Velo-Love oder die Rückkehr aufs Bike

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.


Genau vier Wochen nach meinem unglücklichen Abflug vom Bike habe ich meinen Arzttermin im Spital von Queenstown. Zwischenzeitlich hatte ich versucht, mich möglichst still zu halten und die Zeit mit etwas Sinnvollem auszufüllen. Somit drückte ich knappe vier Wochen die Schulbank, um ein «Cambridge University Advanced English»-Diplom mit nach Hause zu nehmen. Dieses wirkt sich hoffentlich positiv auf die Stellensuche nach meiner Rückkehr aus. Das Röntgenbild meines Schlüsselbeins zeigt, dass zwar alles auf gutem Weg ist, der Knochen aber noch nicht durchgebaut hat. Ich darf mich wieder bewegen, bis zur Schmerzgrenze und mit gegebener Vorsicht. Seine volle Stabilität werde der Knochen aber erst nach weiteren vier Wochen wieder erreicht haben.

Tolle Diagnose, was sollte ich nun damit genau anfangen? Ich befinde mich im Paradies für jeden Biker und bin natürlich heiss darauf, möglichst rasch wieder auf meinen zwei Rädern zu sitzen. Vernunftsgemäss müsste ich damit noch etwas abwarten, da ich einen erneuten Sturz wohl noch nicht wegstecken könnte. Vorsichtig Downhillbiken ist etwas, das einem wohl nur ein Nicht-Downhillbiker raten kann. Ich beschliesse, einfach auf mein Gefühl zu hören und beginne mit Liegestützen, Schwimmen und selbst erfundenen Physiotherapie-Übungen, um meine Beweglichkeit zurückzuerlangen.

Ein Freund leiht mir sein Allmountain-Bike aus. Damit werde ich nun zuerst vorwiegend hochfahren, um meine Fitness wieder aufzubauen. Vor meinem ersten Ride bin ich regelrecht nervös. Ich suchte mir für meine ersten Versuche den «7 Miles Track» in Queenstown aus. Das ist ein Netzwerk von flowigen Singletrails. Es geht relativ gut, ich bin zwar anfangs noch etwas wackelig unterwegs, doch habe ich kaum Schmerzen und könnte platzen vor Glück darüber, wieder auf dem Bike zu sitzen. Das Leben ist grossartig!

In den folgenden Tagen erklimme ich verschiedene Berge in der Umgebung und habe mächtig Spass daran. Wer mich kennt, mag dies mit gewissem Unglauben lesen, da ich normalerweise nicht gerade ein Fan des Hochfahrens bin… Nun vielleicht werde ich ja durch den Unfall fitter als je zuvor? Nach dem Trebel Cone Peak und dem «Moonlight Track», steht der «Skyline»-Bikepark auf dem Programm, in umgekehrter Richtung, nämlich von unten nach oben. Natürlich folgt nach dem Aufstieg eine Abfahrt und das ist der Moment: Ich bin zurück im Bikepark! Die Zeit ist gekommen, um mein Allmountain-Bike wieder gegen Knieschoner, Integralhelm und mein Giant Glory einzutauschen.

Darauf erlebe ich herrliche Tage mit meinen Freunden beim Shuttlen in den Remarkables, am Coronet Peak und im Queenstown Bikepark. Auf dem Bike ist das atemberaubende Panorama Neuseelands einfach noch tausendmal schöner. Und endlich kann auch ich die Tracks fahren, von denen ich die letzten Wochen immer wieder gehört habe… Natürlich gehe ich die Sache noch ziemlich locker an, schliesslich freue ich mich auch auf einen langen Bikesommer in der Schweiz. Abschliessend kann ich sagen, dass der Schlüsselbeinbruch ein relativ glimpflicher Unfall für mich war. Abgesehen davon, dass der Knochen eine etwas unförmige Gestalt angenommen hat und der Bikerucksack nun auf einen abstehenden Knochensplitter unter der Haut drückt, bin ich absolut beschwerdefrei. Mental habe ich keine Probleme. Im Gegenteil, ich bin einfach nach der Wartezeit umso dankbarer und motiviert, um jeden Ride zu geniessen.

Wie haben Sie die Rückkehr aufs Bike nach einer Verletzungspause erlebt?

PS: Viele Grüsse aus Australien, wo ich gerade die «Great Ocean Road» erkunde…

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.

2 Kommentare zu «Velo-Love oder die Rückkehr aufs Bike»

  • Martin sagt:

    Hallo zusammen

    Ich habe es geschafft, meine Ferse zu zertrümmern – allerdings nicht auf dem Bike. Der Weg zurück auf den Sattel war für mich somit eine schonende Möglichkeit meine Fitness wieder aufzubauen.

    Wenn man sich nicht grad mit dem Downhillbike den Abhang runterschmeisst, ist das Zweirad eine der körperfreundlichsten Sportarten.

    Am wichtigsten ist jedoch, nicht zu früh wieder zu viel zu wollen. Und genau dort liegt bei ambitionierten Sportlern der Hund begraben. Das Risiko, die Verletzung somit unnötig in die Länge zu ziehen ist zweifelsfrei gegeben.

    Ich für meinen Teil, hatte das Glück, das Radfahren – nebst Schwimmen – die einzige Möglichkeit war um wieder schmerzfrei Sport zu treiben. Doch irgendwie bin ich seit dem Unfall nicht mehr so risikofreudig wie vorher.

    Martin

  • Mike sagt:

    Die längste Verletzungspause hatte ich mal wegen einem Beinbruch, da konnte ich ziemlich genau ein halbes Jahr nicht fahren und hab vor Freude fast geheult, als ich das erste Mal wieder auf dem Bike sass. Obwohl ich eigentlich gar nichts Richtiges machen konnte. Ansonsten find ich’s gewöhnlich etwas schwierig nach einer Verletzung. Erstens fühle ich mich unsicher, weil die Erinnerung an den Crash noch frisch ist und ausserdem das Letzte, was mir auf dem Bike passiert ist, und zweitens bin ich nach Wochen oder Monaten verletzungsbedingtem Rumsitzen logischerweise aus der Form. Und irgendwas tut ja meistens doch noch irgendwie ein bisschen weh.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.