Ein Junge namens Eiger – warum Naturnamen für Kinder im Trend sind


Was für eine Aussicht – fast wie von einem Hochalpengipfel! Die amerikanische Bestsellerautorin und Trendforscherin Pamela Satran prophezeit, dass die künftige Generation Eltern ihren Babys Berg- und naturnahe Namen geben wird. Everest zum Beispiel soll so populär werden wie heute bei uns Noah und Mia. In  Mode kommen auch Nile, Oceana und Season, schreibt Satran auf Nameberry.com. Erwartende Väter und Mütter diskutieren schon jetzt in englischsprachigen Foren, ob sie ihren Sohn Beach (Strand) oder Beech (Buche) taufen sollen. Mit beiden verbinden sie schöne Erinnerungen und romantische Gefühle.

Mich wundert dieser Trend nicht. In Zeiten von Dichtestress, Lärm und Ozonbelastung zieht es die Leute wieder zurück zur Natur. Man sehnt sich nach frischer Luft, nach dem Geruch von Moos, nach glücklichen Murmeltieren, nach Heidelbeeren, Ruhe und Entschleunigung. An Wochenenden flüchten geplagte Städter und zubetonierte Agglobewohner in die Berge. Unter der Woche lesen sie das Erfolgsmagazin Schweizer LandLiebe, dessen wunderschöne Abbildungen von Magnolien den Duft von Frühling ins Wohnzimmer zaubern. Man träumt vom eigenen Kräutergarten und von seltenen, bis vor kurzem ausgestorbenen Früchte- und Gemüsesorten, die man selber züchtet, dann einmacht oder stundenlang auf tiefer Flamme zu Konfitüre verkocht. Meine Mutter im Berner Oberland macht Letzteres tatsächlich.

Friede und Freiheit

Für Pamela Satrans Prophezeiung spricht, dass sie mit ihren Prognosen schon früher recht hatte. 1988 schrieb sie, dass die Eltern nach der Jahrtausendwende die Namen für ihre Kinder auf der Landkarte suchen würden. Und tatsächlich: Savannah, Dakota und Adelaide sind zurzeit in den USA extrem beliebt. Prominente taufen ihren Nachwuchs Brooklyn (Beckham), San Diego (Pooth Feldbusch), Paris (Hilton), Kingston (Stefani), Ireland (Basinger). Nicht zu vergessen unsere Pipilotti Rist, deren Sohn Himalaya heisst. Namen mit Naturbezug haben ebenfalls schon Hochkonjunktur. Die jüngste Tochter von  Michelle Hunziker heisst Sole (Sonne), jene von Gwyneth Paltrow Apple (Apfel) und jene von Bob Geldof Peaches (Pfirsich). Und eben, George Lucas, Macher von «Star Wars» und «Indiana Jones», präsentierte Anfang Jahr den Medien sein herziges Töchterchen Everest.

Natürlich muss und soll man nicht jeden Trend mitmachen. Aber die Vorstellung, dass Kinder künftig nach Bergen genannt werden, finde ich super. Er entspricht dem allgemeinen Bedürfnis nach Frieden und Freiheit. Weshalb also Namen aus der Bibel wählen, aus einer Welt, wo vieles Sünde ist? Wo man sich nichts gönnen darf ausser Verzicht? Wer tauft sein Kind noch – sorry – Johannes? Nach einem, der den Leuten den Kopf unter Wasser gedrückt hat und dessen Zeremonie bis heute neun von zehn Babys zum Schreien bringt, wenn ihnen der Pfarrer eine Kelle kaltes Wasser über das flaumige Haupt giesst.

Ein Trend wie geschaffen für die Schweiz

Everest klingt toll, aber in der Schweiz bekommt er als Berg-Babyname Konkurrenz. Ohne jetzt auf Nationalstolz pochen zu wollen, aber angesichts unserer Neigung, selbst in Coop, Migros und Lidl Produkte aus der Region zu kaufen, werden die hiesigen Eltern kaum zu Gipfeln in anderen Kontinenten greifen. Denken wir also nach:

Das Matterhorn ist unsere Aushängeerhöhung, sein Kosename lautet Horu. Klingt doch wunderbar für ein Kind. «Horu, hör jetzt auf!» Tipptopp! Will man seinem Kind schon bei Geburt den Weg für eine bürgerliche Politkarriere ebnen, wählt man Herrliberg. Für Bildungsbewusste wäre der Uetliberg etwas. «Uetzgi, hast du deine Ufzgi schon gemacht?» Frauen, die ungewollt schwanger wurden, können diese Erfahrung mit dem wunderschönen Schreckhorn verewigen. «Schrecki, du darfst deine Gspähnli im Sandkasten nicht hauen!» Für solche, die total auf kurze Namen stehen, eignen sich Dom und Rigi. Für werdende Eltern von Zwillingen würde Pollux und Castor auf der Hand liegen. Und für Drillinge Eiger, Mönch und Jungfrau.

