Die Froschmenschen erobern den Berg

Die spinnen, die Sportler! Das dachten sich Touristen und Einheimische, als am vergangenen Samstag Björn Englund und Paul Korchak durch Sils liefen. Manch einer kehrte sich ungläubig nach den Amphibienmännern um. Der Schwede und der Kanadier trugen Neoprenanzug, Laufschuhe, am Oberschenkel eine Pullbuoy festgezurrt, in der einen Hand Schwimmpaddel, in der anderen die Schwimmmütze, ums Handgelenk die Schwimmbrille.

Die beiden dominierten deutlich am ersten Engadin Swimrun (6:28.10 Stunden und damit eine gute halbe Stunde vor den Zweitplatzierten). Ihr Rennen startete in Maloja und endete in Silvaplana. Dazwischen legten die Sportler 46 Kilometer auf den Engadiner Pfaden und 6,5 Kilometer in Bergseen zurück. Anders als beim Triathlon sind bei diesem Abenteuerrennen Schwimmhilfen wie Pullbuoys oder Paddel erlaubt – sofern die Sportler sie auch zu Land mittragen. Die Teampartner durften dabei im Wasser nicht weiter als 5 und zu Land maximal 100 Meter voneinander entfernt sein.

«Kurz vor der Scheidung»

17-mal wechselten die 100 Zweierteams zwischen den Disziplinen Laufen und Schwimmen hin und her. Der Wechsel zwischen dem knapp 10 Grad Celsius warmen Wasser und dem bergsommerlich warmen Gelände forderte den Athleten alles ab. «Man muss bei diesem Rennen einfach in jedem Element gut zurechtkommen», resümierte Englund im Ziel. Aber nicht nur die Temperaturunterschiede zehrten an den Energieressourcen der Sportler: «Wir sind es nicht gewohnt, auf so steilen Wegen zu laufen. Daher haben wir versucht, uns bergauf nicht zu überanstrengen. Aber es war bergauf und bergab wirklich hart.»

Der Engadiner Swimrun ist der erste seiner Art, der nicht im hohen Norden stattfindet, wo dieser andere Duathlon bereits eine beliebte Wettkampfreihe ist. Was die Zuschauer nicht sahen: Die Teilnehmer sind nicht einfach nur Spinner. Die meisten von ihnen sind in anderen Disziplinen erfolgreiche Sportler. Björn Englund etwa ist ein Langdistanz-Triathlet, der mit seiner persönlichen Bestzeit aus dem Jahr 2012 von 8:31.06 am Ironman in Zürich 2013 zuoberst aufs Treppchen gestiegen wäre. Gemeinsam mit Korchak trägt er den Swimrun-Weltmeistertitel. Er geniesse es, im Unterschied zu seinen Ironman-Zeiten im Team an den Start zu gehen, sagte der Schwede. «Auch wenn es wie in der Ehe ist – und auch wir standen bereits kurz vor der Scheidung.»

 

6 Kommentare zu «Die Froschmenschen erobern den Berg»

  • Adrian Wehrli sagt:

    Man könnte sich ja noch einen Gabel in den Oberschenkel stechen oder Glasscherben in die Schuhe streuen um es noch krasser/crosser zu machen. Oder aneinanderketten? Jail-Cross-Moutain-thlon? Was die Leute nicht alles machen um dem Leben davonzulaufen ….

    • Tom Bachmann sagt:

      ja, das mache ich dann bei der nächsten Teilnahme :-)

      anscheinend haben gewisse Personen den Unterschied zwischen „dem Leben davonrennen“ und Ausdauersport als Hobby noch nicht begriffen.
      Der Wettkampf war der absolute Kracher…. super organisiert, tolle Leute und vor allem: eine unfassbar schöne Landschaft im Engadin.
      p.s. wir haben 7x gewechselt, nicht 17 mal.

  • Roland K. Moser sagt:

    Interessante Idee. Zum Glück war es nicht hochsommerlich heiss.
    Ein Swim-MTB-Run wäre evt. auch mal interessant.

  • Christian Duerig sagt:

    Mein Sohn schenkte mir zum 70-jährigen Geburtstag die Teilnahme am Fisherman’s Friend Strongman Run in Engelberg 07.06.2014. Diese Überraschung wurde zum schönsten aller Geburtstagsgeschenke. Das herrliche Wetter, die vorwärtsstrebende Jugend, das Gefühl gesund zu sein, einen liebevollen Sohn zu haben, glückliche Freunde zu kennen uam. gaben mir den Anstoss, weitere Strongman Runs mitzumachen. Das Dabeisein, Schritt zu halten ist umwerfend. Mein Motto ist:
    Iss richtig, lebe lang und stirb schnell. So viele Probleme werden vermieden. Schauen Sie via You Tube die lebensfreudige Jugend beim Strongman Run zu.
    Zweifeln Sie immer noch an einer besseren Zukunft ?

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