Hochnebel, Hagel, Hudelwetter

Für Bergsteiger sind präzise Wetterprognosen lebenswichtig: Wetterschmöcker Horak probiert den Schnee.

Alpinisten sind von zuverlässigen Prognosen abhängig: Wetterschmöcker Martin Horat isst Schnee. (Foto: Screenshot Schweiz Tourismus)

An Plänen, Wunschzielen und Traumtouren mangelt es uns Bergsteigern und Kletterern nie. Aber das momentan unbeständige Wetter fordert Geduld. Im Gebirge das Risiko einer Superzelle eingehen? Nein, danke! Mehrseillängenrouten am Fels starten, wenn es später möglicherweise regnen könnte? Besser nicht! Die Wetterstationen geben uns Anhaltspunkte, wann es ungemütlich werden könnte. Aber eben nur plus/minus. Die Frage bleibt: Kann man einem für den Nachmittag prognostizierten Wetterumschwung entkommen, wenn man am Morgen eine oder zwei Stunden früher losgeht und schnell macht? Man weiss es nicht, zumindest nicht im Voraus. Zum Verzweifeln ist auch, wenn man vorsichtig bleibt, die Tour artig verschiebt – und das Unwetter dann nicht eintrifft.

Deshalb ist es gut, wenn man gewisse Zeichen der Natur kennt. Solche gibt es im Buch «Der Wetterschmöcker – Martin Horat und die Muotathaler Propheten». Autor Thomas Renggli analysiert hier nicht nur die Kuriosität von Schneelecken und Ameisenhaufen. Er hat zusammen mit Meteonews, Meteoschweiz und den Muotathalern unter anderem ein ABC einiger Wetterphänomene zusammengestellt. Eine Kurzfassung:

Föhn
Warmer, trockener, meist starker Fallwind auf der Alpennordseite. Auf der Alpensüdseite ist vom «Nordföhn» die Rede. Föhn bringt aussergewöhnlich gute Fernsicht. Bricht er zusammen, heisst es: Rette sich (ans Trockene), wer kann. Er ist ein Vorzeichen für schlechtes Wetter.

Bise
Trockener, kalter Winder, der Luftmassen aus dem Nordosten Europas nach Mitteleuropa befördert und durch Mark und Bein fährt. Die Bise bläst im Genfersee-Raum stärker als am Bodensee. Während der Nacht flaut sie ab und nimmt tagsüber wieder zu. Sie bringt kühles, aber auch stabiles und gutes Wetter.

Hochnebel
Wetterlage mit grossem Frustpotenzial im Flachland. Im Gebirge sorgen die starke Auskühlung für Talauswind und die Hangwindzirkulationen für eine rasche Auflösung am Tag.

Bodennebel
Er entsteht, wenn sich feuchte Luft unter den Taupunkt abkühlt, also mit Wasserdampf gesättigt wird. Wissenschaftlich wird von Nebel gesprochen, wenn die Sichtweite weniger als einen Kilometer beträgt. Alles darüber ist Dunst – oder die Folge einer langen Nacht.

Eisregen
Wenn unterkühlte Regentropfen in flüssigem Zustand durch kalte und sehr reine Luftschichten fallen. Tritt ein solcher Tropfen auf eine feste Substanz, gefriert er schlagartig. Der Strassenglätte verursachende Eisregen wird von Autofahrern gefürchtet, aber von Karosseriespenglern geschätzt. (Bergsteigern macht er trotz griffigen Steigeisen das Leben schwer.)

Hagel
Im Gegensatz zum Eisregen fällt er bereits in gefrorenem Zustand. Hagel entsteht immer im Zusammenhang mit Gewitterwolken und sehr heftigen Turbulenzen. Ein Hagelkorn erreicht eine Geschwindigkeit von 90 km/h. (Im ungeschützten Gebirge etwa so gefährlich wie Steinschlag, kombiniert mit Blitz und Donner ein lebensbedrohlicher Alptraum.)

Morgenrot
Für die Bildung einer Morgenröte muss der Himmel im Osten klar sein, während im Westen bereits Wolken aufziehen. In der Regel ist das Morgenrot in Mitteleuropa ein Vorbote für schlechtes Wetter. (Kommt noch starker Dunst hinzu, setzt der Niederschlag oft schon in den Mittagsstunden ein.) Oder wie es im Volksmund heisst: «Morgenrot, Abendkot.»

