Bunker und Zackenfestung

Diese Woche eine Rundtour von Ste-Croix auf die Aiguilles de Baulmes (VD)


Es ist immer wieder gut, von Yverdon hinauf nach Ste-Croix zu reisen. Das Schmalspurzüglein holt auf dem Zwischenplateau von Vuiteboeuf zu einer kilometerlangen Engschleife aus, um die verbleibenden 400 Höhenmeter zu bewältigen. Und hernach fährt es eng am Rand des Schluchtkessels der Gorges de Covatanne. Beides sind grosse Bahnmomente.

In Ste-Croix weilte ich schon mehrere Male wegen des nahen Chasseron. Diesmal hatte ich ein anderes Ziel: die Aiguilles de Baulmes. Aiguilles, das sind Felsnadeln. Dieser Höhenzug ist von Süden betrachtet eine Zackenfestung. Die Nordseite freilich ist harmlos, ein bewaldeter Hang aus schütterem Kalk.

Zwei Frauen, zwei Bunker

Ich hielt vom Bahnhof in den Ort hinein, bog links ab, passierte bald als letztes Haus das Spital. Zwei Frauen vor mir gingen ein wenig schneller, stoppten aber immer wieder; mal schnürte die eine ihren einen Schuh neu, mal streichelte die andere ein paar Ziegen. So wanderten wir lange in einer prekären Nähe, überholten uns wechselweise, tauschten auch ein paar Worte: «Elles sont très jolies», sagte ich über die Ziegen auf Holperfranzösisch.

Bei La Gittaz Dessous kehrten die Frauen ein; eine Bauernwirtschaft. Ich lief weiter nach La Gittaz Dessus und erblickte einen alten Bunker. Nicht erstaunlich angesichts der Nähe zu Frankreich. Kurz darauf ein zweiter Bunker, der Wanderweg führte links von ihm hinauf zu den Aiguilles, die ich schon längere Zeit vor Augen gehabt hatte. Im Aufstieg gab es zweimal Abzweiger, ich wählte beide Male die Variante «Sommet».

Durch schütteren Sturmwald mit spektakulären Baumleichen erreichte ich besagten Gipfel. Herrlich der Ausblick, auch wenn die Luft zu dunstig war, dass ich den Mont Blanc hätte erschauen können. Aber die Region und die angrenzenden Berge sah ich doch, genoss auch den Anblick des Neuenburgersees zu meinen Füssen.

Zu lange verweilte ich nicht, denn ich wusste von einem Freund, dass weitere tolle Aussichten folgen würden. Die Aiguilles de Baulmes sind eine Serie von Felsvorsprüngen, auf denen man steht wie auf einem Sprungbrett. Der Weg zwingt einen freilich zu gar nichts; das An-den-Abgrund-Treten ist fakultativ.

Via das Alpgebäude Chalet des Aiguilles und den Verzweiger Cave Noire kam ich zum tiefer gelegenen Restaurant Mont de Baulmes. Es frustrierte mich. Aus dem Internet wusste ich, dass es eine Hochburg des gepflegten Käse-Erlebnisses ist. Mein Magen knurrte. Aber vor dem Haus standen unzählige Autos. Die Tische draussen waren weitgehend, die drinnen sämtlich belegt. Natürlich hätte ich einen Platz gefunden, aber ich hatte keine Lust – zu viele Automenschen.

Trostpizza in Zollikerberg

50 Minuten später war ich wieder in Ste-Croix. Das Züglein stand bereit, ich erwischte es knapp, fuhr in Yverdon gleich weiter. Um halb fünf war ich zu Hause in Zollikerberg. Ich liess mich im Garten des Restaurants Rosengarten nieder und hatte kurz darauf eine Pizza Napoli vor mir. Während ich sie verschlang, sichtete ich auf dem Fotoapparat meine Bilder.

Doch, die Aiguilles sind imposante Nadeln! Wer nur die schroffen Aufnahmen herzeigt, wird als eine Art Reinhold Messner des Juras bewundert werden. Wie gefahrlos er hinaufkam, braucht er ja nicht zu verraten.

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Route: Bahnhof Ste-Croix – Spital – La Gittaz Dessous – La Gittaz Dessus – Aiguilles de Baulmes, Sommet (Gipfel) – Chalet des Aiguilles – Cave Noire – Mont de Baulmes (Restaurant) – Bahnhof Ste-Croix.

Wanderzeit: 3 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: Je 570 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: T250 Vallée de Joux 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Anreise: Von Yverdon mit dem Bähnchen hinauf nach Ste-Croix.

Charakter: Technisch einfache Wanderung mittlerer Anstrengung. Etwas steil und ruppig in der Passage zum Gipfel. Ausgesetzte Punkte mit Weitsicht auf der Krete sind vermeidbar.

Höhepunkte: Die Bahnfahrt Yverdon – Ste-Croix. Die weite Juralandschaft bei La Gittaz Dessus. Die Weitsicht vom Gipfel.

Kinder: Keine Probleme. Auf der Aiguilles-Krete muss man sie aber beaufsichtigen!

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: La Gittaz Dessous . Im Juli und August an allen Tagen offen. Restaurant Mont de Baulmes. Derzeit an allen Tagen offen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

5 Kommentare zu «Bunker und Zackenfestung»

  • Peter sagt:

    Eine wirklich schöne, lohnende Tour. Nur würde ich diese in umgekehrter Richtung machen. Grund: das überlaufene Restaurant Mont de Baulmes passiert man am Anfang, der Aufstieg zu den Aeguilles ist nicht sooo steil und ist auf der ganzen Strecke aussichtsreich, sodass einem der Sommet freundlich empfängt, der Abstieg rascher, die Einkehr in La Gittaz ist lohnender und verspricht gute Erholung.

  • thomas sagt:

    Schade kann man die gpx-Datei nicht gebrauchen. Das Dateiformat sollte .gpx sein, um sie direkt auf ein übliches Garmin übertragen zu können.

  • Bruno Kocher sagt:

    Guten Tag
    Ich möchte diese Wanderung nächstens auch machen mit zwei Kollegen.
    Einer davon hat etwas Probleme in den Knien, wenn es steil abwärts geht.
    Wie sieht es aus bei diese Wanderung? Steil oder doch nicht so steil abwärts?
    Wäre dankbar für eine Auskunft!

    Freundliche Grüsse
    B.Kocher

  • Martina sagt:

    Was für schöne Wanderungen! Das macht direkt Lust, selbst die Schuhe zum Wandern anzuziehen und ins Wanderland Schweiz zu fahren! Ich habe mir auf jeden Fall schon ein Kreuz in meine Wanderkarte gemacht und diese Wanderwege stehen auf der Liste! Viele Grüsse, Martina

  • Oliver Marfurt sagt:

    Diese Bahnstrecke ist tatsächlich sehr schön und bringt wunderbare Aussichten, eigentlich völlig unerwartet! Zudem steckt eine interessante Geschichte dahinter: Als die Bahn gebaut wurde durfte sie nur von Montag bis Samstag verkehren. Erst nach dem Tod des Erbauers William Barbey wurde diese Vorgabe aufgegeben. Man stelle sich das heute vor…

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