Das Spitzenkotelett vom Hoch-Ybrig

Diese Woche zur Druesberghütte (SZ)

Morgen ist Saisonstart im Hoch-Ybrig, alle Bahnen fahren wieder. Die folgende Wanderung spielt aber erst in ihrer zweiten Hälfte im Bereich der touristischen Anlagen. Die erste Routenhälfte ist apart, eigen, einsam. Sozusagen weltfern ist sie. Und unglaublich feucht und dreckig, wenn es wieder einmal geregnet hat.

Wir starteten in Studen südöstlich des Sihlsees. Kalt war der Tag und der Himmel verhangen, der Klotz des Fluebrig in Dunst gehüllt. Kurz noch geradeaus, und es begann der lange Aufstieg durch einen Mooswald nach Unter und Ober Schrot. Unsere Schuhe versanken im Schlick, ich fühlte mich wie Fitzcarraldo im Dschungel.

Oben hatten wir grosse Sicht: Tief unter uns lag der See, wir standen genau in seiner verlängerten Achse.

Hinterofen und Pfannenstöckli

Diese Namen! Nach Schrot kam die Tierfäderenegg. Hernach die Hinter Wannenhöchi, ein Pässchen mit Drehkreuz. Und anschliessend eine Alp namens Hinterofen mit nahen Gipfelherrlichkeiten wie Schülberg und Pfannenstöckli. Dann weitete sich das Gelände, wir steuerten nun auf den Kessel des Hoch-Ybrig zu, hatten dabei den Druesberg vor Augen und den Roggenstock zu unserer Rechten – und ich glaube, ich verzichte auf die Nennung weiterer Erhebungen. Selten hat man auf einer Wanderung mehr Berge jeglicher Gestalt vor sich.

In der Druesberghütte kehrten wir ein. Das Schweinskotelett mit Speckrösti eroberte sich durch Saft und Kraft Platz zwei auf meiner ewigen Kotelett-Bestenliste; nur gerade das Stück im Restaurant Staubern im Alpstein war vor langer Zeit noch besser gewesen. Von der Wirtin erfuhren wir drei Dinge. Erstens habe die Hütte keinen Strom vom Tal, sondern hole sich ihre Energie aus einem Solarpanel sowie einem Aggregat. Zweitens sei komme ihr Mann vom Urnerboden, daher die Fahne mit dem Uristier. Und drittens vermiete die Hütte Trottinetts, mit denen man nach Weglosen hinabrollen könne, zum Bus Richtung Einsiedeln.

Plattform des Grauens

Die einen waren bereits wandersatt und hielten – zu Fuss – hinab nach Weglosen. Rita und ich, harte Ware, machten weiter; hinüber zum Sternen ging es wieder heftig aufwärts. Dort gibt es ein Restaurant, eine Sesselbahn und die längste Seilrutsche der Welt «Flying Fox». Vor der Plattform, wo die Leute ans Seil angeklinkt wurden, um dann mit hohem Tempo talwärts zu schwirren – vor dieser Plattform des Grauens hatte sich eine Schlange gebildet.

Wieder wollten wir noch nicht aufhören; als neues Ziel nahmen wir nun den Spirstock. Auf dem Weg am Grat zu ihm stieg Nebel vom Muotatal linkerhand hoch exakt auf unsere Höhe. Er schaffte es nicht, in den Ybrig-Kessel rechterhand hinüberzuwallen – dieses Phänomen fesselte uns. Endlich der Spirstock, wir kehrten kurz ein, 50 Minuten blieben bis zur letzten Talfahrt hinab nach Hoch-Ybrig. Etwas ungemütlich war, dass zwei Frauen schon den Boden feucht aufnahmen. Die Sessselbahnfahrt talwärts war alsbald ein letzter Höhepunkt. Aber nicht der letzte.

