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: 260 Meter auf-, 250 abwärts.

Kürzer: Die Route zerfällt in zwei Etappen, die einzeln wanderbar sind. Dübendorf – Illnau: 3 3/4 Stunden. Illnau – Nänikon: 2 Stunden.

Wanderkarte: 225 T Zürich und 226 T Rapperswil, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Stadt- und agglonahes Wandern in erstaunlicher Natur. Viele Moorgebiete: Ried und Seelein. Bei gutem Wetter Alpenblick. Perfekt für den Winter.

Höhepunkte: Die winterliche Glatt. Die Lazariterkirche im Gfenn am Rand von Dübendorf. Das Chrutzelried. Der Zmittag im Rössli zu Illnau. Das Seelein im Wildert. Die Blutmatte von Nänikon.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Rössli Illnau. Täglich geöffnet. Reservieren!

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

1 Kommentar zu «Zürich-nah und doch so einsam»

  • Martin sagt:

    Die Gegend sieht gut zum Joggen aus. Zu dieser Jahreszeit sieht es halt etwas schwierig aus. Nach jedem Auftreten auf den verschneiten Waldboden rutscht man etwas zurueck. Aber es ist trotzdem ok. Irgendjmd hat hier mal erwaehnt, man muss sich nur genuegend warm anziehen. Das stimmt tatsaechlich.

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