Mein persönlicher Favorit wäre Eiger. Ein ewiger Traumberg, der mir schon etliche harte, aber herzliche Erlebnisse geschenkt hat. Seine Figur ist unheimlich sexy, sein Bauch ein Waschbrett. Würde ich morgen einen Mann treffen, der Eiger heisst, ja, ich liesse mich wahrscheinlich sofort auf ein Abenteuer ein. Jedenfalls schneller als mit einem Rüdiger. Eiger eignet sich wie Everest auch als Mädchenname – finde ich. Und welcher Alpinist würde nicht gerne daheim seine eigene Eiger besteigen – am liebsten als Allererster? Als Eltern sollte man ja daran denken, die Bébés kommen irgendwann aus dem Schutzalter raus.

Nach welchem Berg würden Sie Ihr Baby nennen?

43 Kommentare zu «Ein Junge namens Eiger – warum Naturnamen für Kinder im Trend sind»

  • Michi Jäcksen sagt:

    In den Toggenburger Alpen gäbte es eine Alp Arsch…

  • beatrice zwillinf*ringwald sagt:

    bei der namensgebung muss man immer bedenken. dass das betroffene buschi. kind und teenager diesen namen tragen muss. und auch je nachdem spoetteleien ausgesetzt. die man dem kibd mit einem konventionellerem namen ersparen kann. erst mit 18
    bei vooljaehrigkeit kann der betroffene eine namensaenderung beantragen.

  • fufi sagt:

    Castor und Pollux sind Menschennamen (Zwillinge: Die Dioskuren),
    die irgendwann aud die Berge übertragen wurden.
    Ebenso wie der Pilatus.
    Aber wer möchte seinen Sohn denn SO nennen?

  • hallo mitenand

    das ist einfach eine dummheit, seinem kind einen bergnamen zu geben.
    diese gehören in die natur. dem kind ist damit nicht gedient.

    gruss von
    raphael wellig

  • Liese Widmer sagt:

    Gehts noch dümmer? Sind wir noch Menschen oder ist unsere seelische Versteinerung schon soweit gediehen , dass wir den Unterschied zwischen einem nach Gottes Bild geschaffenen Menschen und einem seelelosen Steinblock nicht mehr erkennen?

  • Peter Steiner sagt:

    Ideen für zukünftige Eltern siehe Gipfelverzeichnis von Roman Koch: http://www.romankoch.ch/download/default.htm.

  • Megge sagt:

    In Sagen kommen solche Namen schon länger vor. Somit hat sich unsere Gesellschaft wohl schon früher mit solchen Namen beschäftigt.

    ….Eines Abends, kurz nachdem die Alpen im Frühsommer neu bestellt waren, sah Canard, wie sich eine junge Frauengestalt seiner Hütte näherte. Da die Sonne bereits von den höchsten Bergspitzen Abschied genommen hatte und die Dämmerung hereingebrochen war, glaubte Canard, Sardasca wolle ihm noch einen Besuch machen. Bald aber bemerkte er, dass es sich nicht um Sardasca, sondern um ein für ihn bis dahin fremdes Mädchen von ausgeprägter Schönheit handelte. Als die Fremde beim Hirten angelangt war, grüsste sie freundlich und erkundigte sich nach dem Weg über den nahegelegenen Gletscher. Canard gab auf die gestellte Frage bereitwillig Auskunft, fügte aber hinzu, heute Abend sei eine Überquerung des Gletschers nicht mehr möglich. Er sei gerne bereit, ihr Herberge in seiner Hütte zu geben. Das schöne Mädchen nahm die Gastfreundschaft dankend an. Beim gemeinsamen Abendbrot erzählte die Fremde von ihrer Herkunft und dass sie gegen den Willen von Vater und Schwester nach dem Süden zurückkehren wolle. Ebenso erfuhr der Jüngling, dass das Mädchen den Namen Silvretta trug…
    …Übrigens auch der Name Madrisa beschreibt ein wunderschönes Mädchen mit langen blonden Haaren.
    Oder die wunderbare Bergfee Diavolezza.
    Der Name Linard kennen wir auch schon länger und ist real.

