Best of Outdoor: Ein Leben in Schwarz und Weiss

Liebe Leserinnen und Leser, in den Sommerferien erlauben wir uns einen Blick zurück und präsentieren Ihnen einige unserer Highlights aus dem vergangenen Jahr. Viel Vergnügen! Die Redaktion.

Folgender Beitrag ist von Jürg Buschor, Erstpublikation: 5. Dezember 2013.

BIKEN, MOUNTAINBIKE, RIGI, HERBST, HERBSTWETTER, VORALPEN, ALPEN, INNERSCHWEIZ,

Für gewisse Wanderer das Feindbild schlechthin: Mountainbiker am Berg, hier auf der Rigi. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone).

Walter und seine Frau sind nicht bekannt für eine differenzierte Betrachtung ihrer Umwelt. Sie sehen die Welt in Schwarz und Weiss. Für sie ist klar – wer Grautöne beschreibt, dem fehlt ganz einfach der Mut für einen klaren Stellungsbezug. Ihre Ansage liess deshalb keinen Zweifel – als Fussgänger bräuchten sie auf dem Fussweg keinen Platz zu machen für Mountainbiker. Egal wie freundlich diese auch grüssen mochten. Sie erklärten mir das in einer Ernsthaftigkeit, die mich daran zweifeln liess, dass sie sich bewusst waren, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Entweder sie ignorierten meine Tätigkeit als Mountainbike-Publizist oder sahen mit einer gewissen Grosszügigkeit darüber hinweg, weil wir gerade bei einem Glas Wein zusammensassen und zuvor über Gott, die laufende Pilzsaison und Fliegenfischen lamentiert hatten.

Ich nahm mehrheitlich die Rolle des Zuhörers ein, weil mir neben dem Mountainbiken höchstens noch Zeit für den Verzehr von Pilzen und Fischen blieb, nicht jedoch, um sie zu suchen oder zu fangen. Einen Moment lang zögerte ich. Sollte ich den beiden wirklich zu erklären versuchen, dass nicht alle Mountainbiker gleich sind? Dafür kannte ich sie schon zu lange. Ich liess es sein und schenkte noch etwas Wein nach. Mit 65 würden Walter und seine Frau ihre vorgefassten Meinungen voraussichtlich nicht mehr ändern. Schwarz und weiss.

Mountainbiker auf Wanderwegen

Das Thema Mountainbike hatten sie selber angeschnitten, weil sie gerade ein paar Tage in ihrer Ferienwohnung auf der Lenzerheide verbracht hatten. Sie hatten sich darüber aufgeregt, dass Mountainbiker sich erdreistet hatten, auf Wanderwegen zu fahren. «Jetzt haben sie denen doch extra Mountainbikepisten gebaut von der Station Scharmoin, und trotzdem fahren die Deppen auch am Piz Scalottas auf all den Wanderwegen herum», echauffierte sich Walter und trank noch einen Schluck Wein. Zu differenzieren lag ihm fern. Entweder man war zu Fuss oder mit dem Mountainbike unterwegs. Schwarz oder weiss.

Dass die Unterschiede zwischen einem Downhill-Mountainbiker und einem Touren-Mountainbiker in etwa so gross sind wie zwischen einem Fliegen- und einem Steinpilz, das war ihm natürlich entgangen. Er hatte eine gewisse Routine darin, seine Meinung auch in Unkenntnis der Materie zu bilden. Am liebsten hätte er alle Biker auf den Abfahrtpisten am Fuss des Rothorns zusammengepfercht, und damit wäre für ihn das Problem ein für alle Mal gelöst gewesen. Warum sollte gerade er sich damit beschäftigen, dass ein Gravity-Biker komplett andere Bedürfnisse hat als ein erlebnisorientierter Tourenbiker?

Grautöne

Nachdem er seinen Unmut umfassend und detailreich kundgetan hatte, war mir als schweigender Zuhörer dann auch klar, was für ihn das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht hatte – ein Mountainbiker hatte sich erdreistet, Walter zu erklären, dass im Kanton Graubünden alle Wanderwege auch von Mountainbikern befahren werden können, wenn dies nicht explizit verboten ist.

