Best of Outdoor: Drei Dinge, die Sie beim Joggen vermeiden sollten

Liebe Leserinnen und Leser, in den Sommerferien erlauben wir uns einen Blick zurück und präsentieren Ihnen einige unserer Highlights aus dem vergangenen Jahr. Viel Vergnügen! Die Redaktion.

Folgender Beitrag ist von Res Strehle, Erstpublikation: 15. Juli 2013.

(Keystone/Martin Rütschi)

Nur wer ohne Kopfhörer unterwegs ist, hat den vollen Laufgenuss: Jogger in einem Schweizer Wald. (Keystone/Martin Rütschi)

Joggen ist die einfachste Sportart der Welt. Sie braucht guten Willen und ein paar gedämpfte Turnschuhe (am Strand gehts auch ohne) und das wärs schon. Trotzdem schreiben sich im deutsch-englischsprachigen Raum zahllose Experten und ehemalige Spitzenathleten die Finger wund, was man beim Joggen alles tun und lassen sollte. Die Ratgeberliteratur für Einsteiger füllt inzwischen ganze Gestelle und wird Einsteiger weniger ermutigen als einschüchtern.

Der Laie hats einfacher. Er hält sich an drei bewährte Grundregeln und kommt damit gut über die Runden. Er wird es so womöglich nicht bis zum Marathonläufer bringen, aber für eine allwöchentliche Lockerung, gute Gespräche mit Laufpartnern und vielleicht sogar mal eine Runde um den Pfäffiker- oder Greifensee reicht es allemal. Und er wird ohne Krankheit eine Bewegungsart, die er im Kleinkindalter mit Freude entdeckt hat, auch im Alter nicht verlernen.

Folgende Regeln seien zur Beachtung empfohlen:

  1. Vermeiden Sie längere Asphaltstrecken, sie wirken sich wie Schläge auf Knie- und Hüftgelenke aus. Zu empfehlen sind Naturböden, am besten ein weicher Waldboden. Joggen auf Schnee und Sand mag anstrengend sein, aber es ist einer längeren Strecke auf Asphalt oder gar Steinboden in jedem Fall vorzuziehen.
  2. Starten Sie nie so schnell, wie Sie eigentlich laufen könnten. Vor allem ambitionierte, oft zugleich schlecht trainierte Läufer übertun sich in der Startphase, speziell auf steil ansteigendem Gelände, und leiden danach auf der gesamten Strecke. Wenn Sie langsam starten, vorzugsweise auf flachem oder nur leicht ansteigendem Gelände, können Sie später jederzeit zulegen. Und Ihr Puls wird nach und nach den idealen Belastungspuls erreichen. Lassen Sie sich folglich jederzeit mit Freude überholen – der Wettlaufgedanke hat beim Joggen nichts zu suchen.
  3. Hören Sie keine Musik. Musik aus Kopfhörern ist eine schöne Sache, vor allem dann, wenn einen die Umgebung mit unangenehmen Geräuschen malträtiert. Quietschende Trams, eine S-Bahn, die aus dem Tunnel donnert, die Nähe zur Autobahn oder Sitznachbarn, deren Gespräche Sie nichts angehen, sind eine ideale Umgebung für die Flucht in eine andere Klangwelt. Joggen im Wald ist es nicht: Nur ohne Kopfhörer werden Sie die Vogelstimmen hören, mit der Zeit die verschiedenen Rufe, Stimmungen und Vogelarten unterscheiden lernen – eine wunderbare Erfahrung, auch leise Geräusche wahrzunehmen. Wie Blinde werden Sie sich zu den Vogelstimmen innere Bilder machen, unterstützt durch das Glückshormon Endorphin, das bei Beachtung von Regel 1 und 2 nach einer halben Stunde ausgeschüttet wird.

So werden Sie als Laie diese Sport-, Unterhaltungs- und Meditationsart lieben lernen. Von Durchhalten oder gar Spitzenzeiten an internationalen Marathonläufen werden Sie nicht berichten können, aber was ist das schon gegen diesen wunderbaren Ruf des Wiedehopfs?

Res Strehle ist Chefredaktor des «Tages-Anzeigers».

28 Kommentare zu «Best of Outdoor: Drei Dinge, die Sie beim Joggen vermeiden sollten»

  • Regel 1 und 2 finde ich gut – Regel 3 finde ich unnötig, da diese nichts mit der eigenen Gesundheit zu tun hat – Musik kann manchmal sehr hilfreich sein, damit man sich überhaupt zum Sport aufrafft.