Abendrot
Rötliche Färbung eines leicht bewölkten Himmels bei Sonnenuntergang. Im Volksmund gilt Abendrot als «Schönwetterbote».

Regenbogen
Sinnbild vieler Mythologien. Wissenschaftliche Definition: «Ein Regenbogen ist ein atmosphärisch-optisches Phänomen, das als bogenförmiges Lichtband wahrgenommen wird. Die Erscheinung entsteht durch Spiegelung und Brechung von Sonnenlicht in den Wassertropfen einer Regenwand oder Wolke. Der Beobachter hat die Regenwand vor und die Sonne Hinter sich.» Kultur- und ideologieunabhängig wird der Regenbogen als positiv wahrgenommen. Wetterschmöcker Martin Horat lässt sich davon aber nicht die Sinne vernebeln: «Ein Regenbogen ist ein deutliches Zeichen für noch mehr Niederschlag.»

Hier noch die Prognosen von Martin Horat für die nächsten Monate:

  • Juni: Der Monat fängt einigermassen gut an. Ab dem 10. immer wieder Regen. Die Schirmflicker können sich ob diesem Wetter erfreuen. Ende Monat zeitweise sehr schwül. Dazwischen stellenweise starke Gewitter.
  • August: Bis am 20. grösstenteils Hudelwetter. Zum Schluss des Monats einige sonnige Tage, aber der Nebel streicht immer wieder um die Berggipfel.
  • September: Zuerst angenehme Temperaturen, aber wenig Sonne. Nach dem 10. bis Ende Monat schönes Herbstwetter.
  • Oktober: Weiterhin regiert der Föhn und sorgt für gutes Wetter. Ab dem 12. gibt es Regen. Es bleibt aber warm.
  • Zusammenfassend sagt Martin Horat: «Leider muss ich mitteilen, dass es einen nassen Sommer gibt. Auf einen Hudelwinter folgt meistens ein schlechter Sommer. Immerhin ist mit einem schönen Herbst zu rechnen.»

Der WetterschmöckerDieses humorvoll geschriebene Buch, erzählt von einem Stück Schweizer Brauchtum, das in den letzten 250 Jahren alle Hitzewellen und Winterstürme überstanden hat. «Der Wetterschmöcker – Martin Horat und die Muotathaler Propheten» von Thomas Renggli. 185 × 240 mm, 196 Seiten, Hardcover
44 Fotos von Simon Zangger . Faro Verlag. ISBN:  978-3-03781-055-2. Verkaufspreis: 29,90 Franken. www.fona.ch

17 Kommentare zu «Hochnebel, Hagel, Hudelwetter»

  • Joachim Adamek sagt:

    @ koller: Sorry, für die späte Antwort. Prinzipiell stimme ich Ihnen zu, dass es beim Wetter keine verlässliche, oder eben nur ganz allgemeine Langfristvorhersagen geben kann. Ich möchte hier keinesfalls, als Oberlehrer auftreten, sondern gehe davon aus, dass Sie ein echtes Interesse am Wetter haben. Viele “Wetterweisheiten” gründen auf Beobachtungen, die über lange Zeiträume gemacht wurden. So auch die “Siebenschläfer-Regel”: Da wurde bereits vor Jahrhunderten ein Zusammenhang gesehen, für das die Meteorologen erst 1910 eine Erklärung fanden: Ende Juni, Anfang Juli stabilisiert sich nämlich der Polarjetstream. — Nimmt man jetzt noch weitere Phänomene hinzu, z. B. die Zahl der Sonnenstunden, die Niederschlagsmeengen und die Durchschnittstemperaturen der letzten Monate, so kann man zu einer groben Einschätzung des Sommerwetters gelangen und entsprechend planen.

