Peng in Vals ist ein Knaller

Diese Woche Winterwandern und Schlitteln in Vals (GR)

Kürzlich war ich in Vals eingeladen, zur Übernachtung im Hotel Therme samt opulentem Essen. Zuvor aber machte ich eine Winterwanderung. Zwecks Kalorienvernichtung durch Sport hatte ich mir die winterliche Paradestrecke des Ortes erwählt: den Höhenweg von der Gadastatt zum Zervreila-Stausee.

Ein Nussgipfel als Proviant

Als ich in Vals aus dem Bus stieg, fand ich den Namen des Cafés bei der Post einen Knaller. Es heisst wie ein verbreitetes Geschlecht im Dorf «Peng». Ich holte mir einen Nussgipfel, gut war er. Dem schnurgerade gefassten Valser Rhein entlang zog ich nun 20 Minuten taleinwärts, erreichte den Ortsteil Valé, und hatte bald eine grüne Schachtel vor mir. Die Talstation der Gadastatt-Gondelbahn.

Oben: gleissende Sonne. Ein Häuflein Skifahrer. Ein Berghaus, auf dessen Terrasse man den ganzen Tag hätte blinzelnd verharren können. Sowie eine Tafel mit den Gehrouten. Alle Wege waren offen, auch meiner zum Zervreilasee.

Ich hatte den Weg sommers schon bewandert, erinnerte mich an die Aussicht sowie an sumpfige Passagen. Die Aussicht war auch diesmal herrlich, samt Guraletschhorn und Fanellhorn zu meiner Linken. Später zeigte sich direkt vor mir der Paradegipfel von Vals, das Zervreilahorn.

Auf der Staumauer

Fast mühelos kam ich auf dem breiten, sauber präparierten Weg voran, wobei der erste Teil bis Frunt leicht anstieg. Frunt ist eine Walsersiedlung. Die Walser waren ein in Wellen aus dem mittelalterlichen Goms im Kanton Wallis ausziehendes Pioniervolk, dessen eine Fraktion sich im 14. Jahrhundert in Vals niederliess. Frunt, das abgelegene Weilerchen hoch über der Schlucht des Valser Rheins und dem Zervreilasee, ist heute allerdings nicht mehr ganzjährig bewohnt. Die St. Anna-Kapelle steht waghalsig an der Geländekante.

Bald danach stand ich auf der Staumauer des Zervreilasees. Und etwas später sass ich schon im Restaurant «Zervreila», ass einen Salsiz und überlegte, wie ich in den Ort hinabgelangen wollte: Retour zur Gondelstation Gadastatt gehen? Den Shuttlebus nehmen? Auf der Strasse hinablaufen? Schlitteln? Ich entschied mich fürs Schlitteln, mietete einen Schlitten und versicherte, die Instruktionen, die auf jedem Tisch zu lesen waren, zur Kenntnis genommen zu haben. Unter anderem diese: «Lassen Sie ein Ohr unter der Mütze heraushängen.»

Im Temporausch

Die sieben Kilometer auf der streckenweise steilen Strasse waren ein höllischer Spass. Ein Mix aus Temporausch, vernunftinduzierten Bremsmanövern und Beklemmung angesichts des Zauns zur Linken, hinter dem ich die abgründige Rheinschlucht wusste. Einmal kam mir ein Auto entgegen. Weiter unten gelangte ich auf die alte, autofreie Strasse. Ich liess es wieder laufen, flitzte unter meterhohen Eiszapfen dahin, kam in einen Tunnel. Doch, das war ein Abenteuer.

Nach der Schlittelei wollte ich meinen Lieblingsort in Vals aufsuchen, die Kirche St. Peter und Paul am Dorfplatz. Doch blieb mir der Besuch versagt. Eine Beerdigung war im Gang. So kam ich nicht dazu, mir das altehrwürdige Deckengemälde anzuschauen. Es zeigt die Berufung Petri am See Genezareth. Doch der Berg im Hintergrund des Gemäldes ist ein Stück Graubünden: In die biblische Szenerie hat der Meistermaler das Zervreilahorn geschmuggelt.

