Agos Schweinepfuhl und die Burg der Kühe

Diese Woche von Pfäffikon ZH nach Winterthur

Diese Woche von Pfäffikon ZH nach Winterthur.

Grau und verhangen war der Himmel über Pfäffikon. Wir spannten unsere Schirme auf und zogen los vom Bahnhof nach Norden, vorbei an einem Teich, vorbei an ein paar schwarzen Schafen. Ein böses Omen? Ach wo! Irgendwann, einige Zeit später, wurde es heller und hörte auf zu regnen.

Via das stattliche Dorf Russikon kamen wir nach Rumlikon. Dann Agasul. Aga ist doch ein orientalischer Fürstentitel, dachte ich. In diesem Fall hat das nichts zu besagen. Ein gewisser Ago bauerte hier einst. Und «sul» hat mit dem Verb «suhlen»zu tun. Ago besass einen Schweinepfuhl.

In der Kyburg wurde die Heilige Lanze aufbewahrt

Nach Agasul ging es aufwärts, und das Wetter wurde besser. Wieder ein kleines Dorf, First. Darüber eine Krete. Plötzlich hatten wir grosse Sicht Richtung Norden und Nordwesten. Erstaunlich, wie wenig Siedlungsgebiet und wie viel Wald wir sahen. Tatsächlich ist das Waldstück bei Winterthur, das den Eschenberg und den Boden an der Töss umfasst, das grösste des Kantons Zürich.

Bald kamen wir zur Kyburg, dem Schloss, zu dem ein Dörfchen gehört. Ihr Name rührt von «Kühe» her; offenbar verschanzte man sich einst, wenn der Feind nahte, samt dem Vieh auf der Burg. Die Kyburger starben schon früh aus. Die Habsburger übernahmen. Auf der Kyburg wurden dann gut 50 Jahre lang die Reichskleinodien der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches aufbewahrt. Zu ihnen zählte die Heilige Lanze, in die angeblich ein Stück Nagel vom Kreuz Christi eingepflanzt war. Sie machte ihren Träger unbesiegbar.

Ein Observatorium, Przewalski-Pferde und Wisente

Wir kamen nicht aus der Geschichte; auch nicht, als wir der nahen «Linde» zustrebten. Die Tafel an der Fassade erklärte, dass in dem Hause 1825 Wilhelm Friedrich Hertenstein geboren wurde, Bundesrat, eidgenössischer Militärdirektor. Er erkrankte in seiner Berner Zeit, man musste ihm den Unterschenkel amputieren, er starb im Amt als Bundespräsident.

Wir traten ein und mochten, was wir sahen: ein angenehm bürgerliches, nicht überkandideltes Lokal. Das Essen war sehr gut, ich hatte ein Rahmschnitzel mit einer wirklich würzigen Pilzsauce. Hernach hätten wir die Kyburg und ihr Schlossmuseum besuchen können, doch es zog uns vorwärts. Wir verzichteten also auf die berühmte Folterkammer, die hübsche Alpträume beschert, und wanderten weiter, steil hinab zur Töss auf einer Holztreppe.

Nach der Töss mussten wir wieder aufsteigen. Oben gefiel uns die Bauernwirtschaft sehr, die so heisst wie der Eschenberg, das Naherholungsgebiet der Winterthurer. Wir nahmen einen Kafi Schnaps, und ich schaute auf dem iPhone nach, was es mit dem nahen Observatorium auf sich hat. Offenbar ist dies eine ambitionierte Sternwarte. Man entdeckte schon kleine Himmelskörper, deren einer «Winterthur» getauft wurde. Und man steuert Daten bei zu einem Früherkennungssystem, das hilft, Asteroiden auszumachen, die mit der Erde kollidieren könnten.

Wir hätten nun direkt zum Bahnhof Winterthur hinabsteuern können, leisteten uns aber den Umweg via Wildpark Bruderhaus. Einst gab es bei ihm eine Benediktinereinsiedelei; sie wurde aufgehoben, weil sich die Brüder nicht zu benehmen wussten. Im Wildpark gibt es Przewalski-Pferde zu sehen, also Wildpferde aus Zentralasien. Und gewaltige Wisente. Und… sorry, ich muss aufhören, denn leider ist diese mit Attraktionen beladene Kolumne an ihrem Ende angelangt.

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Route: Bahnhof Pfäffikon ZH – Russikon – Rumlikon – Agasul – First – Ettenhausen – Kyburg – Tössbrücke – Eschenberg, Restaurant – Tierpark Bruderhaus – Vogelsang – Heiligberg – Bahnhof Winterthur.

Gehzeit: 6 Stunden.

Höhendifferenz: 380 Meter auf-, 490 abwärts.

Wanderkarte: 226 T «Rapperswil» und 216 T «Frauenfeld», 1: 50 000.

Kürzer: Von Pfäffikon bis zur Kyburg in 3 3/4 Stunden. 290 Meter aufwärts, 210 abwärts. Heimfahrt von der Kyburg mit dem Bus.

Charakter: Spätestherbstwanderung mit nicht allzu viel Höhendifferenz. Feld, Wald, Wiese und dazwischen immer wieder Dörfer.

Höhepunkte: Der Fernblick von der Krete oberhalb First auf die ausgedehnten Wälder. Die auf drei Seiten unzugängliche, wehrhafte Kyburg samt dem kleinen Dorf. Die Bauernwirtschaft auf dem Eschenberg und der Tierpark Bruderwald.

Gefahre: Etwas glitschig ist der Abstieg von der Kyburg zur Töss.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Kyburg: Das Museum ist in der kalten Jahreszeit nur Sa/So offen.

Wildpark Bruderhaus: Das ganze Jahr offen.

Einkehr: Einige Möglichkeiten. «Linde» Kyburg. Immer offen, gute Küche. «Eschenberg», November bis März Mo/Di Ruhetag.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

2 Kommentare zu «Agos Schweinepfuhl und die Burg der Kühe»

  • S. Hitz sagt:

    herr widmer, aha, so ist das mit dem agasul!
    ich habe mich schon manchesmal gewundert ab dem „agasul“. danke für die Aufklärung.

  • Fredi Brüderlin sagt:

    Für den Ortsnamen Agasul habe ich eine Schulbucherklärung in Erinnerung. Er soll aus alemannisch/keltischer Zeit stammen und Säule des Aga bedeuten. Was mit einem keltischen Heiligtum in Zusammenhang gebracht werden kann.

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