Drei Männer im Föhn

Diese Woche von Sargans via Oberschan und Werdenberg nach Buchs SG


Zwei bedeutende Schlösser markieren Anfang und Ende dieser Wanderung, Sargans und Werdenberg. Die Route, die sie verbindet, heisst denn auch «Schlossweg». Freilich erlaubten wir uns an unserem Tag eine Abweichung von der offiziellen Variante und mieden das Dorf Azmoos; wir bekamen so etwas mehr Grün. Mehr davon gleich.

Torkeln im Torkel

Der Föhn blies, als wir in Sargans starteten. Im Rest der Schweiz regnete es bereits, wir hatten das per Smartphone genüsslich verifiziert. Ein kurzer Antritt, eine steile Treppe, und wir waren oben beim Schloss. Die Aussicht Richtung Walensee, aber auch aufs Rheintal und unzählige Berge rundum war grandios. Keine Lust hatten wir auf das vom Europarat ausgezeichnete Heimatmuseum. Und zu früh war es leider für eine Weinprobe im schlosseigenen Torkel; was für ein passendes Wort übrigens!

Am Hang linkerhand des Rheintals zogen wir vorwärts, bald senkte sich der Weg, wir langten wieder unten am Rand der Ebene an, beim Weiler Vild, einst eine Zollstation. Ein leuchtend rotes Schild lockte uns ins Restaurant Gonzenbergwerk. Der Gonzen, dieser unübersehbare Zacken, ist der Sarganser Hausberg. Sechs Jahrhunderte lang, bis 1966, wurde aus ihm Eisenerz zutage gefördert. 90 Kilometer lang sind die Stollen, die Höhendifferenz zwischen den untersten und obersten Gängen beträgt mehr als 1000 Meter. Das Restaurant unter Tag gefiel uns; bei ihm starten auch die Führungen in den Berg.

Wieder stieg der Weg, verengte sich und präsentierte ein Abenteuerchen: eine schmale, aber gut gesicherte Passage am steil zum Rhein abfallenden Schollberg. Hernach der Punkt Wisen, an dem wir nun eben vom «Schlossweg» abwichen. Wir hatten Lust, höher am Hang zu gehen, und hielten via Böschen und Malans statt via Azmoos nach Oberschan.

Oberschan («Schaa») hockt fernab des Autobahnlärms aus dem Rheintal in einer trauten Mulde. Wir kehrten in der Mühle ein, wo ein Gildekoch wirtet; tatsächlich liess das Essen nichts zu wünschen übrig, wir hatten Dorade, Cordon bleu, Kalbskotelett. Ah ja, ich muss nachschieben, dass wir zu dritt unterwegs waren, drei Männer. Der Rest des Grüppleins war vergrippt, überarbeitet oder unterwegs auf einem Touristenschiff auf dem Mekong.

Markenzeichen Futtermühle

Nach Oberschan wurde der Weg noch schöner. Wir sahen ein Ried. Durchzogen eine Enge im Wald, den Chalchofen mit einem Felsbrocken vom Bergsturz des Jahres 1998. Blickten immer wieder auf den furchterregenden Klotz des Falknis gegenüber. Machten über Vaduz das Schloss des Liechtensteiner Fürsten aus. Über Valschnära, St. Ulrich, Altendorf – sein Markenzeichen ist eine kirchturmartige Futtermühle – erreichten wir Werdenberg. Wieder ein grosses Schloss. Und zu seinen Füssen verhutzelte Holzlauben des Mittelalters.

Wir mochten Werdenberg sehr, was theoretisch auch für den See nebenan gilt, der allerdings schwer unter dem Durchgangsverkehr leidet. Ein Schlussspurt, derweil es zu tröpfeln begann, und wir kamen am Bahnhof Buchs an. Es war eine tolle Wanderung gewesen, waren wir uns einig, trotz etlicher Stücke auf Hartbelag. Die Variation machte es aus: Rebhänge, Bauernhöfe, Dörfer und Weiler, zwei Schlösser, viele Berge, Wald und Wiese, die dräuenden Wolken und der Wind, der sie in Schach hielt. In meiner Erinnerung ist diese Unternehmung abgelegt unter dem Titel «Drei Männer im Föhn». Hey Frauen, ihr habt viel verpasst.