***

Route: Vals Gadastatt (Gondel-Bergstation) – Frunt – Zervreila-Staumauer – Restaurant Zervreila.

Gehzeit: Je nach Verhältnissen zwischen 1 1/2 und 2 Stunden.

Höhendifferenz: 210 m aufwärts, 190 abwärts.

Wanderkarten: 257T «Safiental» 1: 50 000.

Charakter: Gepfadeter offizieller Winterwanderweg mit sehr viel Aussicht. Nur geringe Anstrengung.

Höhepunkte: Die Berge rundum, vor allem das Zervreilahorn. Das Wandern abseits des Skirummels. Das Kapellchen von Frunt und der Tiefblick auf die Zervreila-Staumauer.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Schlitteln: Vom Restaurant Zervreila kommt man mit dem Shuttlebus hinab nach Vals (Fahrplan im Tourismusbüro, 081 920 70 70, www.vals.ch. Oder man mietet im Restaurant einen Schlitten (12 Franken, lenkbares Modell mit rückenschonendem Tuchsitz). Vorsicht, auf einem Gutteil der Strecke hat man Gegenverkehr (Autos)!

Einkehr: Restaurant Zervreila. Mo Ruhetag. www.zervreila.ch

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.ch

8 Kommentare zu «Peng in Vals ist ein Knaller»

  • Balz sagt:

    Lieber Thomas,
    ich sehe deinen tollen Bericht über diese wunderbare Gegend erst jetzt. Kürzlich stand ich am Valser Dorfplatz, fragte mich ein deutscher Hipster: „Hm was tun an nur einem Nachmittag?“ Gadastatt-Zervreila, sagte ich, das ist der Klassiker. Ich nehme an, er war sehr glücklich am Abend. Jetzt, wo kein Schnee liegt, musst du aber unbedingt mal weiter nach Ampervreila, das gibt einen Eindruck, wie Zervreila mal war, bevor das Wasser kam. Mystic! Hier hats einige historische Bilder: http://www.grosshus-vals.ch

  • Beat sagt:

    Nach Anregung durch diese Kolumne bin ich gestern Montag über diesen prächtigen Panoramaweg gewandert, allerdings in umgekehrter Richtung. Vorher bin ich zu Fuss über den Schlittelweg von Vals nach Zervreila aufgestiegen und auch den Abstieg von Gadastatt nach Vals habe ich über den Winterwanderweg zurückgelegt.
    Mein Bildbericht unter: http://www.freizeitfreunde.ch/blogs/632

  • Kathrin und Roger Jeker sagt:

    Auch wir können den beschriebenen Weg sehr empfehlen! Wenn wir in Vals sind, übernachten wir jeweils im Hotel Valserhof. Ein echter Geheimtipp! Ein gemütliches Hotel: klein, einfach, aber fein, wo wir uns vom ersten Moment an wohl gefühlt haben. Das Hotel wird von Peter und Berit Vieli mit viel Liebe und Hingabe geführt und der Chef (übrigens ein echter Valser!) kocht höchstpersönlich – und wie er kocht! Es ist ein Traum!

  • hallo mitenand

    ich kenne die gegend nicht sehr gut.
    wie thomas widmer schreibt, das zervreilahorn ist ein spezieller berg. auch mir imponierte dieser fantastische berg…
    auf jeder mineralwasser-flasche ettikette abgebildet bildet das kühne horn und wahrzeichen ein begehrtes ziel.
    nicht umsonst wird es auch als matterhorn graubündens apostrophiert.

    ich wünsche allen viel spass in dieser wunderbaren bergwelt.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Mac Loretz sagt:

    Um den beschriebenen Weg noch zusätzlich zu bereichern kann man natürlich auch zur Bergstation hinauf laufen über den Weiler Leis wo für den Magen feine Spezialitäten genossen werden können wie z,B, die knusprigen Mistkratzerli mit den einmaligen Pommes

  • Und nachher ein Bad in der Felsentherme!!!!!

  • Tom sagt:

    Die besten Nussgipfel findet man aber etwas weiter „vorne“ im Café Schnyder…

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