Klassiker der Ostschweiz: Über Pragel und Ibergeregg


Tour de France und Rennbahn Oerlikon: Meine letzten Blogs drehten sich ums Zuschauen bei Radrennen, ums Auf-der-Tribüne-Hocken und Wurstessen. Um bei Ihnen keinen falschen Eindruck zu erwecken, habe ich eine meiner Lieblingsstrecken unter die Räder genommen – ein Ostschweizer Klassiker: von Glarus über Pragelpass und Ibergeregg nach Pfäffikon.

Ich mag keine langen, flachen Anfahrten, also überlasse ich die Anreise bis Glarus den SBB. Dort verweile ich nicht lange – zum Beispiel bei Zigerhöreli oder auf dem Landsgemeindeplatz –, sondern radle gleich los Richtung Klöntal. Kurz nach Beginn der Steigung biege ich bei einer Autogarage links ab. Während es auf der Hauptstrasse ins Klöntal am Wochenende viel Ausflugsverkehr haben kann, bin ich auf dem lohnenswerten Umweg über die Schwammhöchi fast allein. Zusätzlich werde ich hier bereits nach sieben Kilometern mit einer kurzen Abfahrt von hundert Höhenmetern belohnt – eindeutig eine Win-win-Entscheidung! Unten überquere ich den Staudamm des Klöntalersees und geniesse die erste Flachpassage dem Ufer entlang. Die Kulisse ist eindrücklich: 2000 Meter ragen die Wände des Glärnischmassivs mit dem sagenumwobenen Vrenelisgärtli über dem See in die Höhe. In den Wintermonaten verirrt sich kein Sonnenstrahl hierher.

Jetzt ist es noch spätsommerlich warm, und im Aufstieg zum Pragelpass fallen Schweisstropfen auf den Rahmen meines Velos. Dies ist die weniger steile Seite des Pragels (laut Quäldich.de bis zu 13 Prozent). Trotzdem bin ich jedes Mal überzeugt, die Strasse sei stotziger geworden (Profil Pragel). Mittlerweile bin ich fast sicher, dass die Alpen am Pragel schneller wachsen als anderswo! Der Aufstieg ist dennoch ein Genuss. Die schmale Strasse schlängelt sich durch eine Bergahorn-Allee, Laubwald und Alpweiden mit Kühen und Hochlandrindern. Und das Beste: Samstags und sonntags ist der Pass auf der Glarner Seite für Autos und Motorräder gesperrt. Damit ist er einer der wenigen Alpenpässe, die auch am Wochenende in Ruhe befahren werden können.

Nach rund 1100 Höhenmetern erreiche ich die sonnige Ebene der Pragelpasshöhe. Der Pass liegt mitten in einer Karstlandschaft. Zu dieser gehören das grösste Karrenfeld der Schweiz (Silberen) sowie eines der längsten Höhlensysteme Europas, das 200 km lange System des Hölloches. Das ist interessant, doch für mich hat die Alpwirtschaft auf dem Pragel grösseren praktischen Nutzen. Nach einer Erfrischung bremse ich nach Muotathal hinunter. Die Abfahrt ist sehr steil (nicht selten um die 20 Prozent!), die Strasse schmal und nass. Unten bin ich erschöpfter als oben und froh um den Rückenwind, der mich talauswärts bläst.

Nach rund sechs Kilometern biege ich rechts in die Strasse nach Illgau ein, die von der Breite her einer Autobahn in nichts nachsteht. Nach dem Dorf wird die Strasse gemütlicher und abgesehen von einer Kuhherde praktisch verkehrsfrei. Erst gut 3 Kilometer vor der Passhöhe treffe ich auf die eigentliche Ibergeregg-Passstrasse. Hier hat es wieder mehr Verkehr, dafür bieten sich schöne Ausblicke über den Vierwaldstättersee. Nach etwa 850 Höhenmetern ist die Passhöhe erreicht, sie hat einen eigentümlichen Charme. Ich pausiere nicht lange und fahre zum Sihlsee ab. Wer noch nicht genug hat, kann hier mit der Sattelegg nochmals 300 Höhenmeter anhängen und schliesslich nach Siebnen gelangen. Ich habe genug und folge dem linken Seeufer, um via Biberbrugg und Schindellegi nach Pfäffikon am Zürichsee zu gelangen.

Für den Abschluss der Strecke möchte ich keine irreführende Werbung machen: hier geht es nur noch darum, möglichst rasch zu einer guten Zugsverbindung zu gelangen. Immerhin bietet die Variante über Feusisberg ab Schindellegi eine verkehrsarme Alternative zur Hauptstrasse. Hätte ich einen Velocomputer, so hätte er bis Pfäffikon knapp 90 Kilometer und gut 2000 Höhenmeter aufgezeichnet (Karte der Route).

Diese Route könnte übrigens mit einer Fahrt über den Klausenpass am 27. September kombiniert werden: An diesem Tag ist der Klausen autofrei! Infos unter www.freipass.ch.

Teilen Sie meine Vermutung, der Pragel werde immer steiler?

 

10 Kommentare zu «Klassiker der Ostschweiz: Über Pragel und Ibergeregg»

  • Ines sagt:

    gps daten wären nicht schlecht.

  • Peter M. sagt:

    Anette, unser RV-Klassiker ist: ZH-Oberland, Pragelpass, Ibergeregg plus Sattelegg, zurück ZH-Oberland… Etwas weniger gerne erinnere ich mich an meinen Hungerrast an der Ibergeregg…

  • Klaus Bischof sagt:

    Wir fuhren den Pragel vom Muothotal her – traumhaft. Eine Empfehlung: viel Wasser mitnehmen. Wir tranken irgendwann aus den Bächen (ohne Schäden .-)) )

  • Roland K. Moser sagt:

    Das sieht aber brandheiss aus dort.

  • koller sagt:

    ich glaube kaum, dass Sie im Fach Geografie eine BESTNOTE hatten.

  • Urs-Werner Merkli sagt:

    Das ist eine der schönsten Gegenden der Schweiz. Leider ist der Kanton Schwyz sehr hundeunfreundlich.

  • Thomas Glanz sagt:

    Schon klar, möchte jede Region den schönen Pragel für sich reklamieren. Aber da weder Zürich, noch Glarus und schon gar nicht Schwyz zur Ostschweiz gehören, kann diese Tour auch kein Ostschweizer Klassiker sein ;-) Also lassen wir doch den Pragel da, wo er hin gehört, in die Zentralschweiz.
    http://www.ostschweiz.ch

    • Matthias Stadler sagt:

      In der Tat ein wenig kurios, dass der Pragel plötzlich zur Ostschweiz gehören soll. Das dürfen Sie im Muotathal nicht zu laut sagen.
      Noch ein Tipp für Wanderer: Die Region Silberen (im Text erwähnt) ist etwas vom Schönsten in der Schweiz. Zum Glück ist sie sehr abgeschieden und bedarf einer gewisser physischer Anstrengung, so dass sich keine Touristenströme bilden. Aber die Aussicht von der „Berg“-Spitze ist atemberaubend und entlöhnt für den anstrengenden, aber ungefährlichen Aufstieg.

    • C. Billy sagt:

      Ihr seid mir auch lustige Geografiekenner… na klar gehört der Kanton Glarus zur Ostschweiz! Und der Pragel auf der einen Seite zum Glarnerland. Hat also alles seine Richtigkeit ;-)

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