Sauber schwimmen

Ein Blog von Siri Schubert*

Als ich aus Kalifornien nach Basel zog, hat mich zunächst vor allem eines begeistert – die vielen Rheinschwimmer, die mit ihren bunten Schwimmsäcken in den Fluss hüpften, sich abkühlten und dann in nasser Badekleidung am Ufer entlang liefen, als ob es das Normalste der Welt sei. Inzwischen habe ich mich an den Anblick gewöhnt. Mehr noch, ich schwimme selbst liebend gern im Rhein und in den Seen der Schweiz. Das Schwimmen in einem natürlichen Gewässer, ohne Chlor und abgeteilte Bahnen, ist ein einfaches, günstiges und wunderschönes Vergnügen – Glücksgefühle garantiert.

Wenn da nicht die Müllberge am Ufer wären, die sich vor allem nach warmen Sommernächten am Rheinufer aufhäufen. Einwegverpackungen von Fast Food, Plastiksäcke, Plastikbecher, Aluschalen, PET- und Glasflaschen – ein richtig fieses Sammelsurium. Wenn dann beim Schwimmen noch eine Plastiktüte meine Füsse streift, habe ich endgültig genug – das ist einfach nur eklig. Ich frage mich ernsthaft, warum die Leute, die es offensichtlich schaffen, die ganzen Verpackungen ans Ufer zu schaffen, sie nicht auch wieder mitnehmen können. Rucksäcke und Taschen haben sie ja wohl dabei, sonst hätten sie den ganzen Mist ja nicht mitbringen können. Wenn ich auf dem Stand-up-Paddleboard unterwegs bin, sammle ich zwar die ein oder andere Plastiktüte ein, aber einen Unterschied macht das wahrscheinlich nicht.

Umso froher bin ich, wenn ich immer mehr Menschen im Rhein schwimmen sehe. Denn wer sich im Wasser bewegt, dem kann ja auch die Sauberkeit des Rheins nicht ganz egal sein – davon bin zumindest ich überzeugt. Schliesslich ist es für niemanden ein Genuss, im eigenen Müll zu baden. Deshalb finde ich es grossartig, dass in Basel am 13. August wieder das von der SLRG Sektion Basel organisierte Rheinschwimmen auf dem Programm steht, an dem jedes Jahr mehrere Tausend Menschen teilnehmen. Das Verlockende: Die Strecke ist durch Rettungsschwimmer, Polizeiboote und andere Hilfskräfte so gesichert, dass wenig passieren kann. Auch Schwimmer, die alleine vielleicht zu unsicher wären, sich die Füsse nass zu machen, können mittun. Voraussetzung ist allerdings, dass die Teilnehmer gut schwimmen und ein bisschen tauchen können. Die Schwimm- und Baderegeln sind selbstverständlich einzuhalten, auch hier gilt: je vertrauter jemand mit der Umgebung ist, desto achtsamer wird er damit umgehen, ob es nun um die eigene Sicherheit, die Sicherheit anderer oder um so einfache Grundregeln wie das Mitnehmen des Mülls geht.

Die Surfrider Foundation, die in den USA gegründet, aber jetzt weltweit vertreten ist, hat es vorgemacht. Sie engagiert sich für den Schutz der Meere und die Sauberkeit von Wasser und Stränden, schliesslich wollen die Surfer das, was ihnen das ultimative High bereitet, schützen. Dabei zeigen sie, dass Umweltbewusstsein durchaus cool sein kann. Ihre Aktionen gehen weit über die Strandreinigung hinaus: Sie sind auch bei weiter gefassten Themen wie der Schaffung von Meeresschutzzonen und der Reduzierung von Pestiziden und Insektiziden in Gärten, die dann wieder im Ozean landen, aktiv und engagieren sich bei der Gesetzgebung, um den Schutz der Meere auch nachhaltig zu sichern.

Auch in der Schweiz können sich Wassersportfans weitergehend engagieren. Zum Beispiel bei der 2,65 Kilometer langen Traversierung des Zürichsees in Wädenswil am 18. August. Bei der von der SLRG Wädenswil organisierten Seeüberquerung gibt es das Sponsorenschwimmen von Oceancare, bei dem die Teilnehmer Spendengelder für ihre Leistung sammeln können, die dann in Delfinschutzprojekte im Mittelmeer investiert werden.

Ich denke, dass nach einem geglückten Rheinschwimmen oder einer Seeüberquerung am Zürichsee keiner der Teilnehmer auf die Idee kommen würde, Müll am Ufer liegen zu lassen. Deshalb ist aktiv sein in der eigenen Umgebung für mich auch immer ein Schritt in Richtung Umweltschutz. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

8 Kommentare zu «Sauber schwimmen»

  • blackball sagt:

    Ich habe eine bessere Idee: Warum nicht einfach den Abfall mitnehmen und in den nächsten öffentlichen Abfalleimer oder daheim entsorgen? Ist ja recht nett, wenn Sie für die Umwelt schwimmen wollen, der Abfall entsorgt sich deshalb immer noch nicht von selbst …

  • Gerber sagt:

    Im Thunersee schwimmen einem jedenfalls keine PET-Flaschen entgegen. Nicht das ich wüsste, jedenfalls.

  • Stefan sagt:

    Littering ist schon ein ernsthaftes Problem, aber nicht nur am Rhein. Es gibt wohl keine einfache Lösung.
    Und trotzdem: Es ist wirklich ein cooles Erlebnis im Rhein zu schwimmen und ich kann allen guten Schwimmern nur empfehlen, einmal die Stadt Basel aus der „Froschperspektive“ zu geniessen.

  • neni sagt:

    ich wusste gar nicht das, die schweizer ihren abfall nicht standartgemäss entsorgen, im shocked……………

  • dominik sagt:

    Faszinierend auch, dass die Stadtreinigung Basel alle paar Meter Abfallkübel oder sogar -container am Rheinufer hinstellt und selbst diese kurze Distanz scheint einigen Zeitgenossen noch zu weit sein um die Überreste ihres Gelages zu entsorgen. Der Rhein (bzw das Ufer) ist doch viiiieeeel näher. Schade, dass man nicht straffrei Kopfnüsse zwecks Erhöhung des Denkvermögens verteilen darf!

  • René Lüthi sagt:

    Sehr guter Beitrag , vielen Dank !
    Macht betroffen zu sehen, wie sich der Müll überall anhäuft und zwar nicht nur den Flüssen sondern auch den Landstrassen entlang.
    Bauern tun einem Leid, wenn sie vor dem Mähen ihrer Felder zuerst Müll entsorgen müssen, ansonsten sich ihr Vieh bei der Nahrungsaufnahme verletzt.
    Eine Abhilfe wäre , deutliche Pfandgebühren auf Pet und sonstigem Gebinde wieder einzuführen.

  • Urs Fellmann sagt:

    Die Idee verdient Unterstützung. In der Umgebung von Sydney haben wir von vielen Menschen besuchte, öffentliche Strände wie Bondi Beach ohne irgend welchen herumliegenden Abfall gesehen. Hnigegen mit grossen Abfalltonnen an den Zugängen. Littering gilt dort als extrem uncool. Ob wir das in der Schweiz auch fertig bringen ?

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    finde ich gut.

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