Korrekt in der Sache, aber offensichtlich im Ton vergriffen, hatte er die Kampflust des Erholung suchenden Unterländers erst recht geweckt. Was ich aus dem Gespräch für mich persönlich mitnahm? Ich überhole in den touristischen Hotspots noch vorsichtiger, halte im Zweifelsfall noch öfter an und grüsse noch freundlicher, als ich das ohnehin schon mache. All das in der Hoffnung, dass das Weltbild von Menschen wie Walter und seiner Frau plötzlich doch noch Grautöne erhalten möge.

Erfahren Sie als Mountainbiker(in) genügend Respekt, und wie halten Sie es selber im Umgang mit anderen Trail-Nutzern? Wie nehmen Sie einem unfreundlichen Gegenüber den Wind aus den Segeln?

15 Kommentare zu «Best of Outdoor: Ein Leben in Schwarz und Weiss»

  • Daniel sagt:

    Ich wandere und bike. Mit nettem Gruss und lansamen überholen gehts meistens gut. Nur die Hündeler die Ihre Hunde frei laufenlassen, und nicht zu sich rufen auch wenn mann mit einem Keinkind kommt nerven. Es giebt halt überal rücksichtslose ob Biker,Waderer ,Hüdeler u.s.w .( Einer meinte al sein Hund uns anbellte wir sollen nicht so heikel sein er sei ja versichert!)

  • Jörg Wirz sagt:

    Auf der ganzen Welt und besonders in der Schweiz ist die Bevölkerungsdichte extrem. Bei schönem Wetter kommen sich die Menschen überall in den Weg, wobei dann die eh schon Unzufriedenen und Frustrierten dann sowieso nur noch das Übel in allem sehen, in der Schweiz besonders. Biker vs. Wanderer, Töff vs. Auto, Motorboot vs. Segelschiff, Jogger vs. Hundehalter, Nachbar vs. Nachbar mit Party…. Mit etwas Toleranz und Rücksicht wäre alles überhaupt kein Problem. Aber s menschälät halt überall und auf Minderheiten losgehen tut halt vielen unglaublich gut! (leider)

  • robert sagt:

    würden wir alle gesetze blind befolgen und nicht über deren sinn oder unsinn nachdenken wären wir noch im mittelalter und würden hexen verbrennen, war damals auch gesetz! zum glück gibt es menschen die noch selber denken können und sich fragen „eigentlich kann mann auf wanderwegen auch schön mit dem mtb fahren“ danke graubünden! es gibt natürlich immer die spezius mensch die wenig von veränderung und entwicklung hält!

  • W.Grämer sagt:

    Habe soeben einige Fotos erhalten von meinem Schulkollegen von der Suvretta ,wo mein Kollege herunterfährt.Wohlverstanden im Alter von 72 Jahren alle Achtung Bini kann ich dann nur sagen.Mir reicht es nur noch in der Linthebene wegen den Rückenproblemen.Fuhr früher auch Bergrennen.Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei..

    Gruss Walti

  • Marco sagt:

    Wie wäre es mit Toleranz? Auf der Ebene der Gesetze zu argumentieren führt meines Erachtens genau zu jenem schwarz/weiss-Denken, dass niemandem etwas bringt. Ich sehe die Bedürfnisse von beiden Lagern als legitim und pflege selbst beide Hobbies. Generell wünsche ich mir mehr Perspektivenwechsel. Als Biker nehme ich Rücksicht, grüsse freundlich und biete aktiv Orientierungshilfe an. In der Rolle des Wanderers mache ich Platz, räume – sofern möglich – den Weg und mache nicht selten einen kurzen Schwatz. In beiden Situationen habe ich Spass und ich gönne dem Gegenüber die Freude an seinem Hobby. Für mich ist eines klar: Mit griesgrämigen Blicken, Schimpftiraden und Verbotsschildern verlieren am Schluss alle.

  • Roberto sagt:

    Man sollte vielleicht gewisse Wege für das MTB sperren, das wäre beste. So kommt jeder auf seine Rechnung. Man muss einfach einsehen, dass es stresst, wenn plötzlich einer mit dem MTB anbraust, weil man als Wanderer nicht damit rechnet und mit den Gedanken meist anderswo ist. Es ist ja nicht soooo wichtig, dass man immer und überall alles darf.

