Bis ans Ende der Welt

Diese Woche von Engelberg auf die Fürenalp (OW)

Ich mochte Engelberg schon immer. Vermutlich ist es das Kloster. Es macht aus diesem Tourismusort mehr als einen Tourismusort, gibt ihm Basis, Tiefe, Kraft, Wesen, Geist. Aura. Das Ortswappen zeigt einen Engel; er soll zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Bau der Benediktinerabtei angeregt haben.

Zwei klar geschiedene Gruppen

Kürzlich fuhr ich wieder einmal hin. Im Zug las ich noch kurz einige Dinge nach. Unter anderem die Erklärung, wie inmitten hoher Berge ein derart flacher Talgrund zustande kommt. In vorgeschichtlicher Zeit gab es einen Bergsturz. Er verschüttete den Talausgang, ein riesiger See staute sich auf, den die Engelberger Aa dann wieder auffüllte mit ihrem Geschiebe, mit Sand, Kies, Steinen. So entstand der Boden von Engelberg.

Am Bahnhof zog ich gleich los, hinüber zum Kloster. Vor dessen Portal schwenkte ich links ab – vorerst kein Kirchenbesuch–, mich gelüstete nach Natur. Etwas weiter oberhalb fand ich den Wanderweg, der mich in das Nebental von Horbis führte. Diese erste Etappe war ein Spaziergang, mehr oder minder ebenaus, mit Bänklein am Weg und gutem Blick auf den Talkessel und natürlich den Gewaltsbergen rundum.

Der Ort, wo das Horbistal sozusagen kapituliert vor den Felswänden auf drei Seiten, heisst sinnigerweise Ende der Welt. Die Horbiskapelle, übrigens, ist die älteste Kapelle im Tal und wurzelt im 15. Jahrhundert. Mich freilich zog es eher zur nahen weltlichen Einrichtung des Gasthauses «Ende der Welt». Für die verschattete Terrasse war es zu kalt. Ich trat ein und fand eine gemütliche Holzhöhle vor. Die Gäste, weiss ich von früheren Besuchen, teilen sich in zwei klar geschiedene Gruppen. Es sind entweder Touristen, Städter, Wanderer mit High-Tech-Rucksäcken. Und anderseits Bauern, Älpler, Jäger mit Tannenadeln am Faserpelz.

Alles war voll

Nach der Einkehr wurde es streng; Etappe zwei der Wanderung verlangt gute Schuhe. Unter den Zacken des Hahnen stieg ich, zunächst durch Wald, hernach über eine steile, von Geröllbrocken übersäte Weidefläche auf zum Zieblenkopf, dann zur Alp von Ober Zieblen.

Schwitzend kam ich auf Ober Zieblen an, mittlerweile beschien mich die Sonne. Gegenüber hatte ich den Titlis in Schnee und Eis, während ich auf einer Art Höhenweg vorwärts zog. Zu der folgenden Strecke bis zu meinem Ziel Fürenalp sind drei Dinge zu sagen: Erstens geht es saftig auf und ab. Zweitens wandert man stellenweise nah an der Geländekante, aber wiederum würde ich den Weg nicht als schlimm ausgesetzt bezeichnen, man blickt einfach an manchen Ort eine jähe Halde hinab. Und drittens fand ich Dagenstal reizend, eine kleine Alp in einer Mulde.

Schliesslich die Fürenalp. Ich hatte mich auf die Einkehr, auf irgendeine Saft-und-Kraft-Speise gefreut, aber oh weh! Alles war voll, die meisten Leute trugen Halbschuhe oder Turnschuhe und waren mit der Seilbahn gekommen; ich hätte mich dazu setzen können, aber irgendwie hatte ich keine Lust, mich unter das profane Nichtwandervolk zu mischen. Und also nahm ich gleich die Seilbahn talwärts. Ich verspürte ein Schaudern, als sie über einen Masten sozusagen ins Leere sprang. Aber das ging vorbei. Im Dorfkern von Engelberg fand ich einige Zeit später im Hotel-Restaurant Spannort einen Tisch für mich und genoss eine Rösti, die mir voll und ganz zustand.

***

Route: Engelberg Bahnhof – Kloster – Vorder Horbis – Hinter Horbis/Ende der Welt – Ober Zieblen – Dagenstal – Fürenalp.

Gehzeit: 3 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: 980 Meter auf-, 140 abwärts.

Wanderkarte: 245 T «Stans», 1: 50’000.

Charakter: Angenehmes Promenieren bis Ende der Welt. Hernach eine Bergwanderung, für die man gute Schuhe tragen muss. Oben ist der Weg stellenweise schmal. Wegen des dauernden Auf und Ab ist die Wanderung, obwohl nicht lang, ziemlich anstrengend.

