Drei Männer und ein Dreiländerstein

Wo Zug, Zürich und Schwyz zusammenkommen. Diese Woche von Menzingen zum Rossberg und Ratenpass.

Diese Woche von Menzingen zum Rossberg und Ratenpass (ZG/ZH/SZ).

Dauerregen war prophezeit, am Bahnhof Zug stellte ich fest: Von meinem Grüpplein war Peter da. Sowie Rainer. Und sonst niemand. Aha, eine Dreimännerwanderung!
Mit dem Bus fuhren wir hinauf nach Menzingen. Zwei Dinge sind zu dem Dorf zu sagen. Erstens wird es auch «Klein Rom» genannt. Die blassgrüne Kuppel des riesigen «Instituts» kündet vom Wirken der Schwestern vom Heiligen Kreuz, die hier ihre Zentrale haben. Der Frauenorden hat sich ein tätiges Leben unter den Menschen gemäss dem Heiligen Franziskus verordnet; man schwärmt aus auf alle Kontinente. Auf der Weltkarte des Katholizismus ist das kleine Menzingen gross.

Und zweitens sei festgehalten, dass Menzingen inmitten einer einmaligen Moränenlandschaft liegt. Gletscher schliffen sie zurecht. Moorig rote Feuchtwiesen wechseln sich ab mit den allersanftesten Hügelchen, in einem Wanderführer las ich die Formulierung «anmutiges Kuppenspiel». Und auf fast jeder Hogerspitze hockt ein einzelner Baum.

Google, die tridentinische Messe und das Wilerseelein

Wir starteten, es nieselte leicht, doch bald zog sich der Regen ganz zurück. Inmitten der erwähnten Rundungen wanderten oder vielmehr wandelten wir. Eine Überraschung Schloss Schwandegg und seine Kapelle. Ein Schild informierte, dass in ihr die alte tridentinische Messe gefeiert werde. Priester mit dem Rücken zu den Gläubigen also und Hauptgebete in Latein. Per Google fand ich heraus: Schloss Schwandegg ist das «Generalhaus» der Pius-Brüder. Also der Hauptstützpunkt jener Traditionalisten-Priester, die mit dem Papst im Clinch liegen.

Hoch über der Sihl hielten wir vorwärts. Finstersee gefiel uns, wie es mitsamt dem vorgelagerten Wilerseelein geborgen im Land lag. Eine erste Steilstufe brachte uns zur Greit-Höhe, wir bekamen volle Sicht auf Dörfer wie Schönenberg und Hütten sowie auf den Zürichsee. Später, nun im Kanton Zürich, machten wir uns an eine zweite Steilstufe. Hernach langten wir bei unserem Mittagsziel an, dem Restaurant Rossberg. Es gehört zur Gemeinde Schindellegi, wir waren also mittlerweile im Kanton Schwyz.

Auf zum Dreiländerstein

Wir assen. Zum Dessert nahm ich, wie es meine Herbstgefühle forderten, ein Vermicelles. Und ich stellte wieder einmal fest, wie entspannt es Männer meines Alters untereinander haben. Da ist keine Rivalität und keine hormongetriebene Häme, man kann über vieles lachen und klönt solidarisch über… nun ja, schwächelnde Körperteile.

Der «Rossberg» ist im Winter ein beliebtes Ziel für Schlittler. Wir nahmen uns vor, im Schnee wiederzukommen, fanden aber auch, dass es damit noch nicht eile. Und dann mussten wir weiter. Wir entschieden uns gegen den Schnellabstieg nach Schindellegi und für den Höhronen, jenen Höhenzug, dessen Flanke entlang wir am Vormittag gewandert waren. Noch einmal ging es steil aufwärts. Die Vermicelles im Bauch machten mir im Aufstieg zum Dreiländerstein, wo Zug, Zürich und Schwyz zusammenkommen, bös zu schaffen.

Oben war wieder Wonne. Auf der Höhronen-Krete spazierten wir beschwingt durch den Herbstwald, bekamen kurz Sonnenschein geschenkt, genossen den Blick hinüber zum Zürcher Oberland. Pilze sonder Zahl lockten das Auge wieder in die Nähe. Dann begann es sanft zu regnen, starker Wind kam auf. Kein Problem, kurz darauf sassen wir schon im Restaurant auf dem Ratenpass beim Schlussbier.

***

Route: Menzingen Post (Bus Nr. 2 ab Zug SBB) – Schloss Schwandegg – Black – Finstersee, Dorfrand – Greit – Greithöhe – Sparenweid – Mistlibüel – Örischwand – Restaurant Rossberg – Dreiländerstein – Höhronen – Ijen – Raten Passhöhe (Bus nach Oberägeri Station und weiter nach Zug SBB).

Gehzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 790 Meter aufwärts, 520 abwärts.

Wanderkarte: 235 T «Rotkreuz» und 236 T «Lachen», 1: 50’000.

Kürzer: Bis zum Restaurant Rossberg gemäss Kolumne in 3 1/2 Stunden. Hernach Abstieg in 3/4 Stunden zum Bahnhof Schindellegi. Gesamte Höhendifferenz dieser Kurzvariante: 550 Meter aufwärts, 600 abwärts.

Charakter: Wandern inmitten grüner Wiesen und Hügel. Einige kürzere Steilpassagen; der Aufstieg zum Dreiländerstein ist meist glitschig. Geschätzte 30 Prozent Hartbelag.

Höhepunkte: Die Spitzhügel von Menzingen. Das stille Seelein vor Finstersee von oben. Der Spätherbstwald. Der Weitblick von manchem Punkt über das Land zwischen Sihl und Zürichsee und hinüber zum Zürcher Oberland.

Kinder: Gut machbar.

Hund: Gut machbar.

Einkehr: Rossberg, Gemeinde Schindellegi. www.rossberg-schindellegi.ch Mo und Di Ruhetag. Bei gutem Wetter reservieren!
Am Schluss im Restaurant Raten. www.restaurant-raten.ch Immer geöffnet.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

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2 Kommentare zu «Drei Männer und ein Dreiländerstein»

  • Irene feldmann sagt:

    Sehr sympathische Wanderung….und das vermicelles das pünktchenauf dem i!!!!!

  • Otto Liebschitz sagt:

    „Da ist keine Rivalität und keine hormongetriebene Häme…“: sympathisch. Mit dem Alter kommt die Gelassenheit.

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