PS: Die nächste Wanderkolumne erscheint in zwei Wochen; nächsten Freitag, 18. April, fällt sie aus (Karfreitag).

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Route: Bahnhof Sargans – Schloss Sargans – Eisenbergwerk Vild (Restaurant Gonzenbergwerk) – Atscha – Schollberg (schmale Passage an einem steilen Hang) – Wisen (Verzweiger mit zwei Möglichkeiten, gerade aus nach Azmoos oder aufwärts nach Böschen und Malans wie in dieser Wanderung; die Variante Azmoos ist im Schlossweg Sargans-Werdenberg vorgegeben) – Böschen – Malans – Oberschaan – Oberschaaner Riet – Felssturzgebiet Chalchofen – Valschnära – Hof – St. Ulrich – Valcupp – Sonnenbühl – Mühle Altendorf – Vorder Runggels – Städtchen Werdenberg – Bahnhof Buchs.

Wanderzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 604 Meter aufwärts, 640 Meter abwärts.

Wanderkarte: 237 T «Walenstadt», 1:50’000.

Kürzer: An vielen Orten kann man vorzeitig ins Rheintal absteigen. Oder man beendet die Wanderung nach knapp drei Stunden in Oberschan und nimmt den Bus.

Charakter: Ziemlich viel Auf und Ab. Zwei historische Schlösser. Enorm viel Aussicht. Anstrengend. Bei der Passage am Schollberg nach Vild muss man Kinder beaufsichtigen und bei Nässe vorsichtig sein. Das kleine Stück im Abstieg nach Altendorf kann bei Nässe glitschig sein.

Höhepunkte: Der erhabene Blick vom Schloss Sargans. Das Bergwerkrestaurant von Vild unter Tage. Das Ried nach Oberschan. Der See von Werdenberg und das historische Städtchen.

Kinder: Vorsicht auf der Passage am Schollberg.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Mühle Oberschan, sehr gutes Lokal! Ruhetage Di/Mi. Mo/Do/Fr nach den üblichen Esszeiten nachmittags von 14.30 bis 17 Uhr zu. Sa/So durchgehend warme Küche. – Unbedingt hineinschauen sollte man auch ins Restaurant Gonzenbergwerk Vild. Ruhetage Mo/Di.

Rückkehr: Von Buchs per Zug nach Zürich, Bern, Basel, nach St. Gallen oder Chur.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

 

6 Kommentare zu «Drei Männer im Föhn»

  • Mike sagt:

    Hey Thomas!

    schöne Wanderung hast du gehabt! Hoffe die Dorade hat dir gescheckt ;)

    gruß Mike

  • Thomas sagt:

    Super, dann werde ich öfters mal in den Blog schauen!

  • Thomas Widmer sagt:

    Danke für die Anmerkungen. Thomas, das mit der gpx-Datei muss und soll kommen, die Technik arbeitet daran. Da ich mit Schweizmobil meine Routen vorzeichne, habe ich von jeder Route eine solche Datei parat.

  • Irene feldmann sagt:

    Tolle Wanderung mit exzellenten Bildern wieder!

  • Thomas sagt:

    Guter Blog, mit zusätzlichen GPS Dateien zum herunterladen noch besser.

  • Martin Cesna sagt:

    Da hat noch eine zweite „Truppe“ sicher halb soviel Löcher in die Felsen gebuddelt, um die Schweiz gegen die anrückenden Österreicher (oder waren es doch die Russen?) zu verteidigen. Was niht auf der eigenen Seite liegt, kann man gegenüber mit dem Feldstecher ausfindig machen.

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