Höhepunkte: Das Kloster Engelberg. Ende der Welt mit Felswänden und Bergen auf drei Seiten. Der Weitblick und Bergblick vom Höhenweg ab Ober Zieblen. Die spektakuläre Seilbahn-Talfahrt von der Fürenalp.

Kinder: Gut machbar. Zwischen Ober Zieblen und Fürenalp muss man sie aber im Auge behalten.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Ende der Welt, Mo Ruhetag. ende-der-welt.ch
Restaurant auf der Fürenalp bei der Seilbahn, www.fuerenalp.ch.
Von der Talstation der Fürenalp-Seilbahn fährt man mit dem Bus zum Bahnhof Engelberg (bis 20. Oktober). Wer zu Fuss geht, braucht eine Stunde.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

7 Kommentare zu «Bis ans Ende der Welt»

  • Elena sagt:

    Die Wanderung ist nicht ganz ohne… Es geht sehr steil hinauf – das über gefühlte 100km, der Bach teilt sich den Weg – gutes Schuhwerk ist das A und O! und es hat wenig Rastplätze, wenn man vom Ende der Welt aus geht. Dafür wird man mit einem schönen Panorama belohnt.
    Das Restaurant bei der Fürenalp war ein bisschen eine Enttäuschung, denn „Städter“ lassen sich anscheinend mit der Bahn hochfahren, essen gemütlich und fahren dann wieder runter! Kein Ort für superverschwitzte Wanderer :)

  • Hofstetter sagt:

    Wir haben diese Wanderung schon oft gemacht, aber es gibt einen guten Weg, der schon steil beginnt und natürlich immer hinauf bis zur Anhöhe. Dieser beginnt beim Wasserfallen und wer einigermassen eine gute Kondition hat, kann ich diesen Weg nur empfehlen. Sehr gutes Restaurant auf der Fürenalp. Bergpanorama einzigartig. Dan weiter wandern wer übrer genügendf Kondition verfügt hinunter zum Stäuber (Wasserfall) dann weitere Abstieg zum Stäfeli, Alpenrösli und zurück nach Wasserfallen.
    Zu empfehlen ist vom Stäuber die linke Flussseite zu benutzen bis hinunter kurz vor dem Wasserefallen. Vor 14 Tagen haben wir bei 3 Flussüberquerungen die Schuhe ausziehen müssen, das hat immer gut getan, durch das Wasser den Fluss zu überqueren.
    Viel Vergnügen bei dieser sehr schönen und teilweise auch anstrengenden Wanderung. Es lohnt sich.

  • Robin sagt:

    Interessanter Bericht. Vor allem das Gasthaus ‚Ende der Welt‘ ist sicherlich einen Besuch wert. Schon sein Name ist vielversprechend. Muss ich definitiv mal besuchen ;).

    Schönen Sonntag.

  • chaeppi sagt:

    Ich muss Martin leider recht geben: Engelberg hat viel von seiner einstigen Stille und Natur eingebüsst und zuviel dem kurzfristigen Mammon geopfert. Wenn Sie Kloster mögen, probieren Sie mal das Val Müstair – gerade jetzt im Herbst wunderschön!

    • Der Beurteilung von Engelberg schliesse ich mich voll und ganz an; hoffentlich war wenigstens die Rösti gut gebraten.
      Der Tipp von Chaeppi ist ein Volltreffer; das Val Müstair ist eine paradisische Landschaft – im Sommer, Herbst und Winter
      (siehe Bilder unter google.earth/panoramio/alfonso,buongiorno).

  • Martin sagt:

    Die Wanderung zur Fürenalp ist in der Tat wunderschön, das Ziel oben auch, sowie die Bahn wieder hinunter. Mich hat vor allem die sich weitende Aussicht auf wilde Berge begeistert. Kaum zu glauben, daß auf der anderen Talseite Omnibusladungen voller Tagestouristen aus China und Indien auf den Titlis geschaufelt werden. Bis auf das Kloster und den alten Ortskern finde ich Engelberg aber mittlerweile recht enttäuschend. Es wirkt völlig zersiedelt, jede noch freie Wiese scheint mit Beton-Terrassenhäusern zugebaut, dazu noch in einem Baustil, der etwas krampfhaft „auf Stadt macht“. Sehr schade.

  • hallo thomas

    danke für den interessanten tipp. kann ich bestens empfehlen.

    ich habe das nach dem abstieg vom fürewand klettersteig gemacht. die fuerenalp ist eine liebliche alpe, mit einem super panorama. wie ein hufeisen breiten sich die berge vor einem aus. besonders imposant der traumberg titils, und die berge
    des spannort, mit ihren wunderbaren spitzen.

    ich wünsche allen schöne touren und viel spass.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

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