  • Jogger sagt:

    Ich bin mit Punkt 2 einverstanden. Punkt eins ist nicht so wichtig. Wenn man es nicht übertreibt, kann man auch auf dem Aspahlt joggen. Punkt 3 ist zwar richtig, aber wenn man über eine 1h unterwegs ist, ist Musik eine willkommene Ablenkung.

    In diesem Sinne – viel Spass.

  • Rolf Bollman sagt:

    Lieber Res, ich halte mich exakt an Deine Ratschläge und jogge gut damit. Sportliche Grüsse vom Rheinknie
    Rolf Bollmann

  • Enrique sagt:

    Eigentlich erstaunlich, dass niemand das Vorderfuss laufen erwähnt hat. Das geht bei jedem Grund und auch ohne teure gefederte Schuhe. Jedes Tier läuft auf dem Vorderfuss.

  • Martin sagt:

    Ich vermute, die meisten laufen auf Asphalt. Habe hier einen interessanten Link gefunden:
    http://www.runnersworld.de/laufen-auf-asphalt-schlecht-fuer-die-gelenke.280430.htm

  • Natalia sagt:

    Was das Hören von Musik betrifft, kann ich Ihnen nur beipflichen. Ich bin jemand, der häufig zu den Ohrstöpseln greift, sei das beim Joggen oder auch sonst, wenn ich unterwegs bin. Seit ich etwas damit aufgehört habe, tun sich (Geräusch)Welten auf, es ist wunderbar. Nehme meine Umwelt anders wahr und hie und da bekomme ich ein Lächeln :-)

  • Christian Duerig sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Sie haben es auf den Punkt gebracht. (Laufschuh, langsamer Einstieg, Umgebung wahrnehmen)
    Der gedämpfte Laufschuh ist das Wichtigste ! Heute jogge ich nur noch mit dem „Transcend“ von Brooks. Die Schläge auf Knie- und Hüftgelenke bleiben aus, und ich kann mich auf die Herzfrequenz konzentrieren. Ich bin Nichtraucher und habe keine Atemprobleme. Das Wahrnehmen der Umgebung hilft, sich selber vor Überforderung zu schützen.
    Nachtrag: Versuchen Sie nicht an den Leistungen von früher zu messen. Mit 40 nimmt die Elastizität der Sehnen rapide ab und die Schläge auf Knie- und Hüftgelenk treten auf. Sie können sich nur mit einem guten, dämpfenden Laufschuh dagegen schützen.
    Viktor Röthlin wird 38 und verabschiedet sich vom Marathonlaufen. Die Schläge auf Knie- und Hüftgelenk werden spürbar. Nun gilt es die Gelenke zu schonen. Leistungssport ist dazu nicht geeignet.

    • Hunkeler sagt:

      Bezüglich gedämpften Laufschuhen haben Sie nicht Recht. Im Gegenteil.
      Gedämpfte Schuhe verleiten zu einem schlechten Laufstil und sind Gift für Spreiz-, Senk- und Plattfüsse.

      Sprechen Sie mal mit einem Orthopäden.

  • Doris sagt:

    Tip Nr. 3 spricht mir aus dem Herzen. Wenn ich im Wald laufe oder jogge, geniesse ich die Geräusche der Natur. Nicht nur das Vogelgezwitscher, sondern auch das Summen der Insekten, das Rascheln der kleinen Waldbewohner im Unterholz, das Rauschen der Blätter. Einfach herrlich!

  • Thomas sagt:

    Ich laufe viel und bevorzugt auf Asphalt und Strecken zwischen 13 und 30 Kilometer. Um Problemen v.a. mit den Fussgelenken vorzugbeugen, trage ich immer Kompressionssocken (eng anliegende Kniestrümpfe). Diese haben auch noch den Vorteil, dass die Beine weniger schnell ermüden.

    • Mario Monaro sagt:

      Ihr Kreislauf ist sicher super und wird es auch im Alter noch sein, wenn Sie so weitermachen. Aber ob Ihre Gelenke dann auch noch so fit sind wie der Rest von Ihnen?

      • Thomas sagt:

        Ich bin schon 47 und laufe seit rund 10 Jahren ohne Beschwerden und ohne Verletzungen.
        Ich achte sehr auf gute Schuhe (habe stets 4 – 5 verschiedene Modelle gleichzeitig im Einsatz) und v.a. auf die richtige Ernährung, was sich nicht nur im Gewicht niederschlägt (jedes Kilo zu viel belastet den Körper unnötig) sondern auf meine allgemeine Konstitution positiv auswirkt.

