Le Tour de Frenke

Diese Woche von Reigoldswil via Titterten und Richtiflue nach Waldenburg (BL)

Auf dieser von Nebel umwallten Wanderung lernte ich ein neues Wort. Auf der Richtiflue, einem ungemein markanten Baselbieter Jurakamm, trafen wir einen Jäger. Ihm zu Füssen lag ein toter Fuchs. Oder war es eine Füchsin? Wir fragten den Jäger. Er schaute nach und sagte: «Es ist eine Fähe.»

Ein weiblicher Fuchs ist eine Fähe. Wusste ich nicht. Oder habe ich es einst gelernt und wieder vergessen?

Gestartet waren wir in Reigoldswil, der Bus hatte uns von Liestal hingebracht. Wir waren nun im Tal der Hinteren Frenke. Und wir wollten nach Waldenburg im Tal der Vorderen Frenke. «Le Tour de Frenke», kalauerte ich.

Schnell waren wir aus dem Dorf, passierten einen Naturschutzweiher, kamen in den Flügraben. Die Ruine Rifenstein zur Linken – «Rife» gleich Rippe – besuchten wir nicht, zu steil und feucht der Aufstieg. Auf einer Tafel lasen wir, dass die Ruine sich auf drei Felssporne verteile. Dann nahm uns unser Geländeschlitz gefangen: Laub, ein Bächlein, ein schmaler Pfad, gestufte Abschnitte.

Der Politiker und «die Araber»

Ein Bienenhäuschen beschloss den Flügraben. Wir schauten genauer hin und merkten, dass es auch ein Bunker war, tief in den Grund betoniert. Bald darauf langten wir in Titterten an. Uns fiel einer ein, der von hier kommt: Miesch, Christian. Der Politiker aus Titterten, früher FDP, heute SVP, zog kürzlich zum dritten Mal in den Nationalrat ein, eine wechselvolle Karriere, drinnen, draussen, wieder drinnen, wieder draussen, nun wieder drinnen – und wenn ich aus der «Basellandschaftlichen Zeitung» einen Satz zitieren darf, mit dem Miesch sehr gerade begründete, warum er ein Solardach gebaut und sein Zweitauto verkauft hat: «Ich will den Arabern kein Geld mehr schicken.»

Via Baberten, Schuflenberg, Gagsen stiegen wir auf die Richtiflue; der stille Wald freute uns, andere Wanderer sahen wir nicht. Soweit wir überhaupt etwas sahen im Nebel. Auf dem Grat der Flue, wo es heller war, kamen uns Jäger entgegen, alle hundert Meter zwei, drei Mann. Treibjagd, sagten sie, etwas geschossen habe aber kaum einer. Der letzte Jäger war der mit der Fähe. Er gab uns gern Auskunft. Die Gummihandschuhe trage er, weil Füchse voller Krankheitserreger seien, sagte er. Das Fell abziehen und beizen lohne sich nicht, das Tierchen sei zu klein. Essen? Das machten höchstens die Bündner, die Fuchsschlegel trockneten und verzehrten.

Was er also mit der toten Fähe mache? «Entsorgen.»

Zum Abschluss eine Cremeschnitte

Wir wanderten weiter auf dem Grat, der sich immer mehr verschmälerte. Gefährlich war das nicht, aber doch abenteuerlich. Dann eine Fernmeldeantenne und der vorderste Punkt der Flue, direkt unter uns lag jetzt Waldenburg. Den mittelalterlichen Kern erblickten wir nicht; dafür moderne Wohnhäuser und die Burgruine Waldenburg gegenüber.

Einige Zeit später, nach steilem Abstieg, betraten wir durch ein Tor das Städtchen. Es verdankt sich der Tatsache, dass durch sein Tal einst der direkteste Weg von Basel zum Gotthard führte. Die Grafen von Froburg bezollten den Verkehr über den oberen Hauenstein, Waldenburg blühte. Wir bedachten dies kurz, wandten uns freudig wieder der Gegenwart zu, begaben uns in den Löwen und assen gut: Angus-Bratwurst mit Rösti und eine hausgemachte Cremeschnitte. Der Gang von der einen Frenke zur anderen hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Und nicht zum ersten Mal hat eine Wandertour meinen Wortschatz bereichert.

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Route: Reigoldswil, Dorfplatz (Bus ab Bahnhof Liestal) – Flügraben – Titterten – Egg – Baberten – Liedertswil (westlicher Ortsrand) – Gagsen – Richtiflue (bis zum vordersten Punkt 687 m) – Waldenburg – Waldenburg Bahnhof.

Wanderzeit: 3 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: je circa 500 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 5029 T Basel, Laufen-Olten (Zusammensetzung), 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit der Bahn von Waldenburg nach Liestal SBB.

Charakter: Grandioser Baselbieter Jura, viel Herbststimmung. Feuchte Pfade, zum Teil glitschig. Auf der Richtiflue muss man aufpassen, auch wenn der Weg nicht ausgesetzt ist.

Höhepunkte: Der Flügraben. Die atemberaubende Richtiflue mit dem sich verengenden Pfad. Der Tiefblick vom vordersten Punkt der Richtiflue über Waldenburg. Die Ankunft im Mittelalter-Städtchen Waldenburg.

Kinder: Gut machbar. Vorsicht auf der Richtiflue!

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: In Reigoldswil und Waldenburg und – sehr eingeschränkt – auch in Titterten (Sodhus-Beizli). Getestet und gemocht: Löwen in Waldenburg (Di und Mi Ruhetag)

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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2 Kommentare zu «Le Tour de Frenke»

  • Lia sagt:

    und kein Wort darüber verlieren, dass die arme Fähe nur zum Spass geschossen wurde.

    • Max Wartenberg sagt:

      Herr Widmer hat die Begegnung mit dem Jäger erwähnt, obwohl er die Option hatte, sie im Bericht auszulassen. Er hat also Worte darüber verloren, was ich positiv finde. Zudem handelt es sich hier um ein Wander-Blog, weitere Kommentare zum Thema „Jagd“ erübrigen sich.

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