R. flucht. K. flucht. Ich fluche

Diese Woche von Boswil auf den Lindenberg (AG/LU).

Es nieselt bloss, als wir an der Station Boswil-Bünzen aus dem Zug steigen; wir sind dankbar. Die Wetterprognose hat am frühen Morgen Wüsteres verheissen: Regen, Schneeregen, Eisregen, Neuschnee. Wir sind denn auch nur zu dritt, die anderen vom Grüpplein sind zu Hause geblieben.

Memmen! Oder sind sie schlicht schlau, frage ich mich, während wir Boswil queren. Es beginnt der sanfte Aufstieg auf den Lindenberg, den gut 20 Kilometer langen Kamm, der die Kantone Aargau und Luzern trennt. Bald verschlechtert sich das Wetter. Es beginnt zu regnen. Und etwas höher oben flockt es wie wild.

Es lebe das Guggibad

Im Wald fallen von den Tannen immer wieder schwere Portionen Neuschnee, den wir uns von den Köpfen und Schultern wischen müssen. R. flucht. K. flucht. Ich fluche. Aber gleichzeitig ist das stimmungsvoll. Beim Feldenmoos lesen wir die Infotafel bei dem einen der beiden Weiher. 20’000 Jahre alt ist das Moor. Als im Ersten Weltkrieg die Kohle knapp wurde, begann man die Torfschicht anzustechen, stellte Ziegel her. Brennstoff.

Via Brandholz kommen wir zum Guggibad, das seinen Namen einer alten Quelle verdankt. Wir freuen uns, dass die Wirtschaft offen ist, kehren ein, trinken etwas Warmes. Und dann machen wir uns wieder auf. Wir sind nun nah am Flugfeld von Buttwil; der Lindenberg ist nicht nur lang, sondern breit und hat an seinen Hängen Plateaus, auf denen kleine Dörfer sitzen. Und dieses Flugfeld.

Ganz in der Nähe, sehe ich auf der Karte, gibt es einen Ort namens Galitzi. Der Name hat mit dem Jakobsweg zu tun; die Pilger, die vorbeikamen und -kommen, sind auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Und das liegt in Galicien.

Es schneit immer heftiger. Auf breiten Forstwegen tappen wir durch den Wald, waten durch die Wiesen und sehen dabei fast nichts. Schade, habe ich meine Gamaschen zu Hause gelassen. Bereits habe ich Schnee in den Schuhen, das fühlt sich an, als habe mir einer Eiskaffee hineingekippt. R. flucht heftig. K. flucht heftig. Ich fluche heftig.

Beim Hof Grod könnten wir Hofprodukte kaufen, aber uns ist nicht danach. Hernach noch einmal ein Wald, der Groderwald. Und dann sind wir oben. Horben: Das ist ein aussichtsreicher und bekannter Punkt auf dem Lindenberg. Das gleichnamige Schloss, einst die Sommerfrische der Mönche des Klosters Muri, ist heute Privatbesitz und nicht zugänglich. Dafür besichtigen wir die Kapelle der Heiligen Wendelin und Ubaldus.

Wildlachs auf der Alp

Das Restaurant auf Horben nennt sich «Alpwirtschaft», ist aber ein richtiges Esslokal; in einer Alpwirtschaft gäbe es meiner Meinung nach jedenfalls keinen Alaska-Wildlachs. Vor dem Haus stehen viele Autos. Wir treten ein, finden knapp noch Platz, wärmen uns zum zweiten Mal auf. Alles wird gut, wir bestellen, trinken Rotwein, essen gute Sachen. R. lächelt. K. lächelt. Ich lächle.

Der Abstieg ist hernach eine rasche Sache. Erneut ein Galitzi! Dann erneut ein Brand; der Flurname erinnert an die Zeit, als man die Wälder mit Feuer rodete. Alsbald sind wir auf der Terrasse von Beinwil. Und einige Zeit später langen wir unten in Benzenschwil an. Es schneit nicht mehr, es regnet wieder. R. ist müde, K. ist müde. Ich bin müde. Das Wetter war katastrophal. Doch wir sind uns einig, dass wir es wieder tun würden. Schlechtwetter ist Abenteuer.

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Route: Station Boswil-Bünzen – Boswil – Freiämterstein – Feldenmoos – Brandholz – Guggibad – Schlatt – Grod – Groderwald – Tschöplihof – Beinwil – Herdmatten – Bahnhof Benzenschwil.

Wanderzeit: 5 Stunden.

Höhendifferenz: 460 Meter aufwärts, 450 abwärts.

Wanderkarte: 225 T «Zürich», 1:50’000.

Charakter: Mittelstrenge Route mit nur wenig Hartbelag. Viel Wiese und Wald. Bei gutem Wetter tolle Aussicht vom Lindenberg aus.

Höhepunkte: Die stillen Weiher vom Feldenmoos. Die Kapelle auf Horben. Die Einkehr auf Horben.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Das Guggibad ist Mo/Di zu. Die Alpwirtschaft Horben ist dienstags nur halb geöffnet (Terrasse mit Heizschirm, Raclette und Fondue).

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

4 Kommentare zu «R. flucht. K. flucht. Ich fluche»

  • hallo thomas

    ein sehr schöner lustiger bericht. den sollten wir auch in den alltag übernehmen, und einfach lockerer im leben sein.
    ich werde die wanderung einmal unternehmen.
    danke thomas.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Felber Sandra sagt:

    Selten so herzhaft gelacht. Guter Bericht..
    eine kleine Schreibweiserklärung: Galizi ist Buttwil und Galitzi in Beinwil im Freiamt.

  • Roland K. Moser sagt:

    Gibt es eigentlich Rücksäcke oder ein Zubehör, damit man den Regenschirm geöffnet in den Rucksack stellen kann? Somit bleiben die Hände frei und locker in den Hosensäcken.

    • Olin javisst sagt:

      Ja das gibt es:-)
      Ich habe einen Haglöfs Rucksack. Auf der Seite können dort ski befestigt werden oder eben der schirm.

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