  • röntsch sagt:

    hab letzthin die tencia von hinten bestiegen und bin vorne wieder runter…

  • Ädu sagt:

    und erst die Südseite „der“ Eiger…

  • Lampi sagt:

    Für adoptierte Töchter der in .it legalen (aber so gut wie nicht vorkommenden) Männerpaare empfiehlt sich vielleicht „Becca di Gay“ ;)

  • Luis Trenker sagt:

    Dümmer gehts nimmer!
    Die armen Gofen! Müssen lebenslänglich mit einem beknackten Vornamen herumlaufen!
    Kevin Rüdisühli und Tscheniffer Häfeli sind ja schon schlimm genug!
    Künftig werden wir also auch noch dem Tödi Hösli begegnen im Glarnerland, dem Palü Bargetzi im Engadin und dem Furggengütsch „Furggi“ Ramseier in unserem heimischen Emmental.

    • Chrige sagt:

      Wie wär’s mit Frümsel Müller oder Brisi Keller? Und warum tönt das Ganze mit englischen Namen so viel weniger albern? Skye oder Orkney zum Beispiel…

      • Luis Trenker sagt:

        Die Kombination macht’s, liebe Chrige, die Kombination!
        Für Skye Bölsterli aus Schnottwil und Orkney Gäggeler aus Gündlischwand bleibt dann bloss noch die Hoffnung auf Verehelichung mit einem Herrn Mackenzie aus Edinburgh oder einem Herrn Buchanan aus Glasgow und der daraus resultierenden Möglichkeit der Entsorgung ihres Ledigennamens!

  • Lutz Leonhardt sagt:

    Wir haben schon länger einen kleinen Porsche zu Hause und jetzt hat sich eine noch kleinere Mercedes dazugesellt.

  • Armin sagt:

    Namen sind die vorweggenommene Rache der Eltern an ihren Kindern

  • Irene feldmann sagt:

    Nach dem lesen dieses Reports, höre ich mit dem Wein trinken auf…..:)

  • Luise sagt:

    Lustige Gedanken, danke Natascha. Schlimmer als die heutigen Namen (Moana, Kevin etc.) kanns nicht werden. Ich staune was alles an skurrilen Namen möglich ist. Eiger oder Horu würden dagegen sicher nicht genehmigt. Eine Tochter namens Himalaya? Warum nicht? Oder gar K2:-)))

  • Eiger sagt:

    Aber Aber Frau Knecht :-) ist man sich ja gar nicht gewohnt von Ihnen …..

  • Jack Stoffel sagt:

    Kindernamen sind zuverlässige Indikatoren für für durchgeknallte Eltern und benachteiligte Kinder. Die Bergnamen allerdings wären nicht ohne Unterhaltungswert: Ich warte gespannt auf Bedienungspersonal in einer Menge denkbarer Dienstleistungsbetriebe mit Namensschildern wie Hoher Kasten, Sex Rouge oder Grand Ballon…

  • Nenad sagt:

    Das schreit förmlich nach einem Schlechten Witz…hier ein beispiel…Wir schreiben das Jahr 2035…2 Frauen sitzen in einer Bar…Sagt die eine..ich habe gestern den Everest bestiegen…sagt die andere..gestern..?? da waren wir ja noch mittagessen..??..und wir sitzen hier in Zürich..?? die andere..ach nein ..ich war nur schnell bei meinem Nachbarn..der wollte schon lange mal was von mir…

    Bitte ..bitte …nennt eure künftigen Kinder in aller ruhe mit noch so exotischen namen..Dann geht uns der Humor vielleicht nicht verloren…und der Psychologen Nachwuchs geht uns vielleicht auch nicht verloren..ständiges Hänseln und gemobbt werden in der Kindheit ist unheimlich förderlich für die Entwicklung von Kindern..

  • d p e sagt:

    soll ich mein Mädchen nun Jungfrau oder Martinsloch nennen?

  • Sandra sagt:

    Mein Neffe heisst Hannes, ich finde diesen Namen cool. Besser als die hundert Noahs oder irgendwelche komplizierten, exotischen Doppelnamen die man sich kaum merken kann!!

  • Pascal sagt:

    Ich würde meinen kleinen nach dem Adelbodner „Fitzer“ benamsen, und hoffen das aus Fitzer kein Flitzer wird.
    Der Emmentaler „Sieben Hengste“ käme für Schwingerfamilien allenfalls in Frage… ;-)

  • David Rovere sagt:

    Vielleicht liegt es auch am Bedürfnis der Eltern, die Kinder nach dem Zeugungsort zu benamsen.
    Wenn das flächendeckend Schule macht, dann werden Dixi und Toitoi bald sehr häufige Namen werden.

