Sozialexperiment mit Bella und Emil

Diese Woche von Altstätten auf den Gäbris und die Hohe Buche (SG/AR)


Ich brachte Bella mit, das Appenzeller Blässli meiner Schwester. Und Hürzi brachte seinen Familienhund Emil mit, einen Jack Russell. Und irgendwie dachte ich, das würde etwas. Tatsächlich war es auf der fünfstündigen Wanderung aus dem St. Galler Rheintal auf die Höger des Appenzeller Mittellandes dann so, dass sich die beiden… nun, nicht nicht mochten oder gar verabscheuten. Desinteresse trifft es am ehesten. Sie spielten nicht miteinander, jagten einzeln durch die Wiesen, ignorierten sich auch in der Wirtschaft, als sie unter demselben Tisch lagen.

Die Wanderung ansonsten – gut, schön, grandios, mit Blumenwiesen, es war Frühling. Sie begann in Altstätten SBB damit, dass wir zum Bahnhof der Appenzeller Bahnen am westlichen Ortsrand zogen. Schnell waren wir hernach in einem einigermassen steilen Wiesen- und Waldgelände. Am, in Gehrichtung gesprochen, linken Rand des Brendenbaches keuchten wir hinauf zum Weiler Fideren.

Eine gute Ausflugsbeiz

Während wir der Alp Chlosmeren zustrebten, hörten wir linkerhand, vom Stoss her, einem Pass, das Pfeifen der Appenzeller Bahn; die Linie Altststätten-Gais. Schliesslich die Alp Chlosmeren. Emil und Bella schnüffelten, schnupperten, pinkelten, was das Zeug hielt. Jeder für sich, versteht sich. Kurz vor dem Sommersberg, auch ein lohnendes Wanderziel, bogen wir ab. Über einen sumpfigen Zwischenboden zielten wir auf den Schwäbrig, bekannt durch Kachelmanns Meteostation, kamen zum Gäbrisseeli und zum unteren Gäbris. In der Appenzeller Bauernwirtschaft gleichen Namens kann man schön einkehren. Wir sparten unseren Hunger noch ein wenig auf.

Endlich der Obere Gäbris mit dem Gipfelgasthaus; wir hatten den Alpsteinriegel vor Augen. Ich mag diese Wirtschaft, in der ich oft war, einige Male auch mit Bella, die ganz in der Nähe lebt. Dies ist eine Ausflugsbeiz, sie ist bei gutem Wetter ziemlich voll; aber irgendwie schafft es das Personal, das man nie lange warten muss. Wir nahmen Platz, konnten nach drei Minuten bestellen, hatten eine Viertelstunde später jeder sein Essen vor sich. So mag ich das. Und das Essen war fein. Ich nahm, wie immer, die Siedwurst mit Chäshörnli und Apfelmues und hernach «Bereflade mit Romm». Birnenkuchen mit Rahm. Und wie immer hatte ich am Ende einen brutal vollen Bauch.

Eine der schönsten Wanderpassagen

Vom Gäbris ist man in einer Stunden locker unten in Gais. Wir wollten länger wandern und wählten eine andere Richtung; wir zielten auf die Hohe Buche, die wir über den kleinen Strassenpass der Wissegg erreichten – wieder eine Gipfelwirtschaft; und auch in der «Buche» bin ich sozusagen ein Habitué. Wir tranken etwas, liessen den Blick schweifen gegen das Neckertal, Toggenburg, Zürcher Oberland.

Hernach der Abstieg nach Bühler. Der Weg zieht sich die ersten vierzig Minuten auf einer sanften Krete durch die Wiesen vorbei an kecken Hügelchen und streift das eine oder andere Appenzeller Hemetli; man vergisst die Niederungen des Unterlandes total, dies ist eine der schönsten Wanderpassagen in meinem Appenzellerland. Am Bahnhof Bühler dann waren Emil und Bella geschafft und streckten sich auf dem schmalen Streifen zwischen dem Bahnhofsladen und den Schienen müde aus. Aber auch da – keine gegenseitige Anteilnahme; jeder war für den anderen Luft. Das Sozialexperiment mit Hund und Hündin wurde seither nicht wiederholt.

Route: Altstätten SBB – Altstätten Appenzeller Bahnen – Fideren – Alp Chlosmeren – Schwäbrig – Gäbrisseeli – Unterer Gäbris – Oberer Gäbris (Gipfel) – Wissegg – Hohe Buche – Wissegg (nicht dieselbe Wissegg wie die vorhergehende) – Bahnhof Bühler.

Gehzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 960 Meter auf, 580 ab.

Wanderkarte: 227 T «Appenzell», 1: 50’000.

Charakter: Im ersten Teil bis vor dem Gäbris einsame Wanderung durch Wald und Wiesen mit steilen Hängen. Dann klassische Wanderroute. Viel Aussicht.

