Das Bänkli, auf dem man sich besser anschnallt

Diese Woche vom Prättigau via Valzeina und Stams nach Trimmis (GR)

Zwei Vorbemerkungen. Erstens sehen wir im Zug Richtung Chur zur Linken sofort nach Landquart eine Fernsehantenne. Sie markiert eine andere Welt. Hinter dem Berg, in den sie gepflanzt ist, liegt das Hochtal von Valzeina. Es ist der grösstmögliche Kontrast zum Rheintal mit seinem Durchgangsverkehr und den grossen Ortschaften. Valzeina: Ruhe in Dorfform.

Zweitens ist diese Wanderung ist sehr lang. Sie dauert weit über sieben Stunden, wir machen mehr als 1300 Höhenmeter aufwärts und auch wieder abwärts. Wer es gern kürzer hätte, der kann aber die erste und die dritte der drei Etappen per Bus absolvieren. Es bleibt ein herrliches Mittelstück von etwas über drei Stunden.

Gefahrlos am Abgrund

Etappe eins beginnt bei der Bahnstation Seewis-Valzeina im Prättigau. Es geht über die Landquart und auf dem schmalen Bergsträsschen durchs Gätziloch. Das Motto ist aufwärts, aufwärts, aufwärts, doch da ist Variation: Strässchen, wie gesagt, aber auch Wald- und Wiesenpfade. Einmal wandern wir hart an der Felswand zur Prättigauer Chlus, doch die Sache ist ungefährlich.

Beim Bärgi lichtet sich der Wald, wir haben unser Hochtal vor uns, dazu die erwähnte Antenne und weit hinten das Ausreisezentrum Flüeli. Das frühere Ferienheim, in dem abgewiesene Asylbewerber ihre letzte Zeit in der Schweiz verbringen, hat Valzeina bekannt gemacht. Der Dokfilm «Life in Paradise» von Roman Vital zeigt, welche Spannungen es wegen des Flüeli im Dorf gibt.

Noch sind wir nicht in Valzeina. Zuvor wandern wir ein Stück weit der Felskante entlang, bei der das Gelände senkrecht zum Rheintal abfällt. Auch da: keine Gefahr, kein ausgesetztes Gehen! Das eine Bänklei freilich ist derart nah an die Kante gestellt, dass man findet, man würde hier zwar gerne sitzen, aber nur angeschnallt

Valzeina ist herrlich. Besonders der Hofladen im Kirchenheimet, vor dem ein Tisch steht. Wir können Salsiz kaufen und essen, Käse, Linzertorte, auch Getränke gibt es. So erholen wir uns bestens von Etappe eins, die gut drei Stunden gedauert hat. Unmerklich länger nun Etappe zwei. Auf Asphalt gelangen wir aus dem Dorf, ziehen, die Hochwangkette im Auge, vorwärts, gelangen auf dem Churberg ins Grüne, steigen weiter auf zum «Sattel».

Schnell zeigen sich hernach in einer Geländefalte Alphütten. Das ist Stams, zu dem ein Berghaus gehört, in dem es eine sehr gute Gerstenstuppe gibt. Wir beschauen uns das Calandamassiv, geniessen Höhenluft und Stille, schauen den Bikern zu mit ihren kurzen Hosen und den Knien, die halt einfach in ihrer Rötung und Knorpligkeit des Menschen kuriosester Teil sind.

Zisch, ein Calanda

Etappe zwei endet nach längerem Abstieg im Dörfchen Obersays, wir können den Bus hinab nach Trimmis nehmen. Wer noch mag, macht sich an Etappe drei, die noch einmal knapp anderthalb Stunden dauert; es ist ein ruhiges Abwärtsgehen ohne Probleme. Endlich sind wir unten in Trimmis, das als Dorf ein Mischwesen ist: hohe, seltsam zerklüftete, dicht bewaldete Berge mit Tobelschlitzen zum einen. Und liebliche Rebhänge und mediterrane Trockenmäuerchen mit Eidechslein zum anderen. Ein kühles Bier in einer Gartenwirtschaft rundet die Wanderung optimal ab. Ein Calanda, in der Regel.
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Route: Station Seewis-Valzeina – Gätziloch – Tenn – Gaschlun – Hauptwald – Bärgi – Tritt – Valzeina – Eggen – Clavadätsch – Churberg – Sattel – Stams – Falirtobel – Obersays – Untersays – Lätsch – Valtanna – Vorholz – Trimmis – Trimmis Saliet.

Etappe 1: Station Seewis-Valzeina – Valzeina Alpenrose (gleich beim Hofladen im Kirchenheimet). 3 Stunden, 765 Meter aufwärts, 232 abwärts. Diese Strecke kann man auch mit dem Bus machen, es gibt aber nur einen Morgenkurs.

Etappe 2: Valzeina Alpenrose – Obersays. 3 1/4 Stunden, 557 Meter aufwärts, 584 abwärts.

Etappe 3: Obersays – Trimmis. 1 1/4 Stunden, 65 Meter aufwärts, 590 abwärts. Auch diese Strecke kann man mit dem Bus machen, den man aber reservieren muss!

Wanderkarte: 248 T Prättigau, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Bus von Trimmis Saliet nach Chur HB.

Charakter: Drei Wanderungen in einer. Wem das zuviel ist, der streicht die erste oder die dritte Etappe – oder gleich beide. Eine unglaublich vielseitige Route, aussichtsreich, mit Passagen aller Art: Höhenweg, Tobel, Wald, weite Wiesen.

Höhepunkte: Der Anblick Valzeinas von Bärgi aus, der Tiefblick von dort hinab ins Rheintal. Der wundersam geformte Cyprianpsitz. Die Hütten von Stams, die Einkehr dort. Das Einlaufen in Trimmis durch die Reben.

Kinder: Machbar. Einige Male führt der Wanderweg (nicht ausgesetzt) nah der Geländekante entlang, aufpassen!

Hund: Machbar, aber weit.

Einkehr: Hofladen Kirchenheimet in Valzeina, Familie Heinz-Walli. Der Laden ist tagsüber in der Regel offen, man bekommt auch Kaffee, Tee, kleine Sachen zum sofortigen Essen. 079 383 69 94. – Bergrestaurant Stams, durchgehend offen. Hier kann man jederzeit essen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmer privatem Journal.

1 Kommentar zu «Das Bänkli, auf dem man sich besser anschnallt»

  • Irene feldmann sagt:

    Tolle tour und fantastische Bilder, nur schon vom lesen wurde ich so müde das ich schlussendlich diese Wanderung mit dem Helikopter machen würde….:)

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