  • Michu sagt:

    Zu 3: „Quietschende Trams, eine S-Bahn, die aus dem Tunnel donnert, die Nähe zur Autobahn oder Sitznachbarn, deren Gespräche Sie nichts angehen,“
    Ohne Musik hat man den Vorteil, dass man die quietschenden Trams, die S-Bahn und die Autos auch hört, bevor man drunter liegt und man die Gespräche der Gaffer nur noch auslaufend wahrnimmt…

  • Martin sagt:

    Laufen auf Asphalt ist nicht immer schlecht, es ist ein trittsicherer Untergrund. Wenn man ihn mit einem festgepressten Kieselweg vergleicht, erfolgt der Auftritt gleich hart. Beim Kieselweg besteht aber ein erhoehtes Risiko fuer umknicken und rutschen.

  • Domenico sagt:

    Bezüglich Regel Nr. 1 ist mein Sportarzt, selber ein Marathonläufer, anderer Meinung.

    • delpiero sagt:

      Sportärzte …. …. wenn Sport für körperliche Ertüchtigung steht ok,aber
      jeder Mensch mit etwas Grips weiss heute, Leistungssport und Gesundheit
      sind nicht gerade Freunde. Und Sportärzte leben von Sportpatienten.
      Also ruhig weiter glauben….

  • ben giger sagt:

    Regel 1 ist zwar gutgemeint, aber angesichts der Tatsache, dass wahrscheinlich ein Grossteil der Leserschaft, die hier auf den Geschmack gebracht werden soll, urbaner Abstammung ist, ein grosses Hindernis, welches in so einer Mobilmachungsschrift eher kontraproduktiv sein dürfte. So verbindet man Joggen gleich mit dem Gedanken an den „Aufwand“(gering) zum nächsten Naturweg zu gelangen und, wie es da so schön steht, „Schläge auf Knie- und Hüftgelenke“… Dann ist da noch die Sache mit der Musik, ich bin davon auch kein Enthusiast, aber vielen Anfängern gibt sie die Ablenkung oder Motivation, welche sie anfangs brauchen um sich an die körperliche Anstrengung zu gewöhnen. So gut die Argumente generell sind, der Text ist leider motivatorisch eher ein Ablöscher.

  • Ludmilla sagt:

    Lieber Waldgänger

    Joggen entspannt mich – gestresst bin ich danach keineswegs. Und ein freundliches Kopfnicken liegt immer drin.
    Aber schöne Waldspaziergänge sind auch sehr erholsam, da haben Sie recht.

  • Martin Johansson sagt:

    Problematisch für die Gelenke können unebene Naturböden auch sein, da es dann zu ungleichmässiger Verteilung der Belastung von Füssen, Beinen und Becken bei jedem Schritt kommt. Nichts für Leute mit lockeren Gelenken oder Vorschäden. Da ist eine Asphaltstrecke mit optimal gedämpften und ergonomisch sitzenden Laufschuhen vorzuziehen.

    • Peter Graf sagt:

      Hallo Martin, auch Leute mit lockeren Gelenken oder Vorschäden sollten öfters in unebenem Terrain laufen. Denn das unebene Terrain trainiert die Micro-Miskulatur die Unebenheiten auszugleichen und beugt so langfristig Verletzungen wie z.B. Bänderdehnung, -riss vor. Auch beim Laufen in unebenem Terrain gilt, was beim Laufen generell gilt, die Umfänge langsam steigern, damit die Muskulatur Zeit hat, sich zu adaptieren.

    • Reto Z. sagt:

      Asphaltstrecken sind „laufphysiologisch“ gesünder als die typischen „Schweizer Feldwege“. Warum? 1.) weil die dämpfende Wirkung der Feldwege gleich 0 ist. 2.) technisch ist ein Feldweg oft sehr anspruchsvoll, dadurch werden die Schritte weniger flach und somit härter im Abrollen. Oder anders gesagt, ein guter Läufer hält den Schritt extrem flach auf Asphalt, was auch energiesparender ist. 3.) die Schuhe für Feldwege sollten stützender bzw. härter in der Dämpfung sein. Somit wieder Negativpunkte für den Feldweg. 4.) die Gefahr von rutschen und schlimmstenfalls Umfallen ist ebenfalls viel geringer.