Höhepunkte: Der Blick vom Hang über Altstätten auf das Rheintal und ins Vorarlbergische. Einkehr und Aussicht vom Gäbris. Die ebenmässige, idyllische Wiesenpassage zwischen der Hohen Buche und Bühler.

Kinder: Gut machbar, ev. etwas lang.

Hund: Gut machbar.

16 Kommentare zu «Sozialexperiment mit Bella und Emil»

  • Hofer Richard sagt:

    besten Dank für die immer wieder schönen Routen-Vorschläge, welche ich ab und an in meine persönliche Laufplanung integriere. Gerade habe ich die Wanderung ab Altstätten auf den Gäbris in Variation absolviert (http://www.hikr.org/tour/post79283.html).

    Mit Spannung warte ich auf den vierten Band mit Wandervorschlägen :-)

    Freundlichst
    Richard Hofer

  • Danke für die Erklärung, Malou.

  • martin sagt:

    das sieht ja schon sehr sommerlich aus, mit den verblühten blumen. ;)

  • Malou K. sagt:

    Die Wanderung klingt schön und ich habe Sie mir gleich gespeichert um sie dann mit meinem Hund auch mal zu machen. Merci. Eine kleine Erklärung zum Desinteresse der beiden Hunde habe ich vermutlich: Hunde „spielen“ nicht wirklich, es geht da die ganze Zeit um „Rudelanordnung“. Und nach ca 2 Jahren ist spielen in dem Sinn nur noch bei ausgewählten Hunden interessant. Heisst was wir als Desinteresse anschauen ist damit zu erklären, dass die beiden einfach schon ganz klar und ziemlich schnell die Rudelordnung festgelegt haben (durch Blick, Gesten etc.) und somit kein Grund mehr zum „spielen“ bestand. Also kurzum: es ist kein schlechtes Zeichen, sie haben sich einfach gleich geeinigt und arrangiert.

  • Philipp Rittermann sagt:

    es hat dort zu viele ostschweizer, leider. die gegend ist nicht unschön.

    und wie nur…kann man einen hund „emil“ taufen??!

    • Thomas sagt:

      Von den Einheimischen hat’s immer und überall zu viel, wenn man sie nicht mag. Also bleiben sie besser zu Hause!

    • Daniel sagt:

      Emil ist ein schöner Name für einen Hund. Meiner heisst Paul. Die Wanderung klingt wirklich schön. Werde sie evtl. mit Paul mal nachwandern.

    • 08/15 sagt:

      genau so eine bläde Frage wie die; wie kann man einen Ritttermann nur Philipp taufen?

    • Jack Koller sagt:

      Dort gibt es tatsächlich noch zahlreiche Ostschweizer: Durchwegs freundliche, hilfsbereite und lebensfrohe Menschen. Leider ist die Ostschweiz eben, wie andere schöne Landschaften auch, mit griesgrämigen, lustlosen Städtern versaut, die man als Wanderer antrifft. Naivlinge ordnen diese dann den Einheimischen zu.

  • Roland K. Moser sagt:

    Was haben Sie eigentlich für ein MTB Herr Widmer?

  • Chäppi sagt:

    Die Ostschweiz ist schön, abwechslungsreich, gut mit Beizen ausgestattet. Aber – sorry – einfach etwas bünzlig: Jeder Zentimeter abgezählt und eingezäunt, keine freie Luft, blöde Kläffer überall.

    • 08/15 sagt:

      5 Jahre lang hatte ich das ganz grosse Glück ein vierbeiniges Tageskind (ein in die Jahre gekommener Golden Retriver) 3-4 Mal pro Woche hüten zu dürfen! Das war eine der schönsten Zeiten in meinem ganzen Leben. Noch nie hatte ich die Natur und auch die Menschen so positiv erleben dürfen. Ich habe das Glück an enem Ort zu wohnen wo die Natur ganz nah ist, Wald, Fluss, Weiher und See in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar und für den Hund ein Paradiesl. Was haben wir die gemeinsamen Stunden zusammen genossen. Leider musste er wegen Krankheit eingeschläfert werden und heute noch, nach vielen Jahren fehlt er mir ganz stark.Wenn man mit offenen augen und offenen Herzen durch die Natur streift, das ist Erholung und Regeneration für Körper, Geist und Seele

    • 08/15 sagt:

      Wenn isie die Welt so sehen würden sie besser bei geschlossenen Fenster und Läden zu Hause bleiben!

      • Karin Gut sagt:

        @Chäppi: Also zumindest im Appenzellerland hat es sicher nicht „blöde Kläffer überall“. Wenn wir den markierten Wanderwegen entlang gehen, dann haben wir (ohne eigenen Hund) praktisch nie Probleme mit einem der Hofhunde. Falls doch einmal ein bellender Hund den Wanderweg versperrt, gibt er den Weg meistens schon nach einer angedeuteten Wurfbewegung frei. Die Appenzeller Hunde bellen zwar laut, aber sie halten eigentlich immer eine gewisse Distanz ein.

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