  • Capricorn sagt:

    Hier irrte der Mountainbiker er könne alle Wege benutzen, wenn dies nicht ausdrücklich verboten sei. Das Gesetz spricht eine andere Sprache
    Nach Art. 43 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes dürfen Wege, die sich für den Verkehr mit Motorfahrzeugen oder Fahrrädern nicht eignen oder offensichtlich nicht dafür bestimmt sind, wie Fuss- und Wanderwege, mit solchen Fahrzeugen nicht befahren werden. Diese Regel ist für die ganze Schweiz gültig und auch ohne Signalisation verbindlich.

    • Ibex sagt:

      Capricorn, Sie vergessen da was ganz wichtiges: Der Art. 43 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes ist für die heutigen Mountainbikes nicht gültig, denn diese Fahrräder (Mountainbikes) sind für Wege wie Fuss- und Wanderwege bestimmt. Diese Fahrräder (Mountainbikes) eignen sich insbesondere und eben gerade offensichtlich für die befahrung von Wander- und Bergwanderwegen. In einigen Fällen auch für die Alpinen Bergwanderwege. Ihr Satz „Diese Regel ist für die ganze Schweiz gültig und auch ohne Signalisation verbindlich.“ gilt hier ebenfalls.

      • Sepp Manser sagt:

        @Ibex: Da haben Sie sich leider verlesen: „[…] Wege, die sich für den Verkehr mit Motorfahrzeugen oder Fahrrädern nicht eignen oder offensichtlich nicht dafür bestimmt sind“, es steht da gar nichts von der Eigung des FAHRZEUGS. Motocross-Motorräder und Rad-Panzer wären z.B. ja auch „offensichtlich“ für das Befahren unbefestigter Wege geeignet, nicht wahr?

    • Hugo Knüsel sagt:

      @Capricorn: Nicht ganz: wie immer in der Schweiz ist alles von Kanton zu Kanton verschieden: Graubünden erlaubt offenbar explizit das Befahren von Wanderwegen, Appenzell-Innerrhoden dagegen explizit nicht.

      • Capricorn sagt:

        Die Antworten zeigen wieder einmal mehr die abstruse Denkweise die sich in dieser Sportart breitmacht… Man kann es Auslegen wie man will Gesetz ist nun mal Gesetz das können sich die Mountainbiker auch nicht dagegen wehren…zudem gelten da noch viele Kantonale Waldgesetze die sich an das CH Strassenverkersgesetz anpassen… Besser wäre man würde sich einfach daran halten…. ob Biker oder Mountainbiker das ist egal

        • Grischa 37 sagt:

          Es ist offensichtlich, dass Sie kein Freund des Bikens sind. Glücklicherweise kennt die Schweizer Justiz beim Auslegen des Gesetzes mehr Toleranz.
          Letztendlich ist es das Ziel jedes Gesetztes, das Zusammenleben in einer Gesellschaft optimal zu gestalten. Dabei müssen unterschiedlichste Interessen unter einen Hut gebracht werden. Dies ist deutlich komplexer, als einfach alles zu verbieten, was man selbst nicht mag.

  • „Er hatte eine gewisse Routine darin, seine Meinung auch in Unkenntnis der Materie zu bilden.“

    Ein wunderschöner Satz, den man bedenkenlos in jedem Artikel über selbsternannte Banken-, Nahost- oder Sozialexperten verheizen kann. Oder über Rassisten.
    Danke, Herr Buschor.

  • Hugo Knüsel sagt:

    Schon etwas schizophren: sich auf der einen Seite in einer kuriosen Mischung aus Larmoyanz und ein klein wenig Besserwisserei über die Opposition der ignoranten, tumben Wanderer beklagen, andererseits aber hier Werbung für das biken entlang von Suonen zu machen. Erlaubt denn der Kanton Wallis generell das Befahren wie der Kanton Graubünden?

    • Andri Rüesch sagt:

      Entscheidend ist doch die Art und Weise, wie man es zusammen versucht. Ich fahre viel auf den Suonen im Wallis und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte. Genau genommen wurden diese Wege weder für das Wandern noch für das Biken gebaut, weil beides damals noch nicht bekannt war. Heute siehts halt anders aus! Unter Einhaltung der grundlegendsten Anstandsregeln hatte ich wirklich noch nie Probleme mit Wanderern, im Gegenteil, ab und an einen angenehmen Schwatz :))

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