  • Warum bloss die Eile…? Man hoert ja bloss sein eigenes Gekeuche. Und all die Tiere im Wald schlagen sich in die Flucht, wenn einer gejoggt kommt. Speziell gesund ist joggen ebenfalls nicht. Man hoert den Wald kaum, und gruessen geht auch nicht mehr. Wie man in den Wald springt, so springt man raus: Gestresst und nie wirklich im Wald gewesen.
    Es gruesst ein Waldgaenger

    • Peter Birri sagt:

      Bin auch Waldgänger, aber ich finde, jeder, auch Läufer oder Biker, darf und soll sich so im Wald bewegen, wie er sich wohl fühlt. Mit der entsprechenden Rücksicht auf die anderen natürlich.

    • Bruno sagt:

      Der Mär, dass Tiere flüchten wenn man sich ihnen als Jogger nähert, ist nur wirklich an den Haaren herbeigezogen. Ich laufe fast tagtäglich an Rehen vorbei, welche zwar den Kopf heben und wachsam bleiben, aber ganz selten rennt einer davon. Die haben sich längst an die laufenden Zweibeiner gewöhnt. Und wenn ich joggen gehe, baue ich Stress ab (wenn überhaupt vorhanden) und bin auch gegenüber anderen Joggern und Wanderern sehr freundlich.
      Wie auch immer; Hauptsache man bedient Vorurteile jeglicher Art, das passt ins Bild und es wiederlegen zu wollen ist eigentlich zwecklos.

      • Hauptsache, man joggt, mountainbiked, fuehrt den Hund aus, sucht Pilze, fotografiert, oder beobachtet Voegel im Feldstecher. So ist man immer etwas am tun. So hat man es auch gelernt. Alles muss einen bestimmten Zweck haben. Auch die Kleider sind dem Zweck dienlich, die Schuhe, das Velo.

        Sich ziellos treiben lassen, von Lichtung zu Lichtung, den Voegeln zuhoeren, abends auf dem Moos schlafen, nachdem man ein paar Baeume umarmt hat…, das ist das Rezept der traeumerischen Gedankenfreiheit, die wir uns insgeheim alle wuenschen. Nur trauen wir uns nicht WIRKLICH und verstecken diese Wuensche hinter Aktivitaeten, die mit Wettbewerb zu tun haben, Erfolg, LEISTUNG; was von uns eben so erwartet wird!

        • Hanspeter Niederer sagt:

          schöner poetischer Beitrag in einer Gesellschaft, wo (fast) jeder Mensch gelernt hat, dass er seine Daseinsberechtigung über Leistung und materiellen oder sozialen Erfolg zu erkämpfen hat. Da lobe ich mir die Gelassenheit der andern Säugetiere, die bestenfalls durch Langeweile in einer naturentfremdeten Umgebung umgetrieben werden. Hat vielleicht der getriebene Leistungsmensch ein ähnliches Problem? Dauergestresst durch sein Hinausgeworfensein aus dem natürlichen Lauf der Dinge, seiner Entfremdung von seinem ureigensten Wesen durch die Gedankenblitze der scheinbar unendlichen Möglichkeiten, die ihm sein Wasserkopf vorgaukelt?

          • Ja, die scheinbar unendlichen Moeglichkeiten…., Freiheit also, frisst gerade ihre Kinder, um das mal unpoetisch zu sagen. Wir werden doch geradezu verpflichtet, unsere Freiheiten auszuleben. Jogging ist ja noch heilig, aber was z.Bsp. Mountainbiker fuer ein Wirtschaftsfaktor darstellen, ist recht ansehnlich. Auch spezielle Joggingschuhe duerften eine Buden in China, Pakistan, Kambodscha, oder Vietnam recht beschaeftigen.
            Nichts gegen Joggingschuhe, aber besteht eventuell die Moeglichkeit, dass wir in einer uns „auferlegten Freiheit“ handeln…, statt unserer eigenen. Abgesehen davon, dass Poesie darunter leidet. Ich habe oft und gerne in Waeldern gelebt, viele Jahre, und ich wusste nie ganz, was ich von Joggern halten sollte, die keuchend in neongruenen Jacken an meinem Camp vorbei wetzten. Aber trotzdem, klar doch, tausendmal besser Joggen, als den Bus nehmen!

          • ben giger sagt:

            Wieso sich achtsame Entspannung zu gewissen Zeiten und körperlich/mentale Leistung zu anderen gegenseitig ausschliessen sollen, hat mir noch nie ganz eingeleuchtet. Interessanterweise hören sie Leute, die nichts über Meditation/Achtsamkeit/Gelassenheit wissen oft sehr ählich an, wie jene, welche keinen Plan von den Freuden des Sportes haben (und die Anstrengung scheuen). Beide lassen sich einen grandiosen Aspekt menschlichen Erlebens entgehen.

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