  • Olivia sagt:

    Hm… wenn ich Richtung Himalaya schaue fällt mir dann K1 und K2 ein. Das wäre dann eher seltsam… Schilty, Schrecki? Pilatus wäre aber schon cool.

    • Barbara Rüegger sagt:

      Wie wärs mit Annapurna oder Dhaulagiri, kann sich bestimmt niemand merken und das Kind wird dann immer wieder gefragt: wie heisst du nun schon, ist doch toll! A
      Aber in den USA sind Namen wie Automne, Asia oder Vienna schon lange in.

  • Bruno sagt:

    Je nach Situation wäre Äbeni Flue, Breithorn oder Mönch durchaus treffend. Rosablanche oder Bernina wäre schon fast unauffällig… ;-)

  • Philipp Rittermann sagt:

    …also bei einem buben auf jeden fall „matterhorny“.

  • Lukas sagt:

    Uetzgi und Uufzig – grosse klasse!

  • Doris Pongracz-Zimmerli sagt:

    „Schreckhorn“ statt Doris? Oder eher „Wildstrubel“? Vielleicht „Blüemlisalp“? Schwierige Entscheidung – echt schwierig!…

  • Stierenberg K. Moser sagt:

    ich finde es schlimmer, Kindern die Namen von Religions-Heiligen zu geben.

  • Thomas Hürzeler sagt:

    Köstlich. Leider kann ich mangels Baby keine Baby-Namen vorschlagen.
    Aber meinen Hund nenne ich „Erwillnurschpile“.

  • Sally K. sagt:

    Wenn das Baby bei der Geburt die 4 Kilo-Grenze erreicht, würde „Brocken“ gut passen. Bekannter Berg im Harz (Deutschland)

  • Linda sagt:

    Sie Schreiben: „Eiger eignet sich wie Everest auch als Mädchenname – finde ich. Und welcher Alpinist würde nicht gerne daheim seine eigene Eiger besteigen – am liebsten als Allererster? Als Eltern sollte man ja daran denken, die Bébés kommen irgendwann aus dem Schutzalter raus.“

    Welcher Alpinist unter den Eltern würde also nicht am liebsten als erster sein Mädchen besteigen, bevor es aus dem Schutzalter raus ist? Ist Ihnen bewusst, dass das leicht falsch verstanden werden kann?

    • Philipp Rittermann sagt:

      das SOLL falsch verstanden werden, um unbedarfte…eltern auf diese unvorteilhafte zwei-deutigkeit zu sensibilisieren!

  • Philipp Rittermann sagt:

    also erstmal – hallo frau knecht – habe sie schon vermisst!

    das mit den lustigen….kindernamen entspricht ganz und gar dem geltungsdrang einiger prominenter, und solcher, die das gerne sein möchten. hauptsache extravagant da deren kinder ja hauptsächlich auf privatschulen gehen, bleiben die kuriositäten unter sich – und die hänseleien wohl grösstenteils aus. dies generell.

    die spezifischen bergnamen finde ich persönlich total daneben. wer in aller welt nennt denn sein kind „uetliberg müller….“ oder „zaubernock huber….??“ also ehrlich.

    dieser äh-trend – bezeichnenderweise mal wieder aus dem land der begrenzten intelligenz stammend, dürfte auch in unseren landen wohl – und glücklicherweise – nur eine vorübergehende mode-erscheinung darstellen….auch bitte schön wegen den erwähnten „erst-besteigungen….“. also nein, die armen kinder.

    • captain kirk sagt:

      „….auch bitte schön wegen den erwähnten “erst-besteigungen….”

      made my day! :)

    • Laura sagt:

      Das ist kein amerikanischer Trend, sondern ausserhalb der christlich/muslimischen Welt der Normalfall und da die Welt zusammenwächst und man in den USA seit jeher mit einer sehr viel grösseren Bandbreite an Namen zu tun hat (all die vielen Herkünfte der Einwanderer und die diversen first Nations), ist man dort neuen Namen gegenüber recht offen.
      Ausserdem: Wenn ein Chinese seine Tochter „Mei-Lan“ nennt ist das für die meisten hierzulande in Ordnung. Wenn ein Amerikaner seine Tochter „Beautiful Orchid nennt“ blüht bei denselben Leuten der Antiamerikanismus auf – obwohl beide Namen exakt dieselbe Bedeutung haben.

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