  • hallo mitenand

    ich habe das buch von martin horvat gekauft.
    von so erfahrenen menschen kann man einiges lernen. er ist bestimmt ein mensch mit besonderen fähigkeiten fürs wetter…
    viele dinge im leben lassen sich wissenschaftlich nicht erklären. das ist einfach ein gefühl für bestimmte natur vorkommnisse…

    ich bin ueberzeugt, jeder findet im buch wetter regeln, die er in den bergen schon selbst erlebt hat. das wetter, oder
    uebersetzt klima erscheinungen sind einfach faszinierend.

    gute zeit, und viel spass bei den touren vorbereitungen.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Joachim Adamek sagt:

    … Mein allerstes Barometer war ein Tannenzapfen, nachdem der Bub von Berglern gelernt hatte, was die Stellung der Schuppen über die Wetterentwicklung aussagt. Inzwischen greife ich freilich auf feinere Instrumentarien zurück, wenn ich mir ein Bild über die langfristige Entwicklung machen will. Mein Respekt vor den “Wetterpropheten” ist geblieben.
    Grossen Systemen ist eine gewisse Trägheit eigen. Deswegen ist die Prognose des Wetterschmöckers für diesen Sommer leider nicht ganz von der Hand zu weisen. Für Zerknirschtheit besteht jedoch kein Anlass: Es wird immer wieder Zeitfenster mit Schönwetter geben, in denen man auch mehrtägige Wanderungen in alpinen Regionen unternehmen kann.

  • Martin Cesna sagt:

    Ich hoffe, dass angehende Bergsteiger beim SAC eine gründlichere Wetterausbildung für ihr Hobby bekommen als solche gesammelten Skurrilitäten, wie wohl in dem Buch veröffentlicht. Das erspart der REGA viele unnötige Einsätze.
    Naja, der Rest ist eine Form der Religion, wovon man weiss, dass es die übelsten Kriege jeweils gab, was denn nun wahr sei oder eben nicht.
    Ob es gut ist, dass so ein Buch am Ende ein eigenartiges Stück Land dieser Welt noch mehr eigenartigerr darstellt, wage ich zu bezweifeln. Noch lange nicht jeder skurile Brauch in irgendeinem Bergtal ist per se förderlich für den Tourismus.

  • Claudia Egger sagt:

    Kann mir jemand plausibel erklären, wie man von bereits gefallenem Schnee auf das künftige Wetter soll schliessen können? Das widerspricht jeder Logik – die Zukunft weiss ja nichts von der Vergangenheit und Schnee bleibt im Gebirge ja monatelang liegen. Das ist reine Folklore. Ein Relikt aus einer Zeit, als Möglichkeiten zur Wettervorhersage kaum existierten und man sich notgedrungenerweise an jeden Strohhalm klammerte. Wenn uns der Tagi das als Folklore verkaufen will – okay. Aber eine Wetterprognose braucht er dann nicht abzudrucken.

  • koller sagt:

    Fabio montale: verstehe Ihre Frage nicht. Ich mache weder Prognosen noch Werbung, dies sicher nicht für das erwähnte Buch.
    Ich bleibe bei meinen Aussagen in meiner Einsendung von 15.37h.

  • fabio montale sagt:

    hier gehts ums buch.
    darf ich um die aktuelle
    prognose bitten- nicht um werbung
    danke

  • koller sagt:

    hört doch mal auf mit Publikationen über die Muotathaler Wetterfrösche, wenn die METEO-Profis, nach jahrelangem Studium dieser recht komplizierten Materie, ab etwa 3 Tagen ins „schwitzen“ kommen. Der“ Fasnachtsverein“ kann Prognosen über 3 Monate mittels Schnee essen oder sich in einen Ameisenhaufen setzen bieten und die seriösesten Schweizer Medien drucken diesen „Seich“ noch ab. Wer ist nun blöder ? Diejenigen die dies drucken oder diejenigen die sich im Medienwahn sonnen ???

  • Philipp Rittermann sagt:

    ror wolf – „wetterverhältnisse“: Es schneit, dann fällt der Regen nieder,
    Dann schneit es, regnet es und schneit,
    Dann regnet es die ganze Zeit,
    Es regnet und dann schneit es wieder.

  • schwenki sagt:

    Mein vorplatz ist heute Morgen Nass,hurra es hat gewiss geregnet!
    Bin ich jetzt auch ein Wetterprophet???

  • Karl Renner sagt:

    Vom sympathischen Kaffeesatzleser Horat könnte Doris Fiala noch viel lernen, was PR betrifft.

  • Homer sagt:

    Juni, August, Septemer, Oktober… Unser 11-monatiges Jahr. :)

  • erfahrung macht den meister!!!!!

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