Unten auf dem Parkplatz vor der Seilbahn hinab nach Weglosen stand ein Älpler mit einem Schild «Alpkäse». Wir gingen zu ihm, er öffnete die Hintertür seines Kombiautos, Laibe waren hübsch ausgebreitet, eine kleine Waage stand parat. Der Käse war dann ebenso fein wie die ganze Route.

**

Route: Studen, Dörfli (Bus ab Einsiedeln) – Unter Schrot – Ober Schrot – Tierfäderenegg – Holzhütte – Hinter Wannenhöchi – Druesberghütte – Sternen (Sesselbahn hinab nach Hoch-Ybrig) – Nühüttli – Spirstock (Sesselbahn hinab nach Hoch-Ybrig). – Von Hoch-Ybrig Seilbahn hinab nach Weglosen (Bus nach Einsiedeln).

Gehzeit: 5 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: 1340 Meter auf-, 470 abwärts.

Achtung: Diese Kolumne erscheint am 5. Juli. Die Bahnen im Gebiet starten einen Tag später in die Saison!

Variante 1: Nur bis zur Druesberghütte wandern und von dort mit dem Miettrottinett hinab nach Weglosen fahren. Gehzeit 3 1/4 Stunden.

Variante 2: Bis zum Sternen wandern und von dort mit der Sesselbahn nach Hoch-Ybrig hinab fahren. Gehzeit 4 1/2 Stunden.

Wanderkarte: 236 T «Lachen», 1: 50 000.

Charakter: Einsam und eigen im ersten Teil bis Hinterofen. Wilder Wald, feuchte Pfade, einsame Gehütte. Hernach sind im Einzugsbereich der Hoch-Ybrig-Bahnen mehr Leute unterwegs. Sehr aussichtsreich. Vor der Hinter Wannenhöchi und vor dem Sternen quert der Weg Felsnasen, ist aber nicht ernsthaft ausgesetzt. Trittsicherheit vonnöten.

Höhepunkte: Der Sihlsee von Ober Schrot aus. Die Stille der ersten Wegetappe. Die vielen Berge von Fluebrig über Roggenstock bis Druesberg. Die sympathische Druesberghütte. Die Schlussfahrt mit der Spirstock-Sesselbahn.

Kinder: Gut machbar, auf einigen Passagen muss man sie aber im Auge behalten.

Hund: Gut machbar, sofern er am Schluss Sesselbahn-fähig ist.

Einkehr: Druesberghütte, Sternen, Spirstock

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

4 Kommentare zu «Das Spitzenkotelett vom Hoch-Ybrig»

  • Herr Moser, keine Ahnung, da ich nicht MTB-e. Musste sogar die Abkürzung nachschlagen.

  • Roland K. Moser sagt:

    Guten Tag Herr Widmer

    Wie lange hätte man mit dem MTB für diese Strecke?

  • Stefan sagt:

    Komme aus der Gegend und liebe es, dort zu Wandern und Bergsteigen. Ich versuche jedoch das Hoch-Ybrig an sich zu meiden, da ich es im Sommer einfach nicht attraktiv finde. Und wenn mir auf der Strasse zwischen Sternen und Spirstock Kinderwagen entgegenkommen, kommt irgendwie kein Wanderfeeling auf. Aber eben, für den gelegentlichen (Unterland-)Wanderer ist das Hoch-Ybrig sicher empfehlenswert (es können ja nicht alle zusammen auf den grossen Mythen). Persönlich ziehe aber das Gebiet um Fluebrig, Sihlseeli , Druesberg, Forstberg vor. Klar, die Gipfel auf den Gräten sind ausgesetzt, machen das Erlebnis aber umso intensiver.
    Danke für Euren Bericht.
    P.S. Hab aus Interesse noch nachgeschaut: Der Flying Fox kostet Fr. 70.- ohne Bergbahnticket (!).

  • manu sagt:

    Schöne Tour, habe ich mal rückwärts gemacht von der Weglosen aus. In der Wannenhöchi sollte man unbedingt noch rechts (von Hinterofen her kommend) auf den Biet (ca. 30min. hin und zurück) für eine schöne